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Voller Kleiderschrank

Warum wir Kinderkleider besser mieten sollten

Von Kerstin Mitternacht
 - 12:09
Kinder brauchen viele Kleider. Mit den Jahren sammelt sich einiges an. Wer sie nur mietet, ist besser dran.

Hört man sich bei Eltern um, dann scheint es zu viel Kinderkleidung zu geben. Ständig wollen Eltern Bodys, Hosen und Schuhe loswerden. Sie verschenken die Kleidung an Neu-Mamas, die oftmals dankend abwinken, weil sich bei ihnen schon tütenweise gebrauchte Babykleidung im Kinderzimmer stapelt, die das Kind wahrscheinlich niemals komplett anziehen wird, oder sie versuchen, die Kleidung auf Ebay oder auf Flohmärkten loszuwerden, von denen sie oft mit ihren vollen Kleiderkisten wieder nach Hause kommen, weil sich die Kleiderberge an allen Ständen auftürmen. Es haben scheinbar alle mehr als genug.

Der Kauf ist natürlich auch verlockend. Bei den großen Modeketten findet sich niedliche Kinderkleidung für wenig Geld, die man schnell im Vorbeigehen kauft, auch wenn man sie nicht immer tatsächlich benötigt.

Dass kontinuierlich gekauft wird, zeigt auch der leichte Umsatzanstieg der letzten Jahre im Bereich Kinderbekleidung, wie der BTE Handelsverband Textil mitteilt. Hoffnungsvoll stimme unter anderem die positive Geburtenentwicklung. Die mittelfristigen Aussichten für die Nachfrage der Kinderbekleidung seien somit erfreulich.

Während ständig über Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und Klimaschutz gesprochen wird, scheint das in den Kinderzimmern nur wenige zu interessieren. Dort herrschen oft Konsum und Überfluss. Kinderkleidung wird allerdings bisher nur selten nachhaltig und unter fairen Bedingungen hergestellt. Aber gerade Babys und Kleinkinder, die Hosen und Röcke nur kurz tragen, brauchen nicht ständig das neueste Outfit im Schrank. Eine Alternative: Kinderkleidung mieten. Hier tummeln sich mittlerweile einige Anbieter auf dem Markt.

Gebrauchte Kleider, die nachhaltig sind, gibt es wenig

Stöbert man ein wenig im Netz, dann findet man unter anderem die Seite von „Räubersachen“: einer Plattform, auf der ökologische Kinderkleidung zum Mieten angeboten wird. Dahinter steckt Astrid Bredereck, die nach der Geburt ihres Sohnes nach gebrauchter ökologischer Kinderkleidung suchte: „Ich habe es auf Flohmärkten und Ebay versucht, aber es hat mich genervt. Oft waren Sachen kaputt, und es war sehr zeitaufwendig. Also habe ich kurzerhand eine Plattform gegründet, die das, was ich gesucht habe, anbietet: ökologische Kinderkleidung zum Mieten.“

Bredereck meldete ein Gewerbe an und baute nachts die Plattform auf – wenn ihr Sohn schlief. Ihr Ziel: Die Kleidung sollte so nachhaltig wie möglich sein und deshalb auch immer wieder repariert werden können. Bredereck sagt, ihre Seite sei in den letzten Jahren ohne Werbung und Kooperationen organisch gewachsen, einfach indem sich ihr Angebot bei den Kunden herumgesprochen habe.

Doch auch wenn es gut läuft, verdient Bredereck nicht viel mit „Räubersachen“, da sie einen sehr idealistischen Ansatz verfolgt: „Nach der Gründung 2015 ist ,Räubersachen‘ seit 2018 eine GmbH, die Sinn vor Gewinn stellt, und in der inzwischen 25-köpfigen Bande verdienen alle gleich viel.“ Es konnte erst kürzlich der Lohn für alle erhöht werden. Es laufe gut, aber reich werde man nicht.

Viel Handarbeit sei zudem nötig. „Wir sitzen in einer alten Dorfschule, in der alles untergebracht ist: Es gibt eine Wäscherei, die Kleidung wird zum Teil gebürstet und von Hand in Form gezogen, und dort wird auch repariert, Löcher werden gestopft und Flicken aufgenäht.“ Wie lange ein Kleidungsstück halte, hänge neben der Qualität natürlich auch vom Alter der Kinder ab und wie sehr etwa eine Hose beansprucht werde. „Bei Krabbelkindern muss häufiger ein Flicken aufgenäht werden als bei einem Säugling“, sagt Bredereck.

Etwa 45 Hersteller sind bei „Räubersachen“ vertreten, hauptsächlich aus Deutschland und Österreich, ein paar auch aus weiteren europäischen Ländern. Wichtig sei Nachhaltigkeit und dass keine Ausbeutung stattfinde. „Außerdem sollten die Hersteller unser Feedback annehmen und ihre Produkte besser machen und weiterentwickeln. Denn wir sehen, wie haltbar die Kleidung tatsächlich ist und wo es Schwachstellen gibt. Diese Infos geben wir weiter.“

Mieten und für vier Wochen behalten

Und wie funktioniert „Räubersachen“ für den Kunden? „Eltern können frei nach ihren Bedürfnissen ab einem Kleidungsstück mieten und es etwa vier Wochen behalten. Es müssen keine Boxen oder Mindestzahlen bestellen werden, die sie vielleicht überhaupt nicht benötigen.“ Wenn man einen Body oder Schuhe länger mieten will, ist das auch kein Problem: „Ist über den Mietpreis der Kaufpreis erreicht, kann man das Kleidungsstück auch behalten.“ Wichtig ist dem Unternehmen, dass nur bestellt wird, was auch gebraucht wird: „Kinder und Eltern sollen sich mit der Kleidung wohlfühlen, so als ob es die eigene ist. Sie darf ruhig dreckig werden oder kaputtgehen.“

Bei „Räubersachen“ zahlt man beispielsweise für einen Body 2,40 Euro im Monat – viele Kunden finden das fair und günstig. Bei einem besonders beliebten Kleidungsstück bei „Räubersachen“, dem Walkoverall für den Winter, kann sich das Mieten finanziell auch durchaus lohnen. Neu kostet der Overall je nach Hersteller ungefähr 80 Euro. Zu mieten gibt es ihn ab elf Euro im Monat. Die Preise setzen sich allerdings unterschiedlich zusammen: Es lassen sich auf der Plattform nicht nur die Kleidungsstücke auswählen, sondern auch deren Zustand, zum Beispiel, ob sie bereits repariert wurden. Diese Kleidung ist billiger als neue Ware und sehr beliebt, da sie mit viel Liebe repariert und also einzigartig ist, wie Bredereck berichtet. „Reparieren bedeutet für uns auch zu entschleunigen, denn Reparaturen und Handwäsche haben in unserer schnelllebigen Welt keinen Platz mehr“, so ihre Beobachtung. „Es wird eher weggeschmissen und neu gekauft.“

Die Kundenzusammensetzung sei sehr unterschiedlich. Deshalb soll es bald auch „soziale Preise“ geben: Einzelne Familien sollen dann für zwei Familien bezahlen können und so einer anderen Familie, die sich das Mieten nicht leisten kann, die Miete ermöglichen. „Räubersachen“ ist also auch ein großes soziales Experimentierfeld. Etwa 3000 aktive Kunden aus ganz Deutschland zählt die Seite. Es kann mittlerweile vorkommen, dass beliebte Artikel „ausgeräubert“, also derzeit nicht verfügbar sind, weil alle Teile unterwegs beim Kunden sind.

Für den Versand werden bereits gebrauchte Kartons genutzt. Ein Problem sei derzeit, dass Kunden die Pakete oft mit sehr viel Paketband aus Plastik verschließen, das schlecht für die Umwelt ist und einer Wiederverwertung der Kartons im Wege steht, da auf dem Plastik keine neuen Aufkleber halten. „Räubersachen“ macht darauf aufmerksam, etwa über Social Media, und zeigt Alternativen auf. Es geht darum, dass das Gesamtkonzept möglichst nachhaltig ist.

Laut des Handelsverbandes BTE wird im Bereich Kinderkleidung auch immer öfter auf Nachhaltigkeitsaspekte geachtet. Gerade bei Babys sollen die Produkte ohne Schadstoffe, aus ökologischen Materialien und unter sozialverträglichen Bedingungen produziert worden sein. „Räubersachen“ scheint den Bedarf erkannt zu haben.

Ein anderer Anbieter, der auf das Vermieten von Kinderkleidung setzt, ist „Kilenda“. Der Gründer Hendrik Scheuschner hat selbst noch keine Kinder, hat aber mitbekommen, wie sich Freunde über die Kleiderberge geärgert haben und selbst keine Lust auf das Verkaufen auf Kleiderbörsen hatten. Oft hätten sie einfach 100 Teile für 100 Euro auf Ebay gestellt oder die Kleider in die Altkleidersammlung gegeben. „Also dachten wir uns: Dann probieren wir das Vermieten von Kinderkleidung einfach mal aus.“ „Kilenda“ hat mehr als 10 000 Kunden aus ganz Deutschland und Österreich, aus der Stadt und vom Land, der Anteil an Akademikern mit gutem Einkommen ist hoch.

Scheuschner setzt nicht komplett auf Nachhaltigkeit, sondern hat etwa ein Drittel Bio- und Fair-Trade-Marken, ein weiteres Drittel konventionelle Kindermode und ein Drittel bekannte hochwertige Luxusmarken im Sortiment. Und es gibt ein Abo-Modell: Für 29,99 Euro im Monat gibt es eine Flatrate mit 7 Kleidungsstücken. Im Jahr kommt man auf 360 Euro. „So günstig kann man mit Sommer- und Winterjacken im Jahr nicht bei H&M einkaufen“, sagt Scheuschner. Es lassen sich aber auch einzelne Stücke mieten, etwa ausgefallene Kleider für Anlässe, die im Handel schon mal 150 Euro kosten können. Ein Drittel der Kunden nutzt mittlerweile das Abo, so der Gründer. Die Zusicherung, dass Kleider kaputtgehen können, ist im Preis schon inbegriffen. Die Teile schicken die Kunden zurück, und es wird geschaut, ob sie repariert werden können.

Hochwertige Kleidung wird repariert

Die Kleider werden im Schnitt zwischen zwei- und zehnmal vermietet. Hochwertige Kleidung wird repariert, wenn sie kaputt ist, andere Stücke werden an die Deutsche Kleiderstiftung gespendet oder gehen ins Textilrecycling. Auch bei „Kilenda“ wird auf Langlebigkeit und Haltbarkeit gesetzt, etwa beim Einkauf. „Es muss natürlich den Kunden gefallen und nachgefragt werden, aber wir haben zum Beispiel wenig Weißes im Sortiment, keine dünnen Jeans, die schnell am Knie durchgerieben sind, und keine T-Shirts mit Pailletten oder Glitzer, die schnell kaputtgehen“, sagt Scheuschner. Wenn ein Einzelteil besonders gut gefällt, können Kunden es mit Rabatt kaufen. Ansonsten gehen die Kleider nach etwa drei Monaten zurück an „Kilenda“. Wenn der Kunde ein Paket bekommt, kann er die Kleider, die doch nicht gefallen oder passen, mit der alten, getragenen Bestellung zurücksenden. So stehen keine Kartons in den Ecken, und es werden weniger Pakete verschickt.

Und wie nachhaltig ist das Hin- und Herschicken von Kleiderpaketen eigentlich? „Viele Leute wollen es nicht glauben, aber der Online-Handel ist selbst mit 100 Prozent Retourenquote umweltfreundlicher als ein Ladengeschäft. Da fast niemand zu Fuß ins Geschäft läuft, sondern meistens allein im Auto vorfährt, ist es schlicht günstiger, mit einem Transporter und 500 Paketen von Ort zu Ort zu fahren“, sagt Scheuschner. Darüber hinaus seien die Emissionen von Ladengeschäften durch Tag- und Nachtbeleuchtung oder Klimageräte viel höher als in einer simplen Lagerhalle. „Um die Klimabilanz unseres Mietmodells müssen wir uns keine Sorgen machen“, so sein Fazit.

Auch Tchibo bietet mittlerweile Kleidung und vieles mehr zum Mieten an. „Kilenda“ stellt Tchibo die Software und den Prozess zur Verfügung. Ein Modell mit Zukunft also? Besser, als ständig Kleidung neu zu kaufen und nach ein paar Wochen nicht mehr zu wissen, wohin damit, ist das Mieten bestimmt.

Quelle: F.A.S.
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