GNTM-Kolumne

Zwischen Po-Neid und Blumengestecken

Von Marie von den Benken
08.04.2022
, 08:48
Kandidatinnen Sophie, Luca, Juliana, Lou-Anne Vanessa und Lena (v.l.n.r) posen für die Kamera.
Diese Woche kämpften die Kandidatinnen um Engagements für Haargummi- und Shampoomarken. Dafür müssen sie auch mal Blumensträuße binden und mit Früchten telefonieren.
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Der Abend in der BMI-Kommune „Germany’s Next Topmodel“ beginnt mit einer freudigen Ankündigung aus der Ferne. Model-Monarchin Heidi I. ist schließlich selten persönlich am Set, und wenn, dann winkt sie einmal in die Runde und flirtet den Rest des Tages mit dem Gastjuror. Nun, Adel verpflichtet, weswegen Königin Klum vermutlich irgendwo auf Schloss Kaulitz ein Staatsbankett ausrichten muss. Vielleicht hat sie aber auch einfach keine Lust, fünf Stunden in der Maske zu verbringen, um dann in 40 Sekunden Nettosendezeit das Tagesprogramm persönlich zu überbringen.

Auch diesmal gibt es also nur eine Videobotschaft. Aber halb so wild – denn was Klum zu sagen hat, kann nur orkanartige Jubelstürme der Catwalk-Azubis hervorrufen: „Warum nur eine Casting-Woche, wenn man auch zwei haben kann?“

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Augenscheinlich eine rhetorische Frage, denn die Laufsteg-Flotte jubelt bereits, bevor Heidi Klum ihren berühmtesten Lehrsatz beenden kann: „Ein Model ohne Job ist kein Model“. Ein triviale, aber zutreffende Aussage. Und es gibt sogar prominente Beispiele: Jogi Löw hat aktuell keinen Job, und auch der ist kein Model.

Wie heißen die Brüste von Heidi Klum?

In vorherigen Staffeln ging es bei Heidi Klums Modelkarneval noch um Jobs für Weltmarken wie Opel, AboutYou oder Venus. Diese Saison kämpfen die Kandidatinnen um Engagements für Modeschmuck- oder Haarshampoo-Marken. Eines dieser Unternehmen, das sein Kampagnenglück im GNTM-Novizinnenkader sucht, heißt Invisibobble. Und anders als man meinen könnte, handelt es sich dabei nicht um ein Startup das eine Technologie entwickelt hat, mit dem sich deutsche Ex-Tennisstars mit Finanzproblemen unsichtbar machen können. Sondern um einen Haargummihersteller.

Kandidatin Noella im Styling
Kandidatin Noella im Styling Bild: ProSieben/Richard Hübner

Die Monarchin gibt den Auserwählten vorab noch einen Insider-Tipp mit: „Manchmal ist weniger besser“. Um diese Aussage zu untermauern, trägt sie ein knapp 11.000 Euro teures Couture-Kostüm, auf dem eine ganze Osterhasenfamilie in Pastellfarben zerschellt ist und zwei riesige Schlappohren aus Hans und Franz wachsen. Falls Sie den privaten Zoten-Marathon von Klum durch diverse Boulevardblätter verpasst haben sollten: Hans und Franz sind die von Klum selbst – freiwillig und stolz – ausgewählten Namen für ihre Brüste.

Juliana als Hausfrau im Retro-Look am Kochtopf
Juliana als Hausfrau im Retro-Look am Kochtopf Bild: ProSieben/Richard Hübner

Ohne jegliche Hilfe von Klums Dekolleté starten dann endlich die Castings. Zunächst treffen Vivien, Amaya, Luca und Sophie auf Haargummis und eine üppig bestückte Frischobsttheke. Die Accessoires für diesen Job sind also klar. Das sorgt für interessante Performance-Highlights. Vivien etwa telefoniert mit einer Banane. Ihr Fruchttelefon kommt aber nicht gut an.

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Deprimierter schaut das Kunden-Duo nur noch bei Sophie. Der hatte man in der Vorwoche geraten, ihren Hang zur Überdramatisierung nicht zwangsläufig auszuleben. Nach diesem Casting-Fiasko hatte Sophie sich vorgenommen, sich zu drosseln. Das Ergebnis ist ein Freddie-Mercury-Move, bei dem sie jaulend in eine Ananas singt. Was wohl passiert wäre, wenn sie sich nicht zurückgehalten hätte? Das Ananas-Playback hätte sie nur noch toppen können, wenn sie den gesamten Obststand per Roundhouse-Kick in Trümmer gelegt hätte. Überraschenderweise entscheidet sich der Kunde für Luca.

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Lass Blumen sprechen!

Drüben beim Modeschmuck-Casting sichert sich derweil Noëlla den Job. Und da aller guten Dinge drei sind, sucht noch schnell ein Hersteller von Pflegeprodukten ein neues Gesicht. Aber wie man es aus der echten Modelbranche kennt, müssen die Models zunächst eine Ausbildung als Floristin absolvieren. Passend zu dem ihnen zugeordneten Shampoo-Duft, stellen sie Blumensträuße zusammen und präsentieren sich dann der dreiköpfigen Jury. Das Konzept bleibt so rätselhaft wie deren Aufgabenverteilung. Der als Gründer der Marke vorgestellte Kundenvertreter agiert beispielsweise gleichzeitig als Fotograf.

Die Beurteilung der Leistungen von Heidis Blumenmädchen bleibt zurückhaltend. Lediglich ein Satz für die GNTM-Geschichtsbücher fällt: „Sie hat die Aufgabe zu hundert Prozent erfüllt, aber es war dann doch too much“. Schöner wäre eigentlich nur noch gewesen: „Das Kleid war ihr auf den Leib geschneidert, aber dann doch eine Nummer zu groß.“ Schlussendlich wird Vivien die Botschafterin des Blumenimperiums.

In der Model-Villa gibt es derweil für die joblosen Kandidatinnen eine Überraschung: Das „Last-Chance-Casting“. Quasi der Schleudersitz auf der Resterampe. Das Designer-Label LaLa Berlin hat sich dafür folgende Aufgabe ausgedacht: „Ihr habt 15 Minuten, um euch fertig zu machen“. Inka, Anita und Lou-Anne pöbeln sich erst einmal an und stolzieren anschließend am Pool in den Sonnenuntergang. Romantisch wird es dabei nur für Martina und Anita – die beiden werden auserwählt.

Kritischer Blick vom Profi: Designer Jeremy Scott und Kandidatin Amaya
Kritischer Blick vom Profi: Designer Jeremy Scott und Kandidatin Amaya Bild: ProSieben/Richard Hübner

Vier Casting-Chancen und kein Job. Sophies Laune ist wie die nach einem Schalke 04-Spiel. Zur Aufmunterung darf sie am Abend mit ihrer Mutter telefonieren, der sie von ihren ausbleibenden Erfolgen berichtet. Mama reagiert, wie man es sich von einer bedingungslos unterstützenden Mutter nur wünschen kann: „Ich habe dir immer gesagt, du sollst dich nicht verstellen“. Da hat sie Recht, denn Models sind wie Uhren: Verstellen will sie keiner.

Auch Heidi Klum und Designer Jeremy Scott tragen Looks in Pastelltönen.
Auch Heidi Klum und Designer Jeremy Scott tragen Looks in Pastelltönen. Bild: ProSieben/Richard Hübner

Zwei Abgänge für ein Halleluja

Beim „Elimination-Walk“ am nächsten Tag assistiert der Moschino-Chefdesigner Jeremy Scott. Englisch-Verweigerin Lieselotte hofft, er spreche vielleicht Italienisch, damit „auch ich euch mal übersetzen kann“. Sophie kanzelt diesen Gedanken umgehend brüsk ab: „Er heißt Jeremy Scott, ich weiß nicht, inwiefern der Italienisch sprechen soll“. Dass Moschino in Mailand gegründet wurde, ist egal. Der Gedanke folgt der Logik: „Der heißt İlkay Gündoğan, inwiefern sollte der Deutsch sprechen?“

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Um auch noch eine Prise Sexismus einzustreuen, schickt Klum ihre Models für die letzte Aufgabe der Woche in eine Küche, in der sie „etwas Heißes in den Ofen schieben sollen“, wie der feixende Starfeminist Jeremy Scott feststellt. Frauen gehören halt in die Küche.

Beim Kochkurs fällt am Ende dann Viola durch. Klum schickt sie nach Hause und riskiert damit ewige Ungnade auf Twitter. Um rechtzeitig zum herannahenden Finale ausreichend Personal abgebaut zu haben, bekommt auch Ilka kein Foto. Wieder müssen zwei Kandidatinnen gehen. So viele Frauen mit zerplatzten Hoffnungen auf ein besseres Leben zurückzulassen – das schafft höchstens noch der „Tinder Swindler“.

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Besonderes Lob dagegen kassieren Anita und Amaya. Ihr haucht Klum ein „Ich wünschte mein Hintern würde so in Hot Pants aussehen“ hinterher. Der Fachbegriff dafür lautet übrigens Po-Neid.

Davon könnte es kommende Woche noch mehr geben: Es wird ein Nacktshooting geben. Dabei wird viel verpixelt und viel geweint – und über einen spontanen Ausstieg nachgedacht. Was und wer am Ende übrig bleibt, das verrate ich kommende Woche. Bis dahin!

Marie von den Benken ist Model, Autorin und Influencerin. Für FAZ.NET wirft sie regelmäßig einen kritischen Blick auf die aktuelle Staffel von Germany’s Next Topmodel.

Quelle: FAZ.NET
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