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TWO IN ONE

Von MARKUS EBNER
Foto: Arturo Astorino

31.10.2019 · Männermode wird so stark von Damenmode angeregt wie nie zuvor. Daher trägt nicht nur Alpha Dia für uns die Herrenentwürfe für Herbst und Winter. Auch Esther Heesch sieht in dieser Mode aus, als wäre sie eigens für sie entworfen worden.

D as Privileg, ein neues Jahrzehnt einzuläuten, hatten die Männerschauen im Juni 2019. Da wurden zum ersten Mal die Kleidungsstücke gezeigt, die vom Frühjahr 2020 an in den Läden und auf den Seiten der Onlinehändler zu sehen sein werden. Der Markt der Männermode wächst, holt also langsam gegenüber den Frauen auf, die noch immer viel mehr Geld für Bekleidung ausgeben. Daher wird nun zum Beispiel auch die Onlineboutique Mytheresa das Geschäft mit Anzügen angehen.

Damit ist auch schon der wichtigste neue Trend angesprochen. Es geht wieder ein bisschen klassischer zu. Streetwear hat in Form von Sweatshirts und Sneakern in den vergangenen Jahren immer mehr Anteile am Umsatz erobert. Vielleicht ist der Kunde nun mal wieder reif für Anzüge, die auf einmal in Mode sind.

Alpha: Jacke, Top, Hose, Schuhe von Giorgio Armani. Esther: Hemd, Hose, Schuhe von Givenchy Foto: Arturo Astorino

Es geht hier nicht unbedingt um den Anzug, wie ihn sich ein Geschäftsmann vielleicht vorstellt, sondern um einen Anzug, wie ihn auch Frauen tragen können – weshalb wir für die Fotos, die diesen Text illustrieren, nicht nur Alpha Dia gebucht haben, den Shooting-Star unter den deutschen Männermodels, sondern auch die aus Lübeck stammende Esther Heesch, der die neue Männermode mindestens genauso gut steht.

Die Deutungshoheit in der Männermode hat Kim Jones von Dior. Seit Hedi Slimane das Label Dior Homme für Bernard Arnault und seinen LVMH-Konzern erfolgreich in die Welt gesetzt hat, ist Dior auch wegweisend bei den Männern. Slimanes minimale und extrem körperbetonte Schnittführung hatte vor fast zwei Jahrzehnten Karl Lagerfeld dazu gebracht, mehr als 40 Kilogramm abzunehmen – bis er in Slimanes Entwürfe passte.

V on 2011 bis 2018 hat Kim Jones bei Louis Vuitton die Streetwear salonfähig gemacht, indem er für die Luxusmarke eine Kooperation mit dem König der Streetwear einging, James Jebbia von Supreme, und zum Bestseller machte. Frisch bei Dior, hat Jones gleich mal den Namen geändert: Dior Homme heißt nun Dior Men. Interessanterweise schaut der britische Designer vor allem ins Archiv von Christian Dior, wenn er seine Kollektionen gestaltet. Das bedeutet: viele Blumenstickereien und florale Drucke sowie Anzüge aus purer Seide in weiblichen Pastelltönen. Statt Krawatte, die bei Hedi Slimane kurz und dünn war, werden feminine Schals unter die Jacken drapiert.


TWO IN ONE

Hemd, Hose, Gürtel, Boots von Saint Laurent by Anthony Vaccarello, Hut von Giorgio Armani Foto: Arturo Astorino
Hemd, Hose, Schuhe von Prada; Hut von Giorgio Armani, Socken von Falke Foto: Arturo Astorino
Hemd, Hose, Gürtel, Boots von Dior Men, Hut von Giorgio Armani Foto: Arturo Astorino

Ein viel weicherer Look als noch vor wenigen Saisons bestimmt das Geschehen. So ist es denn auch keine Überraschung, dass bei den Dior-Men-Schauen Frauen wie Kate Moss und Naomi Campbell in der ersten Reihe sitzen – und bei der letzten Männerschau sogar mit Jones beim Finale über den Laufsteg gingen, gekleidet in Dior Men. Jones legt Seide am Revers ein und versieht die meisten Jacken mit Blumenschmuck statt mit Einstecktuch. Das ist nicht nur ein Styling-Trick, sondern eine subtile Botschaft an asiatische Männer, die viel offener mit Geschlechterrollen umgehen und zum Beispiel auch mit Nagellack und Damenhandtaschen experimentieren.

Kein Wunder, dass Jones auch in Tokio seine Dior-Pre-Fall-Kollektion präsentierte, gleich beim richtigen Kunden. Damit ist er der erste Herrenmodemacher, der das von Lagerfeld für Chanel erfundene Prinzip des globalen Schauenwanderzirkus eingeführt hat, das es so in der Männermodeszene noch nicht gab.

Trotzdem vergisst Jones nicht seine Jungs. So trägt Kylian Mbappé, der Star des Weltfußballs, regelmäßig Dior-Men-Anzüge zu großen Veranstaltungen. Und David Beckham war im vergangenen Jahr bei der Royal Wedding von Harry und Meghan in England in einen eng geschnittenen Cutaway gekleidet, den Jones seinen Wünschen angepasst hatte – mit schwarzer Hose statt Stresemann-Streifen sowie mit dunkelgrauer statt silbergrauer Krawatte. Und schon galt er als der am besten gekleidete männliche Gast.

Pullunder, Hemd, Hose, Gürtel, Schuhe von Alexander McQueen; Hut von Giorgio Armani; Socken von Falke Foto: Arturo Astorino

Kim Jones war der erste offizielle Transfer des Geschäftsführers Pietro Beccari, als er von Fendi zu Dior kam. Seitdem wächst die Marke so schnell, wie man das sonst nur von Gucci aus dem konkurrierenden Kering-Konzern kennt.

D ie Inspiration für die Männermode also kommt heute von den Frauen. Man sieht es an unserem Shooting: Ob Hose und Hemd für einen Mann wie Alpha Dia oder eine Frau wie Esther Heesch gemacht sind, ist Jacke wie Hose. Und immer öfter wird sie nun auch von Frauen entworfen. Nicht mehr nur von Véronique Nichanian, die seit sage und schreibe 31 Jahren als Hermès-Männermode-Designerin arbeitet. Nun auch von Clare Waight Keller bei Givenchy. Sie hat eigentlich keine Erfahrung in der Männermode, denn bei Chloé, wo sie vorher arbeitete, ging es nur um Frauen – das heißt um coole Kleider für vielbeschäftigte Frauen. Aber sie hatte auch schon die Couture für Givenchy wiedereingeführt, da sollten die Männer keine Schwierigkeit darstellen.

Mit der Givenchy-Männermode war sie gleich im Sommer Gastdesignerin auf der Pitti-Messe in Florenz, wo sie ihre von asiatischem Streetstyle inspirierten Tracksuits zeigte. Auch gibt es bei Givenchy nun Haute Couture für Männer. Diesen Trend hat Pier Paolo Piccioli von Valentino eingeführt, als er noch zusammen mit Maria Grazia Chiuri das Design verantwortete. In einem boomenden Markt für Maßschneider an der Savile Row, in Neapel oder Wien ist es eigentlich logisch, dass die großen Couture-Häuser aus Paris die höchste Schneiderkunst den Männern zugänglich machen. Auch in dieser Hinsicht lernen die Herren also von den Frauen.

Esther: Anzug und Hemd von Celine. Alpha: Mantel, Hemd und Bluse von Burberry. Foto: Arturo Astorino

Fotos: Arturo Astorino
Styling: Markus Ebner
Stylingassistenz: Evelyn Tye
Models: Alpha Dia (Modelwerk), Esther Heesch (Modelwerk)
Fotografiert am 30. Juni 2019 in Paris
Quelle: F.A.Z. Magazin