FAZ plus ArtikelHochgeschwindigkeitsverkehr

Warum fahren Chinas Züge allen davon?

Von Friederike Böge
16.11.2021
, 13:41
Der Stolz der Nation: Chinesische Gaoties warten in Nanjing auf ihre Überholung.
In fünfzehn Jahren hat China 38.000 Kilometer Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge gebaut, zwei Drittel des globalen Netzes. Die Züge sind schnell, pünktlich und billig. Die Regierung setzt ihre Pläne rigoros um.
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Neulich im Zug von Peking nach Wuhan: Die Geschwindigkeitsanzeige zeigt 309 Stundenkilometer, als eine ältere Frau ihren Sitznachbarn anspricht. „Als ich vor fünfzehn Jahren in Osaka war, habe ich über solche Zahlen noch gestaunt“, sagt sie. Der Fahrgast neben ihr nickt zufrieden. „So schnell hat sich unser Land entwickelt.“ Es gibt wohl nichts, was Chinas Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt so sehr symbolisiert wie der Gaotie, der chinesische ICE. Innerhalb von nur 15 Jahren hat das Land fast 38.000 Kilometer Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge gebaut. Das sind fast zwei Drittel des weltweiten Netzes. Der Gaotie gehört zu den schnellsten und pünktlichsten Bahnen der Welt. Zwischen Schanghai und Peking werden über weite Strecken 347 Kilometer pro Stunde erreicht.

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Wann immer das Land und die Kommunistische Partei sich selbst feiern, ist der Gaotie mit dabei. Beim Musical zur 100-Jahr-Feier der Kommunistischen Partei ebenso wie bei der Parade zum 70. Jahrestag der Staatsgründung und bei der alljährlichen Neujahrsgala im Staatsfernsehen. Leute wie Liang Jianying, die Chefingenieurin des Bahnherstellers CRRC Sifang, werden in China verehrt wie Astronauten. Für Interviews mit ausländischen Medien steht sie auf Nachfrage aber explizit nicht zur Verfügung. Staats- und Parteichef Xi Jinping prahlte kürzlich, die Hochgeschwindigkeitszüge seien eine „erfolgreiche Demonstration von Chinas unabhängiger Innovation“. Die Konkurrenz in Deutschland, Frankreich und Japan würde das wohl anders formulieren. Doch der Erfolg der chinesischen Bahn ist schwer zu bestreiten. Wie hat China das geschafft?

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
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