FAZ plus ArtikelWie KI unser Leben verändert

Wovon träumen Algorithmen?

Von Kolja Reichert
Aktualisiert am 30.04.2019
 - 12:15
So schlecht sind Algorithmen im Erkennen dessen, was Menschen tun.Trotzdem werden sie von Unternehmen und Regierungen dafür eingesetzt.zur Bildergalerie
Die meisten Bilder, die es heute auf der Welt gibt, werden nicht mehr von Menschen gemacht und betrachtet – sondern von Maschinen. Was bedeutet das für uns, unser Verständnis und unsere Zukunft? Ein Interview mit dem Fotografen und Künstler Trevor Paglen.

Herr Paglen, von Ihnen waren zuletzt gruselige, zombiehafte Fotodrucke zu sehen, die nur noch entfernte Ähnlichkeit mit Menschen aufweisen. Wie sind die entstanden?

Ich gehe damit der Frage nach: Was bedeutet es, dass Computer jetzt Bilder anschauen? Die meisten Bilder, die es heute auf der Welt gibt, werden nicht mehr von Menschen gemacht und betrachtet, sondern von Maschinen. Im modernen westlichen Verständnis war ein Bild erst vollständig, wenn ein Mensch es betrachtete. Ein Bild, das niemand sah, existierte nicht. Das ist jetzt anders. Mir scheint, dass das tiefgreifende Konsequenzen für alles hat, von Bildtheorie über Kunst bis hin zu persönlichen Freiheiten.

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Trevor Paglen

Trevor Paglen wurde bekannt für Fotografien von Spionagesatelliten, Unterseekabeln und geheimen Militäreinrichtungen. Mit den Mitteln des Überwachungsstaates bringt er dessen unsichtbare Infrastruktur in den Blick und erfindet die Romantik für das Zeitalter digitaler Kontrolle neu. Im Dezember schoss er mit einem Satelliten eine Skulptur in die Erdumlaufbahn, um auf die Militarisierung des Weltraums hinzuweisen. Zurzeit erforscht der 1974 in Maryland geborene Künstler, wie Bilderkennungssoftware zur Durchleuchtung immer intimerer Lebensbereiche eingesetzt wird. Paglen hat mit Laura Poitras, Edward Snowden und der Musikerin Holly Herndon gearbeitet. Mit einem Team von Programmierern reist er zwischen den Museen und seinem Atelier in einem Kreuzberger Hinterhof hin und her.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
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