Upcycling in der Mode

Hier kommt nichts weg

Von Jennifer Wiebking
12.10.2021
, 12:04
Der Amerikaner Daniel Roseberry nimmt sich bei Schiaparelli Levi’s-Jeans aus den Achtzigern vor und fertigt daraus diese neue Jacke.
Mode bedeutet Verbrauch von Ressourcen. Weil Konsumenten weiterhin nach Schönem streben, muss dafür eine Lösung her. Jeans aus den Achtzigern oder Steine von 2003: Upcycling macht die Mode grüner.

Die schlechte Nachricht: Mode und Umweltschutz schließen sich auch weiterhin aus. Mode bedeutet Verbrauch von Ressourcen. Beim Umweltschutz geht es um das Gegenteil. Da können sich Unternehmen ihre Klimabilanz mit positiven Zertifikaten und Nachhaltigkeitskollektionen noch so grün anstreichen. Den größten Gefallen täten wir uns, wenn wir die Onlineshop-Bestellungen bleiben ließen. Aber es ist auch klar, dass Konsum für gesellschaftlichen Wohlstand sorgt. Dass wir, die Konsumenten, weiterhin nach Schönem streben.

Die vielen selbsternannten Umweltaktivistinnen leben das schon heute in den sozialen Medien vor. Mit ihren Accounts sind sie in einer nicht gerade unansehnlichen Welt zu Hause. Eine Lösung für die Modeindustrie könnte deshalb lauten: Upcycling.

Die Taschen niemals waschen

Die Pariser Haute Couture, historisch zwar ohnehin denkbar weit entfernt von Umweltsünden, denn diese Stücke werden zu Pariser Löhnen in Pariser Betrieben gefertigt und häufig noch in Paris verkauft, zeigt es: Der Amerikaner Daniel Roseberry nimmt sich bei Schiaparelli Levi’s-Jeans aus den Achtzigern vor und fertigt daraus zum Beispiel diese neue Jacke. Pomellato legt zum ersten Mal eine Haute-Joaillerie- Kollektion aus schon bestehenden Stücken auf, aus Kreuzen von 1994, Steinen von 2003. Anhänger, Ohrringe – werden nun zu Colliers.

Hier kommt nichts weg. Oder immerhin weniger, darum bemühen sich auch die ersten Betriebe, die Mode von der Stange fertigen. Kenzo zum Beispiel, mit Re/Kenzo, T-Shirts, die Männern wie Frauen passen und aus bestehenden Stücken gefertigt sind. Iris von Arnim strickt mit Re Edition II Pullover ausschließlich aus Restgarnen. Und Louis Vuitton bedient sich für das Futter der Filz-Tasche an den Polyester-Restbeständen des eigenen Hauses.

Auch die Tasche von Longchamp ist aus recyceltem Polyester. Das Material ist nicht unumstritten, denn die Fasern sind kürzer und lösen sich in der Waschmaschine schnell. Bedeutet: Die Taschen niemals waschen! Und auch noch tragen, wenn das Material Bläschen schlägt und die Ecken leicht ausreißen. All die Nachhaltigkeitsbestrebungen zeigen: Auch wir können uns an unseren eigenen Beständen bedienen.

Quelle: F.A.Z. Magazin
Jennifer Wiebking - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jennifer Wiebking
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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