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Minister Müller gegen Verband

Der Grüne Knopf startet – und sorgt für viel Streit

Von Manfred Schäfers, Berlin
 - 14:00
Wollen die Mode verändern (von rechts): Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz, Tchibo-Chef Thomas Linemayr und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm

Ein neues staatliches Siegel an Textilien soll Kunden das Einkaufen nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten erleichtern. „Es geht um Gerechtigkeit in den Lieferketten“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), als er am Montag den „Grünen Knopf“ in Berlin vorstellte.

Unternehmen, die mit diesem um Kunden werben wollen, müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, die Mensch und Natur in den Produktionsländern schützen sollen. So wird das Siegel an 46 Kriterien geknüpft, sie reichen von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Zu den Anforderungen, die für den Grünen Knopf maßgeblich sind, gehören darüber hinaus: das Zahlen von Mindestlöhnen, die Einhaltung von Arbeitszeiten, das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Darüber hinaus dürfen Unternehmen, keine als gefährlich eingestuften Chemikalien einsetzen.

„Jetzt machen wir den Knopf dran“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), als er am Montag in Berlin die Details erläuterte. Unterstützung erhielt der Minister von Vertretern der Unternehmen Tchibo und Vaude sowie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dagegen lehnte der Branchenverband Gesamtverband „textil + mode“ das Siegel ab. Der Staat bestimmt die Kriterien, die an den Grünen Knopf geknüpft werden. Unabhängige Prüfstellen kontrollieren, ob sie eingehalten werden.

„Ausbeutung wie im 19. Jahrhundert“

Nach Angaben des Ministers sind 70 Unternehmen an dem Siegel interessiert, 55 haben sich angemeldet, 27 sind bereits qualifiziert. Allerdings trägt nicht jedes ihrer Produkte, das sie verkaufen, den Grünen Knopf, sondern nur die Teile, bei denen nachgewiesen werden kann, dass die sozialen und ökologischen Vorgaben in den Lieferketten eingehalten werden.

Millionen von Frauen und Kindern schufteten wie Sklaven in Textilfabriken und auf Baumwollplantagen, sagte der Minister. Sie arbeiteten für 15 Cent 14 Stunden sechs Tage die Woche. „Das ist Ausbeutung in den Strukturen des 19. Jahrhunderts.“ Die Globalisierung habe in der Textilwirtschaft ihren Anfang gehabt. „Gerechte Globalisierung sollte und muss in der Textilwirtschaft wieder beginnen“, mahnte der Minister, der sich – wie er hervorhob – eigens für die Gelegenheit einen neuen Anzug von einem Anbieter gekauft hatte, der bei seiner Initiative mitmacht. Er forderte, künftig den Grünen Knopf bei der Ausstattung von Polizisten, Soldaten und Feuerwehren zugrundezulegen.

Branchenverband hat „kein Vertrauen“

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie, dem rund 1400 Unternehmen angehören, hat nach eigenem Bekunden „kein Vertrauen“ in den Grünen Knopf. „Wir können das neue Siegel nicht empfehlen“, sagte Präsidentin Ingeborg Neumann. Das Konzept aus dem Entwicklungsministerium werfe mehr Fragen auf, als es Antworten gebe, beispielsweise was die Zulassungskriterien und die staatliche Kontrolle betreffe.

„Wir können nicht zulassen, dass die international etablierten Siegel und Zertifizierungssysteme, in die unsere Unternehmen seit langem viel investieren, Schaden nehmen.“ Das wäre für die Mittelständler, die in scharfer Konkurrenz zu den globalen Bekleidungsketten stünden, ein großer Schaden für die Glaubwürdigkeit und damit auch für die Wettbewerbsfähigkeit.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm meinte, es gehe um globale Solidarität. „Der Grüne Knopf wird dazu beitragen, dass wir mit unserem täglichen Kaufverhalten die menschenunwürdigen Zustände überwinden.“ Tchibo-Chef Thomas Linemayr bezeichnete den Grünen Knopf als einen Meilenstein. Er schaffe echte Transparenz für die Konsumenten. Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz sagte, die Menschen von heute wollten mit einem guten Gewissen einkaufen.

Quelle: FAZ.NET
Manfred Schäfers - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Schäfers
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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