Geflüchtete Schneiderinnen

Social Couture

Von Sabine Spieler
09.05.2022
, 15:18
Die Kleider wurden aus Stoffresten aufwändig gefertigt.
Das Münchner Label Talbot Runhof präsentierte am Wochenende ein Sozialprojekt: Geflüchtete Schneiderinnen aus dem Kongo und Afghanistan haben Stoffreste der Marke zu Patchwork-Roben verarbeitet.
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Es ist ein Herzensprojekt der Münchner Designer Adrian Runhof und Johnny Talbot. Ein Projekt, an dem sie trotz schwierigen zwei Pandemie-Jahren für das Couture-Label festgehalten haben. „Es waren keine einfachen Zeiten für uns und für unsere Mitarbeitenden“, sagt Adrian Runhof. „Umso glücklicher sind wir, dass wir das großartige Ergebnis von zwei Jahren Arbeit realisieren konnten.“

Runhof und Talbot haben mit dem Münchner Wohn- und Kulturzentrum „Bellevue di Monaco“ – eine Sozialgenossenschaft in München – eine Nähwerkstatt aufgebaut, in der geflüchtete Frauen aus den Stoffresten der Kollektion Patchwork-Kleider genäht und auf diese Weise Arbeit gefunden haben. Schirmherrin ist Kulturstaatsministerin Claudia Roth. „Mode ist viel mehr als ein Bekleidungsstück. Es ist ein Statement, das Menschen mit unterschiedlicher Geschichte und Herkunft verbindet und ein Beitrag ist, wie unsere Gesellschaft sein soll: bunt, vielfältig und wunderschön,“ sagt die Grüne-Politikerin.

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Die Kollektion umfasst 40 Modelle, jedes davon ist aufwändig gemacht: gerafft, gemustert, bestickt und aus bis zu hunderten kleinen Stoff-Rechtecken gefertigt. Kostümbildnerin Kissi Baumann, die das Projekt leitet, überlegte sich im Vorfeld, wie die Stoffreste arrangiert werden können, die Schnitte stammen aus dem Atelier von Talbot Runhof, die Modelle wurden von den Geflüchteten Mariam Monga und Sedique Mousawi zusammengeschneidert. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich die Kleider tatsächlich einmal sehen könnte“, sagt Mariam Monga bei der Präsentation der Kleider, sichtlich berührt.

Ein Oberteil aus der Nähwerkstatt, die Talbot Runhof gemeinsam mit  der Sozialgenossenschaft „Bellevue di Monaco" aufgebaut haben.
Ein Oberteil aus der Nähwerkstatt, die Talbot Runhof gemeinsam mit der Sozialgenossenschaft „Bellevue di Monaco" aufgebaut haben. Bild: Gila Sonderwald/Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco

Bald bekommen die beiden Frauen Verstärkung in der Nähwerkstatt: Eine Ukrainerin wird das Team von „Bellevue Couture“ erweitern. Talbot Runhof, bei denen die Schneiderinnen als Teilzeitkräfte beschäftigt sind, möchten das Projekt nach und nach ausbauen und hoffen, dass sich die Einzelstücke gut verkaufen. Sie werden ab dem 12. Mai im Münchner Flagship-Store von Talbot Runhof in der Theatinerstraße erhältlich sein. Die Modelle, die es von Konfektionsgröße 32 bis 46 gibt, kosten zwischen 1300 und 10.000 Euro. „Das sind allesamt handgefertigte Unikate, für deren Fertigstellung es zwischen zwei und vier Wochen braucht“, rechtfertigt Adrian Runhof den Preis. Noch dazu seien die Einzelstücke zu 100 Prozent nachhaltig, denn pro Kollektion bleiben durchschnittlich zehn Prozent der Stoffe übrig, die durch das Bellevue-Projekt jetzt optimale und maximale Verwendung finden.

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Die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Talbot Runhof und Bellevue Couture ist schon gesichert: Das Münchner Luxus-Label übernimmt die Bühnenausstattung des Ballettstücks „Giselle“ am Gärtnerplatztheater in München, das im November Premiere hat.

Quelle: FAZ.NET
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