<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Sophie (links) ist seit 2010 Kapitänin bei Etihad. Aisha, First Officer, trägt zum Kopftuch Fendi-Brille und roten Lippenstift.

Überfliegerinnen

Text und Fotos von KIKI KAUSCH
Sophie (links) ist seit 2010 Kapitänin bei Etihad. Aisha, First Officer, trägt zum Kopftuch Fendi-Brille und roten Lippenstift.

28.11.2019 · Zwei Frauen im Cockpit: Das ist noch immer ein ungewohnter Anblick. Dabei fliegen Sophie und Aisha himmlisch. Vier Tage unterwegs mit zwei Pilotinnen.

E in Sonntagmittag, The Hoxton Paris ist übervoll mit schicken jungen Pariser Familien, verliebten Paaren und Freundinnen. Hierher habe ich die beiden Pilotinnen Aisha und Sophie eingeladen, um sie kennenzulernen. Wir werden vier Tage miteinander verbringen, viele Stunden davon zusammen in einem engen Cockpit eines Airbus 380 von Paris nach Abu Dhabi. Schon die erste Begegnung muss stimmen, denn die beiden sollen sich mir natürlich öffnen.

Aisha ist eine Araberin aus Adschman, dem kleinsten der Emirate. Sie trägt Gucci, Fendi und Dior. Ihr helles Seidenkopftuch passt zum Mantel. Sophie ist Französin: kurze blonde Haare, Minirock, Biker-Stiefel, Bomberjacke. Später in Abu Dhabi wird sie mir auch ihre Tattoos zeigen. Sieht so ein Cockpit-Duo aus, das für die Fluggesellschaft Etihad das größte Passagierflugzeug der Welt fliegt?

Am Tag vor dem Flug: Aisha und Sophie am Louvre

Ja, genau so. Pilot oder Pilotin – es ist ein Beruf der objektiven Maßstäbe. Egal, wie man aussieht, egal, wer man ist, egal, wen man kennt: Ins Cockpit kann man sich nicht hineinschummeln. Das Cockpit ist unbestechlich. Man erfüllt die Voraussetzungen oder eben nicht.

Sonntagnachmittag in den Kulissen des Palais du Louvre in Paris. Cool und relaxed.

Schon vor sieben Jahren hatte ich als Kunstprojekt zwei Lufthansa-Pilotinnen im A 380 von Frankfurt nach Singapur begleitet, um sie während des Flugs zu porträtieren. Eine Premiere. Danach hatte ich nie wieder Flugangst. Das fotografische Ergebnis war ein 1,20 mal 3,60 Meter großes Triptychon. Es hing in Ausstellungen in New York, Frankfurt, Berlin und Schanghai und fand seinen Weg zu Kunstsammlern in aller Welt. Aber die erste Frage – nicht nur von Männern – war wegen der blonden Mähne und der roten Lippen der beiden: Sind das Models im Simulator?

Dieses Mal ist es ein Spiel mit anderen Stereotypen: Aisha, eine Pilotin mit Hijab im Cockpit. Die ersten Aufnahmen machten wir noch in Paris. Nach dem Treffen im Hoxton Paris hatten beide Lust. Bei unseren Fotoaufnahmen am Louvre spielte ich mit den Kulissen und dem Licht und Aisha mit den Erwartungen – plötzlich nahm sie das Kopftuch ab.

Es folgte ein frühes Abendessen in einem kleinen Bistro. Sophie bestellte Blutwurst und Innereien. Am Anfang ihrer Karriere flog sie marode Cargo-Maschinen in Kongo, die ganz harte Schule. Jetzt fliegt sie den A 380, bei einer Körpergröße von 1,55 Metern. Bei Etihad kennt und respektiert sie jeder. Seit neun Jahren ist sie als Käpitänin dort in Diensten, die erste Frau in dieser Position. Sie lebt in Abu Dhabi, ist zweimal geschieden und hat zwei Kinder. Als wir am nächsten Tag am Flughafen Charles de Gaulle Richtung Startbahn rollen, blickt sie aus dem Fenster des A 380 auf einen A 320 herab. „Da unten in dem kleinen Ding sitzen die Männer“, sagt sie und lacht. Wir heben ab und gleiten in den Himmel.


Hey everybody, female power in the cockpit!
SOPHIE, Pilotin

Diese Aussichten! Unter Aisha liegt das Zagros-Gebirge, die Grenze zwischen Iran und Irak.

Aisha ist gerade 30 Jahre alt geworden. Mit einer ihrer Schwestern lebt sie zusammen in einer Villa in einer Gated Community. Sie ist stolze Besitzerin von ungefähr 100 Paar Designerschuhen und fährt einen goldenen BMW, den ihr Bruder ausgesucht hat. Ihre Interessen und Träume unterscheiden sich nicht von denen anderer junger Frauen: Mode, Stars, Clubs und die große Liebe. Eine arrangierte Ehe kommt für sie, zum Unmut ihrer Familie, nicht infrage. Das Kopftuch gehört zur Dienstkleidung bei Etihad, auch bei allen öffentlichen Anlässen trägt sie es. Doch wenn sie abends ausgeht, legt sie es ab, und ihr langes Haar fällt wallend auf ihre Schultern.

Im goldenen BMW kommt Aisha zur Arbeit gefahren. Sophie hingegen mag es groß: Hinten auf dem Pick-up transportiert sie oft ihr Motorrad.

Der Flug führt über das Zagros-Gebirge, die Grenze zwischen Irak und Iran. Über Kuwait geht die Sonne unter, der Ausblick ist atemraubend. Zehn Kilometer unter uns gibt es die Wörter Frauenrechte und Gleichberechtigung nicht. Aber hier oben ist Aisha ein Vorbild für viele junge Frauen: First Officer.

Dann landet sie das Flugzeug sicher in Abu Dhabi. Es ist 19 Uhr. Sophie, die Kapitänin, steht mit Aisha vor dem Cockpit und verabschiedet die Gäste. Die meisten Passagiere halten die beiden für Flugbegleiterinnen. Da bricht es aus ihr heraus: „Hey everybody, female power in the cockpit!“ Die Französin mit dem Kurzhaarschnitt und die Araberin mit dem Kopftuch ziehen ungläubige Blicke auf sich.

Catch them if you can: Aisha und Sophie mit Flugbegleitern.

Die nächste Ausstellung der Fotokünstlerin Kiki Kausch, die 2006 mit einem Porträt von Karl Lagerfeld begann, schließt an den Beginn ihrer Karriere an: „Karl Cool“ ist eine Hommage an den im Februar verstorbenen Modeschöpfer, für den Künstler wie Gregor Hildebrandt, Susanne Rottenbacher oder MadC Arbeiten angefertigt haben. Sie sind vom 21. November bis zum 10. Januar 2020 im Brenners Park-Hotel in Baden-Baden zu sehen.
Quelle: F.A.Z. Magazin