New Balance 997

„Made in USA“

Von Aylin Güler
21.06.2019
, 23:08
Im Sommer darf es an den Füßen ruhig etwas bunter werden – und dafür ist der New Balance 997 bestens geeignet. Doch der amerikanische Schuhhersteller hatte nicht immer den besten Ruf. Die Kolumne Sneak around.

Der Ugly-Dad-Sneaker-Trend ebbt auch 2019 nicht ab. Mitbegründer und vielleicht sogar Urheber dieses Stils ist New Balance. 1972 kaufte Jim Davis das 1906 in Boston gegründete Unternehmen, das damals 30 Paar Turnschuhe pro Tag herstellte. Mittlerweile ist New Balance zur viertgrößten Sportmarke der Welt hinter Nike, Adidas und Puma aufgestiegen – und noch immer ist Davis der Chef. Während die Konkurrenz fast all ihre Ware in Asien herstellen lässt, ist New Balance stolz auf seine fünf Werke in den Vereinigten Staaten und eines in England.

1982 debütierte der New Balance 990 als erster Sportschuh, der 100 Dollar kostete – und somit viel teurer war als andere Modelle. Mit dem zugehörigen Werbeslogan Auf einer Skala von 1000 ist dieser Schuh eine 990 sendete New Balance eine klare Message. Tatsächlich wurde der 990er schnell zum Statussymbol – auch wegen des hohen Preises. Der graue Sneaker, den man heute als Ugly-Dad-Sneaker bezeichnen würde, wurde von vielen Prominenten getragen. Der bekannteste unter ihnen: Apple-Gründer Steve Jobs. Gerüchte legen sogar nahe, dass Jobs den ersten Entwurf des Schuhs gezeichnet und an New Balance geschickt habe, mit der Bitte nach etwas Sportlicherem als Lederschuhen.

Anfang der nuller Jahre wurden New-Balance-Sneaker wegen ihres Markenzeichens N, das als Abkürzung von national interpretiert wurde, unter Neonazis beliebt. Das Nazi-Image drohte Sportler abzuschrecken. Das Unternehmen wehrte sich gegen die Vereinnahmung und verhängte einen Lieferstopp für 40 rechtsgesinnte Geschäfte in Deutschland. Als nützlich erwies sich auch die Kooperation mit dem Berliner Sneaker-Store Solebox. Die Gerüchte über eine Nähe zu Rechtsradikalen nahmen ab.

Mehr als zehn Jahre später stand der Sportartikelhersteller wieder in der Kritik: Kurz nach der Präsidentenwahl 2016 in Amerika wurde öffentlich, dass die Firma Trumps Position gegen das ausgehandelte transpazifische Freihandelsabkommen unterstützte. Wütende Kunden veröffentlichten daraufhin Videos, in denen sie ihre New-Balance-Schuhe in den Müll warfen. Das Unternehmen erklärte: Als einzige größere Firma, die noch Sportschuhe in den Vereinigten Staaten herstellt, hat New Balance einen anderen Blick auf den Welthandel – wir wollen mehr Schuhe in den USA herstellen, nicht weniger.

Trotz all der negativen Schlagzeilen muss man New Balance eines lassen: Sie sind ein Garant für Qualität. Auch mit der Frequenz der Releases übertreibt es die amerikanische Marke nicht, und das macht Lust auf den Schuh. Der 997 hat für mich die schönste Silhouette. Selbst die keilförmige Sohle gefällt mir gut. Bei meinen 997er Made in USA war es Liebe auf den ersten Blick, was vor allem am Farbton lag. Im Sommer darf es an den Füßen ruhig mal bunter werden.

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Quelle: F.A.Z. Magazin
Autorenrporträt / Güler, Aylin
Aylin Güler
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