Eine Boutique mit Historie

Als ob Monsieur Dior gleich um die Ecke käme

Von Johanna Christner, Paris
12.04.2022
, 09:43
Seit März ist die Dior-Boutique in der Pariser Avenue Montaigne wiedereröffnet: samt Restaurant, einer Cafébar und einer Suite. Dass hier Modegeschichte geschrieben wurde, ist nicht zu übersehen – auch dank einem zugehörigen Museum.
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Schon als Kind entdeckte Jean Imbert das Kochen für sich, blätterte in den Kochbüchern seiner Mutter und verbrachte Stunden am Kochtopf. Seine Großmutter führte ihm die Macht des Kochens vor Augen: die Macht, Menschen an einem Tisch zusammenzubringen und sie mit gutem Essen glücklich zu machen. Jahrzehnte später eröffnete der Absolvent des Institut Paul Bocuse das Restaurant „Mamie“ (französisch für „Oma“) in Paris; ihre gefüllten Tomaten sind sein Lieblingsgericht. Im Juni 2021 trat Imbert schließlich die Nachfolge des legendären Küchenchefs Alain Ducasse im Plaza Athénée an. Das neue Engagement des Kochs, den sich auch Prominente wie Beyoncé, Marion Cotillard und Robert De Niro schmecken lassen, führt ihn gegenüber dem Plaza Athénée in die Dior-Boutique an der Avenue Montaigne 30 – dort ist er jetzt Küchenchef des hauseigenen Restaurants „Monsieur Dior“.

„Monsieur Dior ist damals an die Avenue Montaigne gezogen, um in der Nähe des Plaza Athénée sein zu können – ich liebe die Anspielung auf diese Geschichte“, sagt der 40 Jahre alte Franzose. Auch die Kochkunst erfinde sich mit jeder Saison neu, und dass Dior selbst gern kochte und im Laufe seines Lebens viele Rezepte schrieb, mache das Modehaus besonders. „Christian Dior wäre sicherlich sehr stolz auf uns, wenn er das hier sehen könnte.“

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Die Wiege des „New Look“

In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurde das „Hôtel particulier“ renoviert, in dem Christian Dior am 15. Dezember 1946 seine „Maison Dior“ eröffnete und am 13. Februar 1947 mit seinem „New Look“ groß herauskam. Seit März ist das Stadtpalais im achten Arrondissement nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, und Monsieur Dior würde es kaum wiedererkennen. Jean Imberts Restaurant nimmt nur einen kleinen Teil der insgesamt 2000 Quadratmeter ein.

Zwischen Schuhen, Schmuck und Taschen finden sich auf den drei Etagen der von Architekt Peter Marino konzipierten Boutique großzügige Sitzgelegenheiten, in nahezu jeder Ecke hängen Kunstwerke. Im Obergeschoss der Boutique kann man eine luxuriöse Suite mieten. In einem Innengarten, vom belgischen Landschaftsarchitekten Peter Wirtz üppig bepflanzt, ist eine Café-Bar. Auch Maiglöckchen kann man da entdecken – Dior liebte die weißen Blüten und nähte sie bei Modenschauen als Glücksbringer in den Saum eines seiner Kleider ein. Immer wieder sind es solche Details, die neben technologischen Besonderheiten wie digitalen iPad-Produktkatalogen auf die reiche Historie des Hauses hinweisen.

Mit der Boutique an der Avenue Montaigne öffnet auch „La Galerie Dior“ ihre Pforten: ein Museum, das die Geschichte des Modehauses von den Anfängen bis heute erzählt, entlang der großen Dior-Designer wie Yves Saint Laurent, John Galliano und Raf Simons. Konzipiert von Ausstellungsdesignerin Nathalie Crinière, treten Besucher dort eine Zeitreise durch die Haute Couture an, erfahren viel über das Savoir-faire und Monsieur Diors Liebe zu Kunst, Gärten und Reisen. Auch ausgestellt ist der kleine Metallstern, den Christian Dior am 18. April 1946 auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré fand. Der abergläubische Modeschöpfer nahm den Fund damals als Zeichen dafür, dass er es mit einem Modehaus unter eigenem Namen wagen sollte. Der Stern war sein Glücksbringer – der Rest ist Geschichte.

Quelle: F.A.Z. Magazin
Autorenporträt / Christner, Johanna
Johanna Christner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft & Stil.
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