Mailänder Modewoche

Wiedersehen mit dem Leben

Von Jennifer Wiebking
26.09.2021
, 12:09
Auf Abstand: Gäste und Models bei der Schau von Jil Sander.
Es ist Modewoche in Mailand, die erste große, mit einer Live-Schau nach der nächsten. Und es gibt Grund zum Optimismus – das Zeitalter der digitalen Shows könnte schon wieder vorbei sein. Die Kolumne Modeerscheinung.
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Drinnen am Laufsteg sitzen die Modeleute noch auf Abstand, draußen vor der Tür sammeln sich junge Menschen in Trauben. So ist es bei Fendi am Mittwoch, bei Max Mara, Boss und Etro am Donnerstag. Auch für die Fans muss die Zeit nach der Pandemie schon begonnen haben, es sind jetzt eher mehr als zuvor, die sich mit ihren iPhones in der Menge zusammendrängen. Vielleicht läuft ja gleich Gigi Hadid hinaus, neuerdings mit roten Haaren. Oder Chiara Ferragni. Oder Caro Daur.

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Es ist Modewoche in Mailand, die erste große, mit einer Live-Schau nach der nächsten. Das Zeitalter der digitalen Shows könnte so gesehen schon wieder vorbei sein, es ist jedenfalls nichts gegen das Erlebnis IRL (in real life), das würden wohl auch die Fans vor der Tür bestätigen. Wer rein will in die Schau, wird mehrfach kontrolliert: Der erste Türsteher fragt nach der Einladung. Der zweite ruft geradezu stolz: „Green Pass, please.“ Es ist ja das Symbol der erfolgreichen Impfkampagne in Italien. Der dritte hält noch schnell das Fieberthermometer an die Stirn.

Dann kann man Mode sehen. Andere Modeleute treffen, wobei sich die Küsschen-Küsschen-Gesellschaft dieser Tage noch mit Überschwang zurückhält. Die Erinnerungen sind noch nicht verblasst an die Modewoche im Februar 2020, als es in der Lombardei die ersten Corona-Todesfälle gab und in deren Hauptstadt, Mailand, Modewoche war. Als auch einige der Anwesenden daraufhin das Virus in die Länder mitbrachten, aus denen sie gekommen waren.

Fast schon wieder alles wie vorher

Andererseits, der nächste Sommer kommt bestimmt, und wenn schon jetzt knapp 80 Prozent der über Zwölfjährigen in Italien zweimal geimpft sind, dann haben die Designer dieses Landes, die hier Mode für das nächste Jahr zeigen, berechtigten Grund zum Optimismus, für Wiedersehensfreude mit dem Leben: Sie äußert sich in den Farben, in Gelb, Aprikose, Lindgrün, Weiß (Jil Sander, Brunello Cucinelli). Und sie äußert sich in vielen bauchfreien Tops (Fendi, Etro, Max Mara), gewissermaßen dem Gegenteil des Couch-Looks.

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Am Abend tragen die Kellner volle Tabletts mit Aperol Spritz auf den Cocktail-Empfängen umher. Die Influencerinnen laufen für die eigenen Handy­kameras auf und ab. Eigentlich ist hier schon wieder alles wie immer.

In der Menge: Fans vor der Tür bei der Show von Fendi.
In der Menge: Fans vor der Tür bei der Show von Fendi. Bild: AP
Quelle: F.A.S.
Jennifer Wiebking - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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