Kim Kardashian bei „Met Gala“

Von Kopf bis Fuß verhüllt

Von Caroline Jebens
14.09.2021
, 19:52
Kim Kardashian in Balenciaga auf der diesjährigen „Met Gala“.
Kim Kardashian hüllte sich bei der „Met Gala“ in New York komplett in Schwarz. Ist es ein Statement gegen den Promi-Kult? Oder einfach nur ignorant?

Die „Met Gala“ in New York war auch in diesem Jahr nicht nur ein Anlass für Designer, aufwändige Roben an berühmten Menschen zu präsentieren. Einige Stars nutzten die Bühne auch wieder, um politisch Stellung zu beziehen. Das Motto lautete diesmal „In America: A Lexicon of Fashion“, ein Motto also, das reichlich historischen Stoff bieten könnte, um das zu tun.

Die New Yorker Politikerinnen Alexandria Ocasio-Cortez und Carolyn Maloney trugen politische Slogans auf ihren Roben: Auf Ocasio-Cortez’ weißem Kleid prangerte in Rot „Tax the Rich“, also „Besteuert die Reichen“, Maloneys Schleppe forderte „Equal Rights for Women“, Gleichberechtigung für Frauen. Und auch aus der Unterhaltungsbranche gab es unmissverständliche Statements: Model und Schauspielerin Cara Delevingne war mit einem weißen Brustpanzer mit „Peg The Patriarchy“-Aufschrift („Hebelt das Patriachat aus“) gewappnet. Und der hellblaue Anzug des kanadischen Schauspielers Dan Levy stellte eine stilisierte Weltkarte dar, auf der sich zwei Männer küssend umschlingen.

Von Kopf bis Fuß verhüllt

Doch nicht alle Statement-Outfits waren so eindeutig. Besonders Reality-Star und Unternehmerin Kim Kardashian zog die Aufmerksamkeit auf sich: Zwischen all den hellen, glänzenden Farben war sie in einen engen schwarzen Balenciaga-Ganzkörperanzug gehüllt, designt von Demna Gvasalia, der sie auf dem Teppich begleitete. Weder ihre Hände, noch ihr Gesicht waren zu sehen, eine lange Schleppe zog sie hinter sich her. Lediglich ihre ikonische Silhouette mit der sehr schmalen Taille ließ darauf schließen, dass es sich auch wirklich um sie handelte.

Kim Kardashian und der Designer Demna Gvasalia auf der Met Gala 2021.
Kim Kardashian und der Designer Demna Gvasalia auf der Met Gala 2021. Bild: dpa

Verwehrt sich Kardashian hier der gängigen, bunten Farbpalette, an der sich weibliche Stars für solche Events halten müssen, um aufzufallen? Oder verweigert hier eine Frau den Blick auf ihr Kapital: Einen Körper, dessen jahrelange Vermarktung ihr den Reichtum und Status einbrachte, deretwegen sie jährlich auf die exklusivste New Yorker Gala eingeladen ist? Das Outfit bietet Raum für Interpretation.

Allerdings ruft es auch ungute Assoziationen hervor: Vor wenigen Tagen, am Jahrestag des 11. Septembers 2001, hatten die Taliban einen Protest von Frauen an der Kabuler Universität orchestriert. Die Frauen trugen tiefschwarze Burkas und Kutten, die weit über das Gesicht hingen. Natürlich ist Kardashians Outfit keine Burka. Dennoch ist es bitter, wenn eben noch Bilder von 300 verschleierten Frauen in Afghanistan geteilt werden, deren Zukunft besiegelt ist. Und nun die einer Frau in Amerika, die sich dazu entschieden hat, sich für einen schönen Abend komplett zu verhüllen – um aufzufallen. Egal wie es gemeint war: Es wirkt gegenwartsvergessen.

Quelle: FAZ.NET
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