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Wie groß kann die Windkraft werden?

Von Anna-Lena Niemann
Aktualisiert am 20.08.2020
 - 21:01
Vorzeigeprojekt: der schwimmende Hywind- Windpark vor der schottischen Küste.
Allein mit allen denkbaren Offshore- Windkraftanlagen könnte man den elffachen Strombedarf der Welt decken. Die neueste Technik: Giganten, die im Meer schwimmen, kleine Generatoren ohne Rotorblätter – oder fliegende Anlagen.

Von einem neuen Seeungeheuer sollte man nicht leichtfertig sprechen, doch „SG 14-222 DD“ hat vielleicht eine Ausnahme verdient. Sie reißt keine Schiffe in den Abgrund, doch in Ausmaß, Kraft und der Tatsache, dass sie (bisher) nicht wirklich existiert, gibt es doch Parallelen. Sie ist der neueste Entwurf einer Offshore- Windkraftanlage, der die Fachpresse abwechselnd mit Superlativen und nüchternsten Zahlen beizukommen versucht. Siemens Gamesa will sie bauen, eine Anlage, deren Blattspitzen einen Kreis von 220 Meter Durchmesser beschreiben und dabei 14 Megawatt Leistung bringen sollen, womit 14 000 Haushalte mit Strom versorgt werden könnten. Mehr als alles, was im Moment möglich ist. Die Zukunft der Windkraft ist groß, denn „groß“ bedeutet: leistungsstärker, effizienter, wirtschaftlicher. Allerdings könnte die Akzeptanz für immer gigantischere Maschinen sinken, wo Leute in ihnen schon vorher Ungeheuer gesehen haben.

Wäre das Meer die Lösung? Wo der Wind stärker weht und Nachbarn weiter weg sind? Deutschland kommt schon jetzt mit den Anlagen in Nord- und Ostsee auf eine Leistung von rund 7600 Megawatt. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen es 2030 sogar 25 000 sein, was der Leistung von 17 Atomkraftwerken entspricht. Global betrachtet, trägt Offshore-Windkraft aber nur 0,3 Prozent zur Stromerzeugung bei. Unsere Küsten sind flach genug für Fundamente, Stative und Monopiles, bis zu 80 Prozent der weltweiten Küstengebiete sind es nicht. Dort sackt der Meeresgrund schnell 50 Meter und mehr ab. Genau das will sich Mareike Leimeister zunutze machen. Am Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme in Bremerhaven arbeiten sie und ihre Kollegen daran, dass Windräder das Gleiche tun wie wir, wenn die Zehenspitzen den Meeresgrund nicht mehr berühren: schwimmen.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
Autorenporträt / Niemann, Anna-Lena
Anna-Lena Niemann
Redakteurin in der Wirtschaft.
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