„Black Widow“-Stars im Interview

„Die Blicke im Film sind Zeichen unserer echten Freundschaft“

Von Patrick Heidmann
09.07.2021
, 11:48
Waren am Set selten so ernst: Scarlett Johansson und Florence Pugh in „Black Widow“
Als Scarlett Johansson vor mehr als zehn Jahren das erste Mal die Killerin „Black Widow“ spielte, war Florence Pugh gerade mal 14 Jahre alt. Im Interview erzählen die Schauspielerinnen von Actionszenen, gemeinsamen Humor und welchen Ratschlag Pugh von „Black Widow“ bekam.

Frau Johansson, Sie haben die Black Widow vor mehr als zehn Jahren das erste Mal verkörpert. Spielt sich so eine Rolle nach mehreren Filmen praktisch im Schlaf?

Johansson: Nein, das würde ich nicht sagen. Und darauf hätte ich auch keine Lust. Ich suche ja die Herausforderungen und das Neue, deswegen versuche ich selbst in einem Fall wie diesem, dass die Rolle irgendwie frisch bleibt. Und sei es auch nur, indem ich die physischen Aspekte jeder Szene in den Blick nehme, herunterbreche und mir überlege, was ich vielleicht mal anders machen könnte. Einfach nur abspulen, was ich ohnehin schon mehrmals gemacht habe, würde ich sehr trostlos finden.

„Black Widow“ ist nun jedenfalls Ihr voraussichtlich letzter Auftritt im Universum der Marvel-Filme. Ist der Film der Abschied, den Sie sich gewünscht haben?

Johansson: Man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist – und diesen Film zu drehen, das war auf jeden Fall eine sehr schöne Erfahrung. Ich bin wirklich stolz auf „Black Widow“ und vor allem sehr zufrieden damit, wie mein gemeinsamer Weg mit Natasha Romanoff nun an diesem Höhepunkt angekommen ist. Nicht zuletzt nun dank dieses Films habe ich mit der Figur alles erreicht, was ich mir erträumt und erhofft hatte. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl. Sollte das nun also wirklich das allerletzte Mal gewesen sein, dass ich Natasha gespielt habe, dann wäre ich sehr glücklich damit, dass dies die Abschiedsvorstellung war.

Im Film wird nun recht unverblümt auch schon die Nachfolgerin etabliert. Konnten Sie Ihre Kollegin Florence Pugh darauf vorbereiten, was Sie erwartet?

Johansson: Florence hat so viel auf dem Kasten, dass ich da eigentlich nicht den Eindruck hatte, groß Hilfestellung geben zu müssen. Ich habe ihr höchstens den einen oder anderen Tipp mit Blick auf die Actionszenen gegeben.

Nämlich welchen?

Johansson: Etwas, dass mir wiederum Samuel L. Jackson verraten hat. Leider nicht gleich bei meinem ersten Marvel-Film, denn das hätte mir einiges an Erschöpfung erspart. Als ich anfing als Black Widow habe ich mich mit Haut und Haar den Actionszenen und Kampfchoreografien verschrieben. Das war der Aspekt an der Rolle, vor dem ich am meisten Respekt hatte, weil ich damit nicht vertraut war – und so habe ich mich ganz darauf konzentriert. Und nun sage ich auch nicht, dass man sich darauf gar nicht vorbereiten sollte. Aber viel wichtiger ist es, mit seiner Energie ein wenig hauszuhalten. Und viel entscheidender als die Frage, ob man irgendeinen Sprung oder ähnliches richtig hinbekommt, ist die Emotionalität jeder Szene. Das ist es, was die Figur am Ende fürs Publikum überzeugend macht, nicht irgendein Stunt. Damit powert man sich im Zweifelsfall zu sehr aus – und hat dann keine Kraft mehr für die eigentliche Performance.

Haben Sie das denn auf Anhieb beherzigt, Frau Pugh?

Pugh: Ich erinnere mich noch an meinen zweiten Tag am Set. Da wollte das Stunt-Team, dass ich einen bestimmten Sprung durch die Luft mache, mit einem Messer in der Hand, und mich dann abrolle. Die eine Hälfte meines Gehirns sagte mir: Was mache ich hier? Das ist doch völlig absurd! Und die andere trieb mich dazu, unbedingt die Stunt-Leute beeindrucken zu wollen, die ich so cool fand. Aber egal wie oft ich es versuchte: Die Rolle am Ende bekam ich einfach nicht hin.

Johansson: Diesen Frust habe ich natürlich mitbekommen – und das war der Moment, an dem ich Dir den besagten Ratschlag mitgab.

Pugh: Genau. „Süße, Du kannst Dich doch nicht so sehr über eine verpatzte Rolle ärgern“ – das waren genau Deine Worte. Nach Dir kommt eh' die Stuntfrau und dreht das gleiche auch noch, und auf der Leinwand wird man am Ende keinen Unterschied sehen. Daran erinnert zu werden, dass es für mich als Schauspielerin Wichtigeres gibt als dieser Bruchteil eines Stunts, das war echt hilfreich. Denn dafür wurde ich ja nicht engagiert. Und wenn dir Black Widow persönlich sagt, dass du dir nicht den Kopf zerbrechen darfst darüber, wie die Landung eines Sprungs gelingt, dann schreibst du dir das hinter die Ohren!

Aber jetzt mal jenseits der körperlichen Anforderungen: Haben Sie es sich leicht gemacht, Teil des Marvel-Universums zu werden?

Pugh: Nein, ich habe durchaus gezögert. Sich auf ein solches Projekt einzulassen, flößt schon Respekt ein. Mir war klar, dass man für Marvel nicht nur einen Film dreht und dann hat sich die Sache erledigt. Das musste mir auch keiner sagen, sondern mit diesem Wissen ist meine Generation aufgewachsen. Scarlett ist dafür ja das beste Beispiel. Als sie das erste Mal die Black Widow spielte, war ich gerade einmal 14 Jahre alt.

Die Dynamik zwischen Ihren beiden Figuren ist es, die in „Black Widow“ besonders viel Spaß macht. Wie sehr übertrug die sich auch auf die Zusammenarbeit?

Pugh: Im Film haben wir ja quasi ein Schwesternverhältnis, das von viel Frotzelei und Sticheln geprägt ist. Und irgendwie haben Scarlett und ich das schon von der ersten Probe an übernommen. Gleich am ersten Tag mussten wir so vertrauensbildende Übungen machen, bei denen ich sie in einer Tour aufzog. Und sie ließ sich nicht lange bitten, das Gleiche mit mir zu machen. Da habe ich sofort gemerkt: Das passt zwischen uns, der Humor stimmte. Die Blicke, die wir uns im Film zu werfen, und die Momente, in denen wir uns übereinander lustig machen – die sind alle auch ein Zeichen unserer echten Freundschaft.

Johansson: Ich freue mich darüber vor allem, weil das ursprünglich ganz anders geplant war. Die Arbeit an dem Film hat ja ein paar Jahre gedauert, und ursprünglich waren die beiden Figuren einfach nur schnöde Rivalinnen. Was mir nie gefiel, weil da immer so ärgerliche und überholte Klischees über Frauen mit hineinspielten. Unter anderem deswegen war es mir so wichtig, eine Regisseurin wie Cate Shortland für den Film zu gewinnen, die in ihren bisherigen Filmen immer ganz besondere, komplexe Frauenfiguren gezeigt hat. Als sie mit an Bord kam, haben wir nochmal alles überarbeitet und nicht zuletzt das Verhältnis dieser zwei Figuren wurde ein komplett anderes. Und als dann auch noch Florence für die Rolle ausgewählt wurde und zwischen uns sofort die Chemie stimmte, war einfach klar, dass wir hier etwas ganz besonderes haben.

Das Angebot, sich auch von Scarlett Johanssons Privatkoch bekochen zu lassen, haben Sie allerdings während der Dreharbeiten abgelehnt, nicht wahr?

Pugh: Stimmt, aber nicht, weil sie einen schlechten Koch hatte. Ich koche einfach wahnsinnig gerne selbst, wie Sie auch auf meinem Instagram-Kanal sehen können. Und gerade bei einem Film, der mir körperlich so viel abverlangt, will ich einfach auf meinen Energiehaushalt achten – und dazu gehört auch, was ich esse. Und wann ich esse. Deswegen habe ich mir immer gerne jeden Morgen etwas Gesundes zubereitet und in einer Tupperschüssel stets dabei gehabt. Das war mein kleines tägliches Ritual, und weil ich eben so gerne koche, bin ich so gleich mit guter Laune in den Tag gestartet. Selbst wenn ich nur einen kleinen, knackigen Salat gemacht habe.

Quelle: FAZ.NET
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