FAZ plus ArtikelHochsensible Menschen

Bringt unsere Gesellschaft immer mehr Borderliner hervor?

Von Elena Witzeck
Aktualisiert am 10.11.2020
 - 12:09
Außergewöhnlicher Drang nach Entgrenzung: Borderliner beneiden andere für ihr vermeintlich freieres Leben.
In unserer Welt zählen Leistung und Anpassungsbereitschaft. Etwas Besonderes soll man aber trotzdem sein. Da ein Gespür für die eigene Mitte zu bekommen ist auch schon für psychisch unauffällige Jugendliche kompliziert.

Sie haben sich gerade in der Bahn gesetzt, da springt der junge Mann auf. Er ist außer sich. Zum Abendessen waren sie bei Freunden. Aber nichts stimmte. Sie hat ihn missachtet, vor den anderen blamiert, war kalt und desinteressiert. Ihre Rechtfertigungen: fadenscheinig. Beim nächsten Halt stürmt er raus. Später schreibt er ihr: Wir passen einfach nicht zusammen. Du wirst mich nie verstehen. Er will nicht warten, bis sie es tut.

Tags darauf ist er noch wütend, aber bereit, sie zu treffen. Sie, die seine Kränkung nur erahnen kann, fühlt sich wie mit einem unglücklich verliebten Jugendlichen. Wann hat er diese panische Angst entwickelt, von ihr verlassen zu werden? Woher kommen die immer bedrohlicheren Gefühlsausbrüche und Vorwürfe, die sich mit Momenten extremer Hingabe abwechseln? Der Hang zum Exzess: Alkohol, opulente Mahlzeiten, Sex. Erst eine Therapeutin kann ihr erklären, was da passiert ist.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
Autorenporträt / Witzeck, Elena
Elena Witzeck
Redakteurin im Feuilleton.
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