Kolumne Modeerscheinung

Was sich in der Mode bald ändern könnte

Von Jennifer Wiebking
19.07.2020
, 17:23
Dafür steht sie mit ihrem Körper: Sabrina Pilkati ist Mitarbeiterin von Gucci und jetzt Model.
Sind Designer die besseren Models? Gucci probiert es zur digitalen Mailänder Modewoche mal aus. Normale Menschen statt Models könnten ein Problem der Luxusmode lösen.
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Entscheidender als die Frage, was die Modemarke Gucci am Freitagmittag im römischen Palazzo Sacchetti zur Präsentation zeigt, ist, wer diese Mode trägt: die Blazer wie Capes und Westen mit Gucci-Logo, die ausgestellten A-Linien-Röcke, Blümchenturbane, Donald-Duck-Ketten und eckigen Brillen. Und das wären gerade mal Auszüge aus den ersten zwei Looks. Es ist der typische Mix der Referenzen, mit dem Kreativdirektor Alessandro Michele dem Haus vor fünf Jahren seinen kreativen Anspruch zurückgegeben hat. Jetzt hat er auch in strategischer Hinsicht eine neue Idee.

Nicht dass der Berufsstand Model aussterben sollte, aber Gucci probiert jetzt einfach mal was anderes: Zu sehen sind etwa eine Frau namens Sabrina Pilkati und ein Mann namens Daniele Grande. Sie sind Mitarbeiter von Alessandro Michele und entwerfen Damenmode. Die Arbeit ihrer Teams präsentieren sie an diesem Tag selbst, am eigenen Körper. Als Models.

Mode im Praxistest: Auch Daniele Grande präsentiert, was die eigenen Kollegen entworfen haben.
Mode im Praxistest: Auch Daniele Grande präsentiert, was die eigenen Kollegen entworfen haben. Bild: Hersteller

Sicher, Gucci kann sich das Casting von Menschen, die nicht hauptberuflich atemberaubend interessant aussehen, auch erlauben, da es lediglich Fotos der Mitarbeiter in den Entwürfen zu sehen gibt. In diesen Tagen ist zwar Modewoche in Mailand, es werden also Schauen gezeigt, aber bis auf ein paar lokale Gäste, etwa bei Etro und Dolce & Gabbana, sitzt die Mehrheit vor dem Bildschirm und schaut digital zu. Für die Marken hat die pandemiebedingte digitale Fashion Week den Vorteil, dass sie ihre Außenwirkung noch stärker kontrollieren können. Für den Zuschauer bedeutet es, zwischen Entwürfen, die zeigen, was demnächst Mode sein könnte, ganz schön viele auf Hochglanz polierte Werbebotschaften aushalten zu müssen. Auch die Gucci-Aufnahmen der Mitarbeiter lassen sich natürlich unendlich und mühelos bearbeiten.

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Dennoch: Wenn alle Designer ihre Arbeiten künftig nicht nur Probe tragen, sondern es zum guten Ton gehören würde, dass das Team sie echt vor Publikum präsentierte, dann sähe die Mode gewiss schnell anders aus. Die Schnitte wären vielfältiger, Design-Ideen, die in der Theorie gut funktionieren, wie etwa Fransen an den Säumen, müssten einen ganz schön kritischen Praxistest bestehen. Der Vorwurf, den sich die Luxusmode berechtigterweise gefallen lassen muss – mit ihrer Arbeit überwiegend Menschen zu kleiden, die das fünfundzwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben –, wäre aus der Welt geschafft. Klar, auch Sabrina Pilkati, Daniele Grande sowie sȁmtliche abgebildete Mitarbeiter von Gucci sehen kaum so aus, als stünden sie kurz vor dem Ruhestand. Aber eben auch nicht so, als würden sie ausschließlich dafür bezahlt werden, fotografiert zu werden.

Quelle: F.A.S.
Jennifer Wiebking - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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