Kleiderordnung bei Events

Kommt bald der Dresscode zurück?

Von Jennifer Wiebking
02.05.2021
, 20:25
Bei den Oscars gab es in diesem Jahr eine Kleiderordnung. Auch für Ascot haben sich die Organisatoren ein Thema ausgedacht. Über die Rückkehr des Motto-Events. Die Kolumne Modeerscheinung.

Man kann es den Briten nach Monaten strengster Ausgangsbeschränkungen und erfolgreicher Impfkampagne nur gönnen: Während hier das Oktoberfest im September wohl wieder ausfallen wird, gehen dort für Juni die Wimbledon-Tickets weg. Außerdem steht Ascot an, das Pferderennen. Das war auch vor Corona ein alljährliches Spektakel, bei dem neben der Frage, was auf der Rennbahn passiert, mindestens genauso interessant zu beobachten war, was die Gäste trugen. In diesem Jahr aber ist die Kleiderordnung noch härter: Spaghettiträger, Miniröcke und Fascinator-Kopfbedeckungen sind weiterhin nicht gestattet. Zudem haben die Organisatoren ein Motto ausgerufen: Nachhaltigkeit! Bedeutet: Das Outfit soll wenn möglich vom vergangenen Jahr sein, gerne aus einem anderen Jahrzehnt.

Die Jogginghose als schlechter Einfluss

Auch die Oscar-Organisatoren hatten für den vergangenen Sonntag vorab ein Thema verkündet: inspirational und aspirational, als bestünde Anlass zur Sorge, dass all die getragenen Jogginghosen seit dem vergangenen Jahr einen schlechten Einfluss auf das Stilbewusstsein haben könnten.

Sind die Oscars und Ascot also erste Anzeichen dafür, dass der Dresscode zurückkommt? Oder, wie man in der Mode sagt, ein Comeback feiert? Und bedeutet eine Kleiderordnung eigentlich, auf unmoderne Weise der freien Entfaltung Grenzen zu setzen, oder bietet das Motto erst die Gelegenheit, wirklich kreativ zu werden? Ist ein Dresscode rückwärtsgewandt oder zukunftsgerichtet?

Crocs in Gold

Die Bilanz der Oscars: Der Musikproduzent Questlove zeigte, wie man von einem Motto abweichen und es zugleich beherzigen kann. Er kam in Gartenschuhen, in Crocs, weder sonderlich kreativ noch luxuriös. Dafür waren sie in Gold. Und viele Schauspielerinnen trugen Kleider so ausladend wie Ballroben (aspirational), auffällig bei einigen die bauchfreie Mitte (inspirational). Es gab schon langweiligere Schwarze-Kleider-Galas.

Quelle: F.A.S.
Jennifer Wiebking - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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