Große Enttäuschung

Fashion Week in Frankfurt wird rein digitales Event

Von Alfons Kaiser
05.05.2021
, 11:17
Die Frankfurt Fashion Week wird im Juli nur digital stattfinden. Die Absage wegen der Pandemie war zwar erwartet worden – ist aber eine Enttäuschung für die Stadt, die sich als neues deutsche Modezentrum positionieren wollte.

Wegen der Corona-Pandemie wird die Frankfurt Fashion Week im Sommer nur digital stattfinden. Das teilten die Veranstalter am Mittwochmorgen mit. Vom 5. bis 9. Juli 2021 veranstalten die Messe Frankfurt und die Premium Group lediglich das im Netz übertragene FFW STUDIO. Die Messen Premium, Seek, Neonyt und The Ground sowie die Laufsteg-Präsentationen werden zum ersten Mal vom 19. bis zum 21. Januar 2022 in Frankfurt stattfinden.

Die Entscheidung war zwar erwartet worden – sogar die Messe Automechanika, die erst im September stattfindet, wird in einem hybriden Format stattfinden, also hauptsächlich digital, und Frühjahrsmessen wie die Heimtextil wurden schon auf das nächste Jahr verschoben. Aber die Absage führte doch zu großer Enttäuschung bei den Organisatoren, zumal schon viele Anmeldungen vorlagen: „Unser ganzes Team hat geweint, als ich ihm die Entscheidung am Freitagnachmittag mitteilte“, sagte Anita Tillmann, Managing Director der Premium Group, neben der Frankfurter Messe der Veranstalter des neuen Messeformats. „Wir hatten schließlich fast ein Jahr lang darauf hin gefiebert. Es bricht mir das Herz, zum dritten Mal in Folge unsere Tradeshows, Konferenzen und Events, ebenso die geplanten Kollektionspräsentationen und Shows abzusagen.“ Für die Modebranche sei das dramatisch.

Auch die Stadt Frankfurt hatte sich viel von der Modewoche erhofft. Noch vor zwei Wochen sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) der F.A.Z.: „Jetzt kommt noch die Fashion Week dazu, von der wir letztes Jahr noch nicht einmal zu träumen gewagt haben, die alle Rekorde schlagen und viel Publikum anziehen wird. Frankfurt war schon ,Fashion', als es das Wort in Deutschland noch nicht gab.“

Kurzfristige Absage wäre „verantwortungslos“

Doch die „andauernd volatile Covid-19 Situation in Deutschland“ und „die bundesweite Beschlusslage seitens der Bundesregierung“, so die Veranstalter, hätten ihnen keine Wahl gelassen. Daher konzentriere man sich auf größtenteils digitale Formate. Die Verantwortung gegenüber Ausstellern und Besuchern sei „ein ausschlaggebender Punkt“ für die Entscheidung gewesen. „Es wäre verantwortungslos, das finanzielle Risiko den Teilnehmern aufzubürden“, sagte Tillmann. Schließlich mussten die Organisatoren befürchten, dass bei einer Beibehaltung des Termins und kurzfristigen Absagen von Veranstaltungen die Teilnehmer auf ihren Kosten sitzen bleiben. Für die Messen wurden viele internationale Besucher erwartet. Sie hätten durch Einschränkungen im Reiseverkehr und durch Quarantänebestimmungen große Hindernisse zu bewältigen. Außerdem hätten auch unternehmensinterne Aspekte in die Absage gespielt, wie Reiserestriktionen oder Kurzarbeitsregelungen.

„Jetzt heißt es, nach vorne blicken“, sagte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Die Organisatoren seien angetreten, die Frankfurt Fashion Week „zum Taktgeber der Mode- und Textilbranche zu machen und relevante Zukunftsthemen auf die Agenda der Industrie zu setzen“. Digital werde man immerhin den neuen „Frankfurt Fashion SDG Summit“ der „Conscious Fashion Campaign“ in Zusammenarbeit mit dem United Nations Office for Partnerships durchführen. Auch ist die Konferenz „The New European Bauhaus – Werkstatt der Zukunft“, die gemeinsam mit dem Fashion Council Germany organisiert wird, weiter geplant. Man wolle einen Impuls dafür setzen, sagte Braun, „wie die Zukunft der Modeindustrie transformativ zu gestalten ist“.

Das FFW STUDIO sei ein Kanal, der nun vor allem mit den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung bespielt werde. Während der Modewoche soll es einen Live-Stream geben, der im Anschluss in Form einer Video-on-Demand-Serie weiter zur Verfügung stehe. Unter anderem gebe es dort „exklusive Future Talks“ zu sehen und weitere Programmpunkte wie die beiden genannten Leit-Konferenzen, die erstmals im Rahmen der Frankfurt Fashion Week ausgerichtet werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kaiser, Alfons
Alfons Kaiser
Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
Facebook
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot