Olympia-Outfits

Der neue Adler

Von Anke Schipp
09.05.2021
, 19:06
Die offiziellen Outfits für die Eröffnungsfeier, präsentiert von Reiterin Simone Blum und Tennisspielerin Angelique Kerber.
Es ist keine leichte Aufgabe, Outfits für Sportler anlässlich der Olympischen Spiele zu entwerfen. In der Vergangenheit ging es häufig schief. Seit dieser Woche ist klar, wie die Deutschen in Tokio gekleidet sein werden. Die Kolumne Modeerscheinung.

Einerseits geht es bei Olympischen Spielen um Medaillen und nicht darum, was man trägt, wenn man seinen Speer in den Himmel schießt oder 800 Meter über die Tartanbahn rennt. Andererseits muss ein Athlet sich wohlfühlen, das Material muss angenehm sein, und er sollte sich auch nicht doof vorkommen, wenn er durch das olympische Dorf schlendert oder bei der Eröffnungsfeier mit den anderen Athleten ins Stadion zieht.

Das ist keine ganz leichte Aufgabe – und nicht immer ist sie in den vergangenen Jahren gelungen. Bei den Winterspielen in Sotschi 2014 wirkte das Team Deutschland im kunterbunten Outfit wie ein Papageienschwarm. Zwei Jahre später in Rio de Janeiro war es eine asphaltgraue monochrome Masse, die mit der Deutschlandfahne ins Stadion einzog.

Legere Outfits fürs olympische Dorf präsentiert von Turner Marcel Nguyen und Ruderer Oliver Zeidler.
Legere Outfits fürs olympische Dorf präsentiert von Turner Marcel Nguyen und Ruderer Oliver Zeidler. Bild: Foto Team Deutschland/adidas

Für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer ist die Botschaft der Kollektion, die am Donnerstag per Livestream vorgestellt wurde, nicht sofort erkennbar. Vermutlich weil es um zwei Dinge geht, die eigentlich gegensätzlich sind: Unity und Diversity – Einheit und Vielfalt. Einerseits, sagt Melina Hartmann, die für die Kollektion verantwortliche Designerin bei Adidas, solle mit dem Outfit die Einheit als Team ausgedrückt werden, andererseits stehe sie für Individualität, damit jeder seinen persönlichen Style zeigen könne.

Aus Gold wird frozen yellow

Vielleicht ist deshalb eine recht heterogene, fast disparate Kollektion daraus geworden, denn die Vielfalt zeigt sich durch gegensätzliche Farben wie knalliges Rot und pastellfarbenes Mint und grafische Elemente mit unterschiedlichen Anmutungen. Der Bundesadler erscheint einmal recht konkret am Oberarm von Jacken und Shirts, aber auch als dekonstruierte und neu zusammengesetzte großflächige Version. Die Deutschland-Farben wiederum sind auf den Wettkampfshirts modern interpretiert – das Gold wird zum frozen yellow –, auf den Jacken für das Podium aber mit diagonal verlaufenden Balken so markant wie die Deutschland-Flagge.

Insgesamt ist die Kollektion für die Spiele in Tokio, die am 23. Juli beginnen, aber leicht und spielerisch. Und es ist die nachhaltigste Kollektion, die es je gab. Unter anderem wurde Material aus recyceltem Ozeanplastik verarbeitet. Für die Athleten dürfte ein anderes Merkmal wichtig sein: die neuen Technologien, die verarbeitet wurden. In Tokio ist es von Mitte Juli an sehr heiß und schwül. Durch die exakte Platzierung von Belüftungszonen wird der Körper im Wettkampf kühl gehalten. Der persönliche Style tritt in solchen Momenten vermutlich in den Hintergrund.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schipp, Anke
Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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