Tepoztlán liegt eine Autostunde südlich von Mexiko-Stadt.

Trip in die Nüchternheit

Tepoztlán liegt eine Autostunde südlich von Mexiko-Stadt.

Eine afrikanische Naturdroge verspricht den Weg zur dauerhaften Abstinenz. Junkies reisen in der Hoffnung auf Heilung nach Mexiko – dort ist das Mittel legal. Die Erfolge sollen verblüffend sein. Vielleicht auch bald im Rest der Welt?

28. April 2022
TEXT:
Airen
FOTOS: Alejandra Rajal

Im März 2021 begibt sich Alex* (Name geändert) auf eine geheime Mission. In Köln besteigt er einen Flieger nach Madrid, ein paar Tage ausspannen, so hat er es seiner Freundin erzählt. In der spanischen Hauptstadt bezieht er ein Hotelzimmer, mit Badewanne, darauf legt er Wert. Denn Alex will entziehen, heimlich, seine Familie soll nichts erfahren. Darf nicht wissen, dass er rückfällig geworden ist, wieder harte Opiate konsumiert, Morphin, Oxycodon und was der Schwarzmarkt sonst so hergibt. Den Konsum kann er verheimlichen. Den Entzug nicht.

Sechs Stunden nach der letzten Dosis tritt Alex der Schweiß aus den Poren. Seine Nase beginnt zu laufen, er bekommt Durchfall, fühlt sich elend. Immer wieder quetscht er sich in die winzige Badewanne, taucht die verkrampften Muskeln ins heiße Wasser. Nachts wälzt er sich nassgeschwitzt im Bett, tritt um sich, im Kopf nur die Drogen. Zwei Tage und zwei Nächte kämpft sich Alex durch die Hölle des Entzugs, dann gibt er auf. Er kennt die Viertel in Madrid, in denen es alles gibt, was er braucht, um wieder „gesund“ zu sein.

Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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