3 Days of Design

Erfrischende Vielfalt in Kopenhagen

Von Jasmin Jouhar
22.06.2022
, 12:02
Das dänische Einrichtungsfestival knüpfte diesmal direkt an den Mailänder Salone del Mobile an. Das war kein Nachteil – ganz im Gegenteil. Die Dänen konnten sich von ihrer besten Seite zeigen.
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Dänisches Design ist ein ziemlich flexibles Markenzeichen. Manche denken dabei an die bekannten Möbelklassiker, an Arne Jacobsen, Børge Mogensen, Poul Henningsen oder auch Nanna Ditzel. Design als fast schon ehrwürdige Tradition, die im Handwerk wurzelt und für Werte wie Zeitlosigkeit, Langlebigkeit oder gestalterische Ausgewogenheit steht. Für andere ist dänisches Design ganz zeitgenössisch, schnell, bunt, manchmal auch laut und schrill. Beides richtig, wie die aktuelle Ausgabe der 3 Days of Design vergangene Woche in Kopenhagen zeigte: Das Markenzeichen des dänischen Designs hat Platz für alle, für Alte und Junge, Schnelle und Gediegene, Bedächtige und Laute.

Zu dem jährlichen Designgipfel 3 Days of Design laden dänische (und immer mehr ausländische) Marken und Hersteller in ihre Showrooms, präsentieren Neuheiten und knüpfen an ihrem Netzwerk. Wer keinen eigenen Standort hat, organisiert einen Pop-up oder nimmt an einer Gruppenschau bei. Das Ergebnis: ein umfangreiches Programm, das einen guten Überblick über die Lage der Dinge im dänischen Design bietet. Und das deshalb zahlreiche Fachbesucher aus der ganzen Welt anzieht. Das große Plus der 3 Days: die kurzen Wege im vergleichsweise überschaubaren Kopenhagen. Viele der Showrooms und Ausstellungen konzentrieren sich auf wenige Straßen im Stadtzentrum.

Im Vorfeld der diesjährigen Ausgabe hatte es viel Unruhe gegeben – Schuld war mal wieder die Pandemie. Statt des angestammten Termins im Mai entschieden sich die Macher der 3 Days für einen im Juni. Doch weil die weltgrößte Möbelmesse, der Mailänder Salone del Mobile, ihren Termin in dieselbe Juniwoche verschob, mussten die 3 Days erneut umdisponieren, auf die Woche nach dem Salone. Die dänischen Marken standen vor einer schwierigen Entscheidung: beide Großereignisse bespielen und damit möglicherweise Budgets und Belegschaft überstrapazieren? Oder sich auf das Heimspiel konzentrieren? Am Ende fiel die Entscheidung klar aus, vor zwei Wochen in Mailand glänzten die Dänen geschlossen durch Abwesenheit.

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Hinter den Kulissen hatte man sich untereinander abgestimmt, so berichteten Verantwortliche. Oder wie es Christian Andresen, Design und Brand Ambassador bei Fritz Hansen, formulierte: „Wir wollten kein kleiner Fisch in Mailand sein, sondern ein großer in Kopenhagen.“ Wobei Fritz Hansen mit einem temporären Pavillon im Garten des Designmuseums einen besonders großen Auftritt hinlegte: Die Marke feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag und gilt damit als ältester Möbelhersteller des an traditionsreichen Herstellern nicht gerade armen Dänemarks.

Wie richtig die Entscheidung war, ganz auf Kopenhagen zu setzen, zeigte sich schnell: Gerade die begehrten Besucher aus Übersee nutzten die Gelegenheit und verbanden Salone del Mobile und 3 Days zu einem längeren Europa-Aufenthalt, mit Abstechern an die ligurische Küste oder nach Berlin. Die in der Pandemie schmerzlich vermissten Architekten, Händler und Journalisten aus Japan, Südkorea, Australien, den USA oder Kanada genossen das milde Wetter, das gute Essen und die entspannte Atmosphäre in Kopenhagen. Salone del Mobile und 3 Days haben sich deshalb, anders als vorher befürchtet, nicht kannibalisiert, sondern eher gegenseitig verstärkt. Wobei ein leichter Vorteil bei den Dänen liegt – die 3 Days wirken insgesamt frischer und weniger uferlos als das Riesenevent Salone. Die Pandemie hat eben auch in der Designbranche die Stärken und Schwächen gnadenlos offengelegt.

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Quelle: FAZ.NET
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