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Auftakt in Cannes

Kein roter Teppich ohne Bill Murray

Von Maria Wiesner, Cannes
 - 15:59
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Man kann eine Lektion aus der Eröffnung des Filmfestivals in Cannes ziehen: Bill Murray sollte auf keinem roten Teppich fehlen. Nicht, weil er sich besonders extravagant in Schale geworfen hätte. Nein, er ist der einzige, der diesen Abend nicht furchtbar ernst nahm. Als er die Treppen zum Festivalpalast hinaufschlenderte, salutierte er vor einem Polizisten der Nationalgarde, der für die Sicherheit des Festivals verantwortlich ist und – das wissen wir aus jahrelanger Erfahrung am Einlass zu den Pressevorstellungen – der wie ein britischer Beefeater nie auch nur eine Miene verzieht oder zu Späßen geneigt scheint. Über Murrays Witzchen musste aber selbst er schmunzeln. Dann schäkerte Murray mit Selena Gomez, die wie er im Eröffnungsfilm „The Dead Don’t Die“ von Jim Jarmusch zu sehen ist. Die beiden warfen sich Luftküsschen zu und am Ende flüsterte Murray der Schauspielkollegin etwas ins Ohr, was in der internationalen Klatschpresse so hitzig diskutiert wurde, wie von den Filmkritikern damals die Schlussszene in „Lost in Translation“, als Murray – für das Publikum unhörbar – Scarlett Johansson etwas ins Ohr flüsterte.

Was der 68 Jahre alte Schauspieler der Kollegin erzählte, blieb auch an diesem Abend sein Geheimnis. Als es dann endlich ans Gruppenfoto der Jarmusch-Crew ging, schnappte Murray sich ein Pärchen, das am Anfang des roten Teppichs warten musste, bis der Hollywood-Staraufmarsch vorbei war, und eskortierte beide an den Fotografen vorbei während er lächelnd in die Kameras winkte. So unprätentiös ging lange kein Star mehr mit den Fotografen um.

Schwieriger Aufstieg

Deutlich ernster nahm die Jury ihren Teppich-Lauf. Das jüngste Mitglied, die 21 Jahre alte Schauspielerin Elle Fanning hatte sich für diesen Abend ein roséfarbenes Gucci-Kleid mit Stiefmütterchen-Stickerei, großen Schulterpartien und langer Satinschleppe ausgesucht. Dass diese Mode, die seit der diesjährigen Oscarverleihung auf keiner Gala fehlt, einige Umsicht erfordert, musste Jury-Präsident Alejandro Iñárritu feststellen. Fannings Divenschleppe war so lang, dass der mexikanische Regisseur gleich drei Mal aus Versehen darauf trat. Man war froh, als alle heil am oberen Ende der steilen Treppe angelangt waren. Größere Probleme, die steilen Stufen zu erklimmen, hatte die amerikanische Sängerin Jessica Jung. Ihr weiß-geplüschtes Galakleid mit weit ausgestelltem Rockteil mussten gleich zwei Herren auf dem Weg nach oben zurechtrücken und hochhalten, damit sie sich nicht darin verhedderte und – Gottbewahre – die Treppe als wirbelnder Federwisch wieder hinunterrollte.

Gelassen blickte Agnès Varda auf den Teppich hinab. Die Begründerin der Nouvelle Vague, die Ende März im Alter 90 Jahren verstorben ist, ehrte die Festivalleitung mit einem riesigen Filmposter, das sich über die gesamte Wand des Festivalpalastes spannt. Während der Eröffnungsfeier erinnerte man an die Grande Dame des französischen Kinos noch einmal mit einer kleinen Chanson-Hommage. Daneben gab es Sticheleien gegen Netflix. Der Streamingdienst bleibt auch dieses Jahr vom Festival ausgeschlossen. In der Pressekonferenz vorab musste sich Festivalleiter Thierry Fremaux deswegen abermals rechtfertigen, so wie auch wegen der niedrigen Anzahl von Frauen im Wettbewerb und wegen der Nominierung des französischen Schauspielers Alain Delon, der die Ehrenpalme für sein Lebenswerk bekommen soll. Wie das Branchenblatt Variety berichtete, hatten Frauenrechtlerinnen dagegen protestiert. Delon wird vorgeworfen, Frauen geschlagen zu haben, zudem seien seine Sympathien für rechte französische Politiker fragwürdig. Aus diesen Gründen hatte die Bewegung „Women and Hollywood“ eine Petition gestartet, die bislang 18.000 Unterzeichner hat. Fremaux verteidigte seine Wahl, er ehre Delon als Künstler, man „gebe ihm die Auszeichnung für seine Verdienste für die Filmindustrie, die nichts mit seinen politischen Meinungen oder seiner Freundschaft mit Jean-Marie LePen zu tun haben“. Wenn amerikanische Gruppen gegen etwas eine Petition einreichen wollen, so sollten sie es tun, um den Klimawandel zu stoppen, so Fremaux. Wie sehr man den Künstler vom Privaten trennen kann, bleibt auch in diesem Jahr in Cannes ein Thema.

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Quelle: FAZ.NET
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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