Eine andere Art von Klunker

Griff in Mamas Schmuckkasten

Von Maria Wiesner
28.06.2022
, 09:52
Mit Geschmeide: Der britische Sänger Harry Styles machte es schon 2020 bei den Brit Awards vor.
Die Perlenkette ist der Inbegriff von Eleganz oder Biederkeit – je nach Sichtweise. Nun kleidet sie nicht mehr nur Frauen.
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Wenn Diamanten, wie Marilyn Monroe einst sang, die besten Freunde einer Frau sind, so sind Perlen neuerdings die besten Freunde eines Mannes. „Ich hab mir diese Kette gerade in Mailand gekauft, meine Kollegin war schon neidisch“, erzählte uns un­längst ein Radiojournalist auf einer Dachterrassenparty in Frankfurt. Während die Sonne über den Dächern der Stadt unterging, spielten die letzten Strahlen mit den bunten Perlen, die an jenem Abend fast jeder Mann um den Hals trug.

Ganz neu ist der Trend nicht. Das erste zarte Beben der Geschlechtergrenzen beim Perlentragen registrierten Modeseismographen 2016, als der amerikanische Rapper Pharrell Williams zur Chanel-Show in Paris mehrere der langen von Coco geliebten Ketten umgeschlungen hatte. Der deutsche Schauspieler Lars Eidinger tat es ihm 2019 zur Herbst-Winter-Schau des Pariser Lu­xus­labels gleich. Ein Jahr später versuchte sich auch Harry Styles daran. Damals begann die Schmuckindustrie ein verstärktes Interesse von Männern an Halsketten festzustellen. Die Pandemie verstärkte die Nachfrage, legte das Home­office mit Zoom-Sitzungen den Fokus doch sowieso auf die Körperregion oberhalb der Taille. Wie also akzentuiert man das Gesicht im kühlen Schein der Bildschirme am besten?

Sogar beim Sport: Baseballspieler Joc Pederson im vergangenen Jahr mit Kette bei einem Spiel seines damaligen Vereins Atlanta Braves gegen die New York Mets.
Sogar beim Sport: Baseballspieler Joc Pederson im vergangenen Jahr mit Kette bei einem Spiel seines damaligen Vereins Atlanta Braves gegen die New York Mets. Bild: Picture Alliance

Machtsymbole der Könige

Man griff auf jene Accessoires zurück, die bei Männern solch eine alte Tradition haben, dass sie lange als Machtsymbol galten: Schon im 16. Jahrhundert trugen indische Moguln schwere Perlenketten. Englands König Charles I. ließ sich ein Jahrhundert später sogar mit Perlenschmuck porträtieren. Die Geste imitierte im vergangenen Jahrhundert Salon­löwe und Zwanzigerjahre-Partymaus Stephen Tennant, als er in langen Perlensträngen für den Fotografen Cecil Beaton posierte. Wie sexy Androgynität ist, bewies Dekaden später Mick Jagger, als er sich Perlen auf eng anliegender schwarzer Spitze um den Hals legte.

Da wirkt es nun fast schon mainstreamig, wenn das japanische Perlenlabel Mikimoto für seine Capsule Collection mit Comme des Garçons betont, dass sich der Schmuck an alle Geschlechter richte. Perlen und Ketten sind längst nicht mehr nur der Avantgarde und Rockstars vorbehalten. Seit selbst Rapper wie ASAP Rocky ihre schweren Goldketten gegen zartglänzende Schnüre getauscht haben, müssen Frauen nun ihre Schmuckkästchen hüten. Das bestätigte uns auf jener Dachterrasse ein junger Designer: „Die Kette habe ich meiner Mutter geklaut. Für sie war sie zu bieder, für mich genau richtig.“ Er hatte sie mit T-Shirt und blauem Lidschatten kombiniert.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.
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