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Töpferin Viola Beuscher

Individuell und kantig

Von Jacqueline Sternheimer
 - 21:46
Der Erfolg der jungen Töpferin beweist: Keramik liegt im Trend.

Viola Beuscher steht in ihrer Werkstatt und nimmt einen Keramikteller in die Hand. Er ist uneben, auf der Oberseite schwarz glasiert, die untere Seite naturbelassen und rau – es ist das Stück, das sie am besten verkauft. Der Teller ist dicker als herkömmliche Fabrikate aus Porzellan, denn er wurde nicht auf der Töpferscheibe gefertigt, sondern modelliert. Es ist nicht einer dieser Teller, die zum täglichen Gebrauch im Geschirrschrank stehen. Sondern einer, wie man ihn in Restaurants findet (zum Beispiel dem „Noma“ in Kopenhagen) oder auf dem Instagram-Profil eines Berliner Hipsters, der sich aufs Land verirrt hat.

Keramiken sind im Trend. Deshalb reicht Viola Beuschers Kundschaft bis hin zu Studenten, die sich kein ganzes Service, aber einzelne Stücke leisten können. Ihre Werkstatt teilt sich die Siebenundzwanzigjährige mit sechs weiteren Künstlern und Handwerkern an der Taunusstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel. Warum der schwarze Teller so erfolgreich ist? Die Antwort auf diese Frage, sagt sie, ist dieselbe wie die auf die Frage, warum so viele Menschen überhaupt nach den handgefertigten Keramiken greifen: Die Menschen wollen nichts Aalglattes, individuell und kantig soll es sein, wenn auch nur im übertragenen Sinn kantig, denn Beuschers Design ist stets rund, nie geradlinig. Henkel findet man an ihren Tassen und Bechern nicht, denn die unebene Struktur der Handarbeiten soll nicht nur auf der Haut spürbar sein, sondern auch mit beiden Händen zum Mund geführt werden. Im besten Fall, so stellt sie sich das vor, soll man ihr Produkt gar nicht abstellen wollen, sobald man es in der Hand hält.

Mit den unebenen Strukturen, den puristischen Formen und den matten Farben möchte sie das Design nicht aufs Visuelle lenken, sondern auf das, was man spüren kann, und auf den Geschmack im Mund. Sie beschreibt ihr Design eher als intuitiv denn als klares Konzept. Und doch haben ihre Keramiken ihren ganz eigenen Stil.

Keramik ist mehr als ein Notfallplan

Ihr Bewusstsein fürs Haptische ergibt sich schon daraus, wie sie selbst mit Keramik in Berührung gekommen ist. Während einer Ergotherapie begann sie vor fünf Jahren mit dem Töpfern. Zuerst mochte sie es nicht. So geht es heute auch ihren Besuchern. „Allen meinen Kunden in Töpferkursen ist gemein, dass sie das Töpfern die erste halbe Stunde aggressiv macht.“ Die Menschen sind überfordert mit dem abstrakten Brocken Ton, aus dem sie etwas formen sollen. Umso bemerkenswerter findet Viola Beuscher das Resultat, wenn die Schüler die Werkstatt wieder verlassen, Bekanntschaften geschlossen haben und von einer bereichernden Erfahrung berichten.

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Viola Beuscher
Töpfern gegen das Trauma

Viele Teilnehmer ihrer Kurse seien Ärzte, sagt sie. „Sie kommen, weil sie extrem gestresst von ihrem Beruf sind.“ Viola Beuscher will nicht nur verkaufen, sondern auch etwas vermitteln – deshalb organisiert sie neben der eigenen Produktion diese Kurse. Ihre Stimme klingt geradezu dringlich, wenn sie über die Bedeutung von Handarbeit redet und über das Bedürfnis, etwas zu spüren, in einer Gesellschaft, die ausgelaugt sei.

Sie kennt dieses Gefühl aus erster Hand: Die Ergotherapie begann sie nach einem traumatischen Erlebnis. Durch die Traumatisierung wurde sie krank, und sie musste ihr Journalismus- und Politikwissenschaft-Studium abbrechen. Ohne Hilfe konnte sie nicht mehr funktionieren. Es ist nicht naheliegend, sich zu so einem Zeitpunkt selbständig zu machen. Doch Viola Beuscher wollte sich selbst einen Arbeitsplatz schaffen, „ein eigenes Format, in dem ich funktionieren kann“. Es scheint zu klappen, sie wirkt zufrieden. Keramik ist für sie nicht bloß ein Notfallplan, sondern die Beschäftigung, die sie erfüllt.

Mit ihrer Keramik-Werkstatt, in der sie von einer Angestellten unterstützt wird, kann Beuscher mittlerweile ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Kurse sind für das ganze Jahr ausgebucht, und vor kurzem hat sie einen Großauftrag abgeschlossen: Für das Restaurant des neuen Frankfurter Hotels Lindenberg hat sie alle Keramiken angefertigt. Sie kann sich gut vorstellen, weiter zu expandieren. „Wenn wir am Ende hier mit vier oder fünf Leuten zusammenarbeiten, freue ich mich.“ Die letzte Fertigung soll aber auch künftig stets durch ihre Hände gehen, am Ende wird ihr Name in die Keramiken eingeprägt. Die Preise liegen zwischen 15 und 160 Euro. Beuscher verkauft nach Terminvereinbarung in ihrer Werkstatt oder auch in kleineren Läden. Gelegentlich verschickt sie Keramiken an Interessenten, die über Instagram anfragen. Und bald gibt es auch einen Onlineshop.

Quelle: F.A.Z. Magazin
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