Kolumne Modeerscheinung

Macht Pasta glücklich?

Von Jennifer Wiebking
21.06.2020
, 19:46
Die italienischen Luxusmarken müssen weitermachen, trotz Krise. Und suchen nach neuen Ideen - die findet man nun sogar im Pastaregal.

Überraschung neulich bei Rewe am Pasta-Regal. Barilla und die Eigenmarke links, Buitoni und 3 Glocken rechts. Dazwischen ein schmaleres Kästchen und darin Spaghetti und Tortiglioni – von Dolce & Gabbana. Jener Mailänder Marke, die besser bekannt ist für gutgeschnittene Cocktailkleider. Und jetzt Nudeln?!

Gab es 2017 zwar schon mal, damals waren sie aber streng limitiert, in der Box für 95 Euro zu haben und das kaum im Supermarkt an einer großstädtischen Hauptstraße. Auf gut vier Regalmetern sind die Dolce-&-Gabbana-Pastatüten hier mit Abstand die hübschesten. Das Marken-Logo, darüber auf rotem Grund in geschwungenen gelben Lettern „Pastificio G. Di Martino“, als müsste dieser Schriftzug über der Holztür eines Traditionsladens in einer neapolitanischen Gasse hängen. Daher scheint diese „Antica Pasta di Gragnano“ auch zu kommen, wie die Ortsmarke verrät. Dazu die Jahreszahl: „Dal 1912“. Kostenpunkt pro Paket: 1,69 Euro. Auf einmal kehrt dieses Gefühl aus schlimmsten Hamsterzeiten zurück: Mit wie viel Pasta darf man planen, bevor es an der Kasse peinlich wird? Wenn sie doch von Dolce & Gabbana ist!

Italien, das Land, aus dem viele schöne Luxusobjekte kommen, ist auch das Land, das hart von der Pandemie betroffen ist. Zunächst stellten die Unternehmen um, auf Maskenproduktion, auf Schutzausrüstung und Desinfektionsgel. Aber auch darüber hinaus muss es weitergehen. Zu viel hängt davon ab. So kommen Lederschuhe und Schmuck bei den italienischen Exportgütern unter die Top zehn.

Diego Della Valle, Tod’s-Chef, nutzt den Moment für ein Gruppenfoto mit seinen Mitarbeitern. Zusammenhalt scheint nun das Stichwort dieser Zeit. Luxusgüter werden es bis auf weiteres ja schwer genug haben, wenn die Läden in vielen Regionen der Welt noch geschlossen sind. Wenn die Teile an anderen Orten nach der Anprobe aus hygienischen Gründen 24 Stunden lang in Quarantäne müssen. Wenn ohnehin den wenigsten nach Geldausgeben zumute ist. Wenn Begehrlichkeit ein Wort ist, das zuletzt im Zusammenhang mit Hygieneartikeln und Grundnahrungsmitteln gebraucht worden ist.

Also setzt etwa Dolce&Gabbana darauf: auf Roséwein vom sizilianischen Gut Donnafugata. Oder eben auf Pasta in Kooperation mit Di Martino. In der Küche sind sie ja auch zu Hause, die Italiener. Das Idealbild des Familienessens inklusive.

Die Pasta-Beutel zeigen es. Darauf zu sehen die Großfamilie, vor jedem ein Teller Spaghetti. Dazu das Statement: „La famiglia. La Pasta. L’Italia. Dolce & Gabbana“. Das alles bei Rewe, wo die Frage, ob Luxus noch Luxus ist, wenn es ihn im Supermarkt gibt, natürlich längst hinfällig ist. Die Designer-Pasta ist so gut wie ausverkauft.

Quelle: F.A.S.
Jennifer Wiebking - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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