FAZ plus ArtikelEpochenwechsel in der Kultur

Sind sie verrückt, diese Asiaten?

Von Mark Siemons
Aktualisiert am 07.05.2019
 - 16:27
Bester Laune: Die Schauspieler des Hollywood-Films „Crazy Rich“ im Januar in Los Angeles.
Ist die kulturelle Vorherrschaft des Westens zu Ende – und haben wir es nicht einmal bemerkt? Der Universalismus der westlichen Kulturindustrie stößt längst an seine Grenzen. Das zeigen die Reaktionen auf einen Film wie „Crazy Rich Asians“.

Gesetzt den Fall, die Vorherrschaft des Westens wäre tatsächlich an ihr Ende gelangt und die Zukunft gehörte Asien – wird dann die von Europa und Amerika ausgehende Populärkultur weiter die universell gültige bleiben, ein über aller Geopolitik schwebendes Weltbewusstsein, das diesen Epochenwechsel so ungerührt verarbeitet wie alle anderen Vorgänge zuvor? Der Strategieberater Parag Khanna aus Singapur würde daran zweifeln. In seinem in diesem Februar erschienenen Buch „The Future Is Asian“ (Simon & Schuster, New York) schreibt er: „Selbstzufriedene westliche Intellektuelle vermengen materielle Verhältnisse und Ideen, so als ob letztere weiter siegreich bleiben könnten, auch wenn sie erstere nicht länger bereitstellen. Aber Ideen wetteifern nicht in einem Vakuum miteinander, sondern nach Maßgabe ihres Einflusses auf die reale Welt.“

Eine Probe aufs Exempel machte im vergangenen Jahr die Hollywood-Produktion „Crazy Rich Asians“, eine romantische Komödie, die bei all ihrem forciert oberflächenbetonten Glamour den Anspruch erhob, den geopolitischen Perspektivwechsel von West nach Fernost selber zu vollziehen und dadurch zu demonstrieren, dass die durch Hollywood repräsentierte westliche Kulturindustrie in der Lage sei, alle Umbrüche zwischen den Kulturen und Systemen in sich einzuholen und zu übersteigen. Doch die sehr unterschiedliche Aufnahme des Films in den verschiedenen Teilen der Welt zeigte die Grenzen dieses Anspruchs auf. Die Rezeption gab ein Bild der divergierenden Erwartungshaltungen an die Globalisierung, das über die Absichten der amerikanischen Produzenten entschieden hinausging.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
Autorenporträt / Siemons, Mark
Mark Siemons
Feuilletonkorrespondent in Berlin.
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