FAZ plus ArtikelWirtschaftsweise im Interview

Folgt auf die Corona-Krise ein grüner Systemwechsel?

Von Rainer Schmidt
Aktualisiert am 18.06.2020
 - 13:20
„Wir sind in der Forschung ausgezeichnet, aber nicht in der Produktumsetzung“: Wirtschaftsweise Veronika Grimm.
Corona beschert uns wichtige Erkenntnisse über Abhängigkeiten von Silicon-Valley-Firmen – und die Brüchigkeit von gesellschaftlichem Konsens. Ein Gespräch mit der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm darüber, wo man jetzt investieren und die Weichen für die Zukunft stellen muss.

Veronika Grimm lehrt Volkswirtschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und gehört seit April dem „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ an. Mit ihr und Monika Schnitzer sind erstmals seit Bestehen der sogenannten Wirtschaftsweisen, die für die Bundesregierung und die Öffentlichkeit die ökonomische Lage einschätzen, zwei Frauen in dem fünfköpfigen Gremium. Die Energieexpertin erwartet eine schwere Rezession als Folge der Corona-Krise und beklagt eine Diskussionskultur in der Öffentlichkeit, in der man „schnell an den Pranger gestellt“ werde, wenn man Wege zu einer „neuen Normalität“ aufzeigen wolle. Sie plädiert für entschlossene Investitionen und Anreize für zukunftsweisende Bereiche wie Digitalisierung, emissionsneutrale Wirtschaft und Bildung. Große Impulse würde sie von einer deutlichen Senkung der Strompreise erwarten. Damit könne man Wirtschaft und Haushalte entlasten und zugleich umweltfreundlichere Technologien fördern.

Früher gab es, ökonomisch betrachtet, nach Seuchen, Kriegen und Katastrophen „Gewinner“: Weil an der Pest so viele Menschen starben, stiegen die Löhne, der Faktor Arbeit war knapp geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg boomte die Industrie, weil es so viel aufzubauen gab. Gibt es auch jetzt Gewinner?

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Quarterly
Autorenporträt / Schmidt, Rainer
Rainer Schmidt
Verantwortlicher Redakteur Frankfurter Allgemeine Quarterly.
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