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Neue Birkenstocks

So wird ein anderer Schuh draus

Von Esma Annemon Dil
 - 12:20
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Mit einer Party landete die „Birkenstock Box“, der um die Welt reisende Pop-up-Store der deutschen Schuhmarke, im Frühjahr vor der unscheinbaren Fassade in Hollywood, hinter der sich der monolithische Laden von Rick Owens verbirgt. Das mobile Handelskonzept wurde von den Berliner Architekten Gonzalez Haase aus gestapelten, umgebauten Frachtcontainern als neutraler Raum konzipiert, der von Partnern auf Zeit gestaltet werden kann. Das Projekt startete im vergangenen Sommer in Berlin, vor dem Concept-Store von Andreas Murkudis, der die Gestaltung des Interieurs und einer Schuhedition übernahm. Während der Modewochen folgten Kooperationen mit Barneys New York und 10 Corso Como in Mailand.

Zuerst also die Einzelhändler, jetzt ein Designer. Birkenstock gewann Rick Owens, dessen Stil für monochrome, überzeichnete Looks von existentialistisch bis gothic bekannt ist, und der mit politisch oder sexuell aufgeladenen Laufsteg-Shows provoziert. Owens sagt über sich: „Ich bin schwierig in der Zusammenarbeit, denn ich habe sehr genaue Vorstellungen, wie die Dinge aussehen sollen.“

Seine Frau Michèle Lamy verwirklicht seit Jahren seine Skizzen für die Möbelkollektion mit Kunsthandwerkern. Kennengelernt hatten sich der Kalifornier und die Französin Ende der achtziger Jahre in Los Angeles, als Owens sich bei Lamys damaligem Label als Designer bewarb. Sie war schon zu der Zeit unternehmerisch erfolgreich und blieb als Gastronomin mit den Restaurants „Les Deux“ und „Café des Artistes“ im Zentrum der kreativen Szene.

Ein Ort für Mode, Kunst und Interieurs

Entsprechend viele schwarz gekleidete Künstler, Hipster und Punker kamen zur Launch-Party, die draußen stattfand, zwischen Box und Store. Lamy ließ mit einem Buffet aus Früchten, lilafarbenem Blumenkohl und Mescal-Cocktails einen „Les-Deux“-Abend wieder aufleben, auch wenn die Naturverbundenheit wegen strenger kalifornischer Umweltschutzauflagen auf wiederverwertbarem Kunstrasen gefeiert wurde.

Die Location lag in der alten Gegend zwischen Hollywood Forever Cemetery und Pink's Hot Dogs, die ein Ort für Mode, Kunst und Interieurs geworden ist. „Ich fühle mich immer noch sehr zu Hause in L.A.“, sagt Lamy. „Ich kenne hier die wunderbarsten Menschen, und die Lebensqualität energetisiert mich schöpferisch.“

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Rick Owens ist seit seinem Umzug nach Paris 2003 nicht mehr in die alte Heimat zurückgekehrt. Es bleibt unklar, warum. Lieber spricht er am Telefon darüber, was ihn an Birkenstock gereizt hat. „Ihre Bescheidenheit und Strenge. Sie haben immer noch etwas Gegenkulturelles, Hippiehaftes, da sie die Oberflächlichkeit der Mode eigentlich ablehnen. Umgekehrt reagiert die zeitgenössische Kultur inzwischen jedoch stark auf Birkenstock, da sie nicht als klischeehaft hübsch wahrgenommen werden. Ich wollte die bestehende Form etwas korrumpieren, statt sie zu dekorieren.“ Als Designer wolle er das Ästhetische und das Funktionelle verschmelzen, „ohne das heilige Fußbett zu verändern“. Er verlängerte die Riemen bis fast auf den Boden und erweiterte die Löcher, das mache den Schuh extravaganter, so werde das Funktionale dekorativ.

“Rick Owens versteht unser Produkt, er stellt es in einen größeren kulturellen Kontext“, sagt Birkenstock-Geschäftsführer Oliver Reichert. „Er hat klare Referenzen. Wenn er Joseph Beuys zitiert, ist es eine Antwort auf unsere Kernmaterialien wie Wollfilz.“ Nicht nur das Design der Marke profitiert also - auch die Produktion hat nun Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln.

Quelle: F.A.Z. Magazin
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