Jamie Dornan im Interview

„Die Rolle hat alles in meiner Karriere verändert“

Von Patrick Heidmann
18.08.2022
, 14:24
Schläft schlecht ein: Jamie Dornan
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Jamie Dornan wurde mit der Hauptrolle in „Fifty Shades of Grey“ berühmt. Im Interview erzählt er, wie er seine Familie mit zum Dreh der neuen Serie „The Tourist“ nach Australien nahm und was er gegen seine Schlafstörung tut.
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Geboren am 1. Mai 1982 im nordirischen Städtchen Holywood bei Belfast, kam Jamie Dornan erst über Umwege zur ähnlich klingenden Traumfabrik in Los Angeles. Seine Karriere begann er als Model, später ging er mit seiner Band im Vorprogramm von KT Tunstall auf Tour und übernahm erste kleine Rollen in „Marie Antoinette“ und der Serie „Once Upon a Time“. Nach dem Durchbruch mit „The Fall“ spielte er die männliche Hauptrolle in der „Fifty Shades of Grey“-Trilogie, die weltweit die Massen in die Kinos lockte, aber von der Kritik verrissen wurde. Seither konzentriert sich Dornan, der inzwischen mit seiner Ehefrau und ehemaligen Kollegin Amelia Warner drei Töchter hat, wieder auf kleinere Produktionen wie „Synchronic“ oder „Der Duft von wildem Thymian“. Nach seiner Rolle als Familienoberhaupt in Kenneth Branaghs gefeiertem „Belfast“ ist er nun in der sechsteiligen Serie „The Tourist“ zu sehen, die ab dem 22. August im ZDF läuft (bereits jetzt in der Mediathek). Wir erwischten ihn für ein Videotelefonat in einem Hotelzimmer in Portugal, wo er jüngst für den Spionagefilm „Heart of Stone“ mit Gal Gadot und Matthias Schweighöfer vor der Kamera stand.

Herr Dornan, Ihre neue Serie „The Tourist“ spielt im australischen Outback. Hat Sie die Vorstellung nicht abgeschreckt, für die Dreharbeiten mal eben Ihren Lebensmittelpunkt ans andere Ende der Welt zu verlegen?

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Ich fand diese Vorstellung ehrlich gesagt recht ansprechend, denn wir drehten die Serie, als zu Hause in Großbritannien die Corona-Einschränkungen noch auf dem Höhepunkt waren. Und in dem Teil von Australien gab es zur gleichen Zeit keinen einzigen Covid-Fall. Natürlich hieß das, dass ich vor Ort mit meiner Frau und den Kindern erst einmal ins Quarantäne-Hotelzimmer musste, was ganz schön anstrengend war. Aber dafür hatte ich danach nicht nur einen tollen Job, sondern wir konnten einige Monate ganz ohne jegliche Einschränkungen leben. Erst in den letzten Wochen änderte sich das, all dann doch wieder ein paar Ansteckungen in der Region erfolgt waren. Für die Kids war’s natürlich schwierig, plötzlich in Adelaide in die Schule gehen zu müssen. Aber besser als das Homeschooling am Laptop wie in England war das allemal.

Ihre Töchter sind jetzt drei, fünf und acht Jahre alt, und Sie betonen häufig, wie wichtig es für Sie ist, die Familie bei der Arbeit dabeizuhaben. Haben Sie schon Jobs abgesagt, weil das zu kompliziert wurde?

Selbstverständlich. Aber meine Frau und ich haben da auch keine grundsätzlichen Regeln, sondern besprechen die Lage von Fall zu Fall neu. Bislang ist es uns eigentlich immer gelungen, dass mich alle zu Dreharbeiten begleiten, zumindest für einen Großteil der Zeit. Solange die Mädchen noch recht jung waren, ließ sich das oft ganz gut machen. Doch so langsam wird das mit der Schule definitiv schwieriger, weswegen ich auf absehbare Zeit versuchen werde, überwiegend in Großbritannien oder zumindest Europa zu drehen. Mein nächster Film entsteht komplett in London, da kann ich jeden Abend nach Hause kommen. Der danach vermutlich auch. Würde man mir „The Tourist“ und fünf Monate in Australien heute anbieten, würde ich die Rolle vermutlich nicht annehmen. Dass ich mir das erlauben konnte, ist natürlich ein großer Luxus.

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© KrimiKollegen

Und liegt auch daran, dass Ihre Ehefrau Amelia Warner als Filmkomponistin praktisch von überall aus arbeiten kann…

Definitiv, das ist ein entscheidender Faktor. Mehr als ein Keyboard und einen Laptop braucht sie nicht. Wobei auch sie demnächst einen neuen großen Auftrag hat, für den es nicht schadet, in London zu sein, wo all die Musiker sind, mit denen sie arbeitet. Es ist also für unser beider Karrieren in der nahen Zukunft von Vorteil, wenn wir jetzt eine Weile zu Hause bleiben.

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Können Sie sich denn überhaupt auf Familienalltag konzentrieren, während Sie eine psychologisch womöglich anspruchsvolle Rolle spielen?

Wie man seine Rolle abends wieder ablegt, habe ich bei der Serie „The Fall“ gelernt, in der ich einen Serienmörder spielte. So etwas kann man nicht mit sich herumtragen, und tatsächlich habe ich bei fast allen großen Kolleginnen und Kollegen erlebt, dass sie spätestens abends im Restaurant wieder ganz sie selbst und nicht mehr in der Rolle waren. Und ganz ehrlich: Die Kinder würden mir dazu auch kaum eine Chance lassen. Wenn ich durch die Tür komme, dann bin ich Papa, und dann geht’s um Themen wie Abendbrot, Händewaschen oder das Bad vorm Schlafen. Was ich tagsüber gemacht habe, darf dann keine Rolle mehr spielen.

Lassen Sie uns noch mal kurz zu „The Tourist“ zurückkehren, einer sicherlich nicht alltäglichen Serie. Wie schnell wurde Ihnen beim Lesen der Drehbücher klar, dass es sich bei diesem Projekt um etwas Besonderes handelt?

Ich habe in der Vergangenheit schon häufiger über ein Skript gesagt, dass ich so etwas noch nie gelesen habe – und manchmal war das gelogen. Aber im Fall von „The Tourist“ war es wirklich so. Dabei war die Staffel noch gar nicht zu Ende geschrieben, als ich zusagte. Ich fand die Geschichte komplett irre, echt umwerfend und voller Überraschungen, vieles habe ich auf Anhieb gar nicht verstanden. Außerdem musste ich ständig lachen, obwohl es ja keine Komödie ist. Ich brauchte einen Moment, um mich an diesen Tonfall und Humor zu gewöhnen. Doch dann war ich der Geschichte hoffnungslos verfallen und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Was eben nicht ging, weil die letzten drei der sechs Folgen noch nicht fertig geschrieben waren. War hart, aber ich war in dieser Hinsicht erprobt, bei der Serie „The Fall“ war es damals genauso.

Man könnte vermutlich sagen, dass diese Thrillerserie 2013 für Ihren Durchbruch verantwortlich war, oder?

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Das ist keine Untertreibung. Die Rolle hat damals alles in meiner Karriere verändert. Man könnte auch sagen, dass sie damit überhaupt erst so richtig begann. Nicht dass ich jetzt die Sachen schlechtreden will, die ich davor gedreht habe, aber das waren alles wirklich kleine Rollen. „The Fall“ war meine erste Hauptrolle in einem richtig phantastischen Projekt, das gefeiert wurde und erfolgreich war. Das war der Wendepunkt, und die zehn Jahre seither waren komplett anders als die zehn Jahre davor.

Aktuell läuft’s besonders gut bei Ihnen, außer in „The Tourist“ waren Sie zuletzt im Oscar-Gewinner „Belfast“ sowie in der bereits als Kult gefeierten Komödie „Barb & Star Go to Vista Del Mar“ zu sehen. Haben diese drei höchst unterschiedlichen Rollen eigentlich irgendetwas gemeinsam?

Tolle Figuren, phantastische Mitwirkende und ganz neue Herausforderungen. Und wenn ich etwas suche, dann ist es wirklich immer eine Herausforderung. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich zuvor nacheinander drei Sachen gedreht habe, die so verschieden waren, aber auch so unglaublich viel Spaß gemacht haben. Und vor allem so gute Kritiken bekamen. Denn es ist ja kein Geheimnis, dass ich auch ein paar Sachen gedreht habe, die nicht so richtig gut wegkamen (lacht). Doch zuletzt war ich echt ein kleiner Glückspilz.

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Was war denn die große Herausforderung bei „Barb & Star“? Die Musical-Nummer samt Möwe am Strand? Oder ganz einfach die Tatsache, dass Sie es da mit einer waschechten Komödie zu tun hatten?

Also mit dem Witzigsein habe ich eigentlich kein Problem. Ich zumindest finde mich ziemlich witzig (lacht). Und die meisten, die mich kennen, würden wohl unterschreiben, dass ich eher albern als ernst bin. Deswegen war ich hier eigentlich voll in meinem Element, auch wenn ich in solchen Rollen eher selten besetzt werde. Ein wenig nervös war ich, als ich Kristen Wiig und Annie Mumolo kennen lernte, die Hauptdarstellerinnen und Drehbuchautorinnen. Aber wir konnten gar nicht aufhören, zusammen zu lachen, deswegen war es ein Leichtes, mich mit Leib und Seele in die Albernheit der Rolle zu stürzen.

Apropos albern: Was bitte verbirgt sich hinter dem Podcast „Sleep Sounds with Jamie Dornan“?

Oh, das ist ehrlich gesagt nicht als Gag gemeint (lacht). Das Projekt entstand, weil ich selbst jemand bin, dem es schwerfällt, nachts abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Selbst wenn ich zwei Stunden vorm Ins-Bett-Gehen mein Telefon ausschalte, liege ich oft noch ewig wach und kann nicht schlafen. Also suche ich immer nach Sachen, die mir in dieser Situation helfen – und dieses Schlafgeräusch-Projekt ist da echt effektiv und richtig therapeutisch. Für meine eigene Version saß ich einen Tag im Tonstudio und sprach über weit entferne Orte auf der Welt, über einen mexikanischen Strand oder einen Wüstensturm, solche Dinge. Und nach allem, was ich höre, hat meine Stimme in diesen Aufnahmen tatsächlich einschläfernde Wirkung.

Quelle: FAZ.NET
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