FAZ plus ArtikelNachruf auf Michael Erlhoff

„Alles ist gestaltet – wichtig ist nur, das Bewusstsein davon zu haben“

Von Thomas Edelmann
04.05.2021
, 17:04
Ein Leben lang warb er für ein erweitertes Verständnis von Design. Am Samstag ist der Designtheoretiker Michael Erlhoff im Alter von 74 Jahren gestorben.

Der bekannte italienische Designer Ettore Sottsass schickte Michael Erlhoff einmal eine Skizze mit zwei Kreisen: einer ungleichmäßig, da frei von Hand gezeichnet, ein zweiter „mit einer Prothese“ gezogen, mit einem Zirkel. „Ich denke, Michael mag sehr den mit der Hand gezeichneten Kreis. Deshalb mag ich ihn...“ Erlhoff selbst sprach von „Unschärfe“. Er schätzte Design auch deshalb so sehr, weil es aus seiner Sicht keine festgezurrten definierten Grenzen hat, sondern einen möglichen Zugang zur Welt und ihrer Veränderung bietet.

Michael Erlhoff hatte an der Universität Hannover Deutsche Literaturwissenschaft studiert, Kunstgeschichte und Soziologie. Er war wissenschaftlicher Assistent bei Hans Mayer, bevor er 1982 über den Dadasophen Raoul Hausmann promovierte. Anders als gemeinhin angenommen, war Dada keine Unsinns- und Spaßveranstaltung, sondern wie Erlhoff aufzeigte, der „Versuch eine neue Ordnung zu begründen“, wozu unter anderem neue Ausdrucksformen wie Lautgedichte und Collagen dienten. Bei Kurt Schwitters, der zugleich Künstler, Grafikdesigner und Werber war, nahm Erlhoff Berührungspunkte zum Design auf. Bald folgte eine Buchveröffentlichung über die internationale Gestaltungsszene des italienischen Radical Design und ihre Konzepte und Einflüsse auf der ganzen Welt, „Design als Gegenstand“ (1983).

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