Touristen kommen nicht

Schlechte Zeiten für die Kuckucksuhr

Von Rüdiger Soldt
26.10.2021
, 17:25
Schonach im Schwarzwald: Modern gestaltete Kuckucksuhren hängen im Verkaufsraum der Firma Rombach & Haas.
In der Pandemie kamen weniger internationale Touristen in den Schwarzwald, um die begehrten – und teuren – Kuckucksuhren zu kaufen. Doch ob sich der Umsatz so dramatisch verschlechtert hat, wie Statistiken behaupten, kann bezweifelt werden.
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Wer im Schwarzwald Urlaub macht und sich in Triberg oder in Schonach eine Original-Kuckucksuhr aussucht, kann viel Geld ausgeben. 4000 Euro sind für eine traditionelle Uhr mit dem seit Jahrzehnten gültigen Gütesiegel „Original Black Forest Cuckoo-Clock“ gar keine Seltenheit. Die Teile dieser Uhren müssen im Schwarzwald produziert sein, die Uhr muss in einer der verbliebenen acht Manufakturen hergestellt worden sein, ein mechanisches Uhrwerk und für den Kuckuck sogar einen mechanischen Blasebalg haben. Zwischen 1880 und 1900, der Hochzeit der Kuckucksuhr, gab es 5000 kleine Fabriken und Manufakturen für Kuckucksuhren. Manche Kuckucksuhren sind mit Blattgold oder Swarovski-Kristallen verziert und kosten so viel wie ein Kleinwagen.

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Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der verkauften Uhren seit 2020 stark zurückgegangen. Das Statistische Bundesamt hat herausgefunden, dass die Hersteller im Schwarzwald 2019 noch 43.600 dieser feinmechanischen Wunderwerke produzierten, im Jahr darauf seien es nicht mal halb so viele gewesen. Bei den Herstellern in den schmalen Schwarzwaldtälern und auch bei der Schwarzwald Tourismus GmbH in Freiburg ist man allerdings skeptisch, was diese Berechnungen angeht.

„Ich kann die Zahlen nicht bestätigen, wir sind auch nicht gefragt worden. Natürlich ist der Trend da und das Kulturgut Schwarzwalduhr bedroht“, sagt Andreas Kreyer von der Firma Rombach & Haas in Schonach, einem Hersteller, der sich auf Kuckucks­uhren mit modernem Design zu Preisen zwischen 200 und 5000 Euro spezialisiert hat. Wolfgang Weiler vom Schwarzwald-Tourismus-Verein sagt: „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes können wir nicht bestätigen, weil wir die Anzahl der Verkaufsstellen nicht kennen, die in die Statistik eingeflossen sind. Außerdem werden Schwarzwalduhren nicht nur im Schwarzwald verkauft.“

Was niemand bestreitet, ist die durch die Pandemie verursachte Krise des ausländischen Tourismus. Aus den Arabischen Emiraten, China und Israel kamen im vergangenen Jahr 93 Prozent weniger Be­sucher in den Schwarzwald, die Zahl der Touristen aus den Vereinigten Staaten sank um 85 Prozent. Exportieren konnten die Firmen auch nicht. In China ist es bis heute nicht gelungen, Vertriebsstrukturen aufzubauen, weil die Uhren Service benötigen.

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Wegen der Pandemie kamen allerdings wieder mehr Deutsche. Davon profitierten vor allem die Hersteller, die moderne Kuckucksuhren herstellen, denn die sind in Deutschland am beliebtesten. Bei diesem Uhrentyp, etwa im Bauhausstil oder mit neonfarbenem Ziffernblatt, brachen die Umsätze nur leicht ein.

„Im Souvenirgeschäft ist es ja so, dass der Bustourist etwa für 50 Euro etwas mitnehmen soll und der Porsche-Tourist etwas, was deutlich teurer ist“, sagt Kreyer. Deshalb verkaufen einige Geschäfte auch Kuckucksuhr-Ramschware mit Quarzuhrwerk und Kunststoff-Kuckuck, die aus China importiert werden. Diese Billiguhren haben die Statistiker in Wiesbaden ohnehin nicht erfasst.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Soldt, Rüdiger
Rüdiger Soldt
Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.
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