<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
New York Fashion Week

Weniger ist nicht genug

Von Johanna Christner
Aktualisiert am 14.02.2020
 - 13:43
Die Kollektion von Oscar De la Renta zeichnete sich vor allem durch glamouröse Ballkleider mit Metalldetails und barocken Blumenprints aus.zur Bildergalerie
Wenn sich namhafte Designer von der Modewoche in New York zurückziehen, fährt man im „Big Apple“ eben andere Geschütze auf. Es wird bunter, schriller, opulenter – und dank Überraschungsgästen auf dem Laufsteg auch prominenter.

Auf der Modewoche in New York schien man sich nicht viel aus dem Credo „Weniger ist mehr“ zu machen: Als große Trends taten sich vor allen Dingen satte Farben, opulente Rüschen und Blumenprints von Kopf bis Fuß hervor. Vielleicht genau die Energie, die die Modewelt braucht, in Zeiten da sich feste Designgrößen wie Tom Ford und Tommy Hilfiger von den Laufstegen der Fashionweek in New York zurückziehen und die Schanghaier Modewoche angesichts des grassierenden Coronavirus abgesagt wurde.

Das alles im Halbschatten der Oscars, auf die sich kurz zuvor die Augen der Welt richteten. Scarlett Johansson schritt bei den Academy Awards in einem schulterfreien Kleid von Oscar de la Renta über den roten Teppich. Auch wenn die Schauspielerin trotz zweifacher Nominierung ohne Trophäe nach Hause gehen musste: Ihr Kleid wäre dem einer schillernden Preisträgerin würdig gewesen.

Weniger als 24 Stunden später liefen Models in deutlich kürzeren Versionen des Kleids bei der New Yorker Modewoche über den Laufsteg von Oscar de la Renta. Eröffnet wurde die Show in der New York Public Library von Bella Hadid, die den Laufsteg in blaugrüner Hose, cyanblauem Mantel und rotem Pullover darunter betrat. Kontrastprogramm zu dem Colorblocking-Entwurf von Laura Kim und Fernando Garcia: Glamouröse Ballkleider mit Metalldetails, barocke Blumenprints, viele Federn, Stickereien und Pailletten. Inspiration nahm sich das Designer-Duo hierfür von Truman Capote’s „Black and White Ball“ im Jahr 1966, an dem der 2014 verstorbene Oscar de la Renta teilnahm – mit Frau, Anzug und flauschiger Katzenmaske über dem Gesicht. So farbintensiv wie die Show anfing, endete sie auch: Bella Hadid beendete sie in einem roten Kleid und knallpinken Feder-Cape.

Auch für Rodarte lief das Model eröffnend über den Laufsteg, dieses Mal allerdings nur mit roten Akzenten an Schuhen, Kleid und Kopfschmuck. Ihr rot gepunktetes Kleid mit Schulterpolsterschnitt im Vierziger-Jahre-Stil und plissiertem Rockteil gehörte dabei noch zu den zurückhaltenden Entwürfen. Hauptinspirationsquelle der Designerinnen Kate und Laura Mulleavy waren Horrorfilme aus ihrer Kindheit, was etwa an spinnennetzartigen Stoffen zu bemerken war, die sich um die Silhouetten der Models schlangen. Die Schwestern experimentierten in der Kollektion mit Entwürfen in Blutrot, floralen Trauerschleiern, vielen Rüschen – und gewagten Musterkombinationen wie einer mit Blumen gemusterten Weste über einem Querstreifenhemd mit Schulterpolstern und einem beigen Plaid-Minirock. Die Schwestern verstehen Modenschauen als Theaterperformances. Ihre Show in der St. Bartholomew’s Church in Manhattan und die von Kerzen beleuchteten Blumendeko bot dazu das richtige Bühnenbild.

Dem Zufall überlassen wollte man auch das Set bei Tory Burch nicht. Die Show bei Sotheby’s an der Upper East Side nahm sich florale Kunstwerke der Bildhauerin Francesca DiMattio zur Dekoration – die sich optisch an die Blumenmuster der Kleider anlehnten. Die zarten Chinoiserie-Drucke schafften es bei Tory Burch nicht nur auf die taillierten Jacken und Stretch-Hosen, sondern bis auf die senfbraunen und olivgrünen Overkneestiefel. Die Inspiration zu den Entwürfen nahm sich Tory Burch aus türkischen, englischen und französischen Porzellantraditionen. Unterlegt wurde die Show mit einer feministischen Note: Burch wies in Erinnerung an ihre Dozentin der Kunstgeschichte darauf hin, dass die Arbeit von weiblichen Kreativen nicht vergessen werden dürfe. Dieses Anliegen unterlegte sie musikalisch, indem sie Sängerin Alice Smith den Song „You Don’t Own Me“ von Hip-Hop-Künstler Q-Tip singen ließ.

Marc Jacobs beließ es nicht nur bei ausgefallener Laufsteg-Dekoration und ließ nicht nur die Hadid-Schwestern und Kaia Gerber, sondern auch Sängerin Miley Cyrus über seinen Catwalk laufen. Ihr Outfit: Eine schwarze Anzughose kombiniert mit einem Bustier und langen Lederhandschuhen und einer Kristallkette. Ihren Mantel mit Zebradruck zog Cyrus neben sich her. Ihren Laufstegmoment in der Park Avenue Armory publizierte die Sängerin mittlerweile auch als Video auf Instagram, was ihr Lob von Karlie Kloss und Naomi Campbell einbrachte. Jacob’s Kollektion bot von neutralen Erdtönen über Pastellrosa bis hin zu quietschgelben Plüschkreationen eine ganze Palette an Farben. Auch der Stil der Kollektion lässt sich nicht auf ein Schlagwort begrenzen: Von minimalistischen klaren Schnitten bis hin zu Entwürfen, die mit handgefertigten 3D-Seiden-Rosen besetzt wurden, bot sich auch hier eine ganze Bandbreite.

Auch Jack McCollough und Lazaro Hernandez, die Designer von Proenza Schouler, dachten politisch. Die politischen Nachrichten im Januar hätten ihre Herbstkollektion unweigerlich beeinflusst, so das Designer-Duo. Zum Schutz in Zeiten eines „unberechenbaren Jahrzehnts“ gab es von Proenza Schouler nicht nur dicke Schals und Herbstmäntel im Oversized-Look, sondern vor allem selbstbewusste Entwürfe mit viel Leder in klassischem Schwarz bis hin zu extravagantem Rot. Die aus nur 35 Entwürfen bestehende Kollektion zeichnete sich dabei durch deckenartige Überwürfe, asymmetrische Kleider und kurze Röcke aus – selbstbewusst eben.

Selbstbewusst wurde es auch bei Vera Wang. Der Name der chinesischstämmigen Designerin ist ein großer auf den roten Teppichen dieser Welt, vor allen Dingen ist Wang jedoch für ihre Brautmode bekannt. Eine überwiegend von Abendgarderobe dominierte Kollektion gab es von ihr seit über zehn Jahren nicht mehr – die Designerin bezeichnete ihre Schau auf der New Yorker Fashion Week daher als einen großen Schritt. Die Show, für die sie der Abendmode neue Möglichkeiten eröffnen wollte, wurde zu einer Koexistenz der Gegensätze. Mit weiten Tüllkleidern in Pastelltönen wie Minzgrün und Lavendel besann sich die Designerin in ihrer Herbstkollektion auf ihre eigenen Traditionen. Im historischen James-B.-Duke Haus an der Fifth Avenue zeigte Wang allerdings auch ihre Experimentierfreude: Schwarze Seidenroben mit asymmetrischen Trägern, Lederdetails und kurze Shorts zeigten eine ganz andere Seite der Wang. Fans ihrer verträumten Brautentwürfe schien sie in einem Interview vorsichtig besänftigen zu wollen: Man könne ihre gewagten Entwürfe ja auch mit längeren Röcken tragen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Christner, Johanna
Johanna Christner
Volontärin.
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.