FAZ plus ArtikelStars als Vorbilder

Die Revolution der Männlichkeit

Von Johanna Dürrholz
07.06.2021
, 08:11
Nehmt das doch alle nicht zu ernst: Måneskin-Sänger Damiano David beim ESC vor zwei Wochen.
Stars wie Harry Styles, Måneskin oder Billy Porter machen es vor: Die Männermode erfährt gerade eine Revolution. Das ist gut – für uns alle.
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Es gibt ein wunderschönes Bild von Damiano David, dem Sänger der italienischen Band Måneskin, die gerade den Eurovision Song Contest gewonnen hat: David sitzt bei der ESC-Pressekonferenz am Mikro, hinter ihm die Eurovision-Wand mit den kleinen ESC-Zeichen drauf, vor ihm das Mikro. Er trägt, wie eigentlich immer, eddingschwarzen Kajal, am Oberkörper nichts als seine Tätowierungen, in der Hand eine Flasche Champagner und streckt ein ebenfalls nacktes, haariges Männerbein nach oben, dessen zugehöriger Fuß in hochhackigen Plateaustiefeln steckt. „Don’t take it too seriously“, schreibt David dazu. Mal abgesehen davon, dass sich die herrliche Aufnahme hervorragend für Memes jeglicher Art eignet und gleich viral ging, steht sie genau für die Schönheit dieser Band: Klar können Männer sich schminken, hohe Schuhe tragen, hübsch sein. Und: Zu ernst muss man das trotzdem alles nicht nehmen.

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Tun aber natürlich trotzdem viele. Männer wie Damiano David eignen sich nicht nur hervorragend als Vorbilder in Sachen aufgelöste Geschlechterrollen, die es beim ESC übrigens zuhauf gab und gibt, man denke nur an die Gewinnerin von 2014, Conchita Wurst, die mit langen Haaren, Wimpern, Abendkleid und beinahe komplementär erscheinendem Vollbart gewann. Sie eignen sich offenkundig auch als Projektionsflächen für all jene, die mit dem Gender Trouble der letzten Jahre wenig anfangen können. Die vielleicht genervt davon sind, dass vormalig Eindeutiges zweideutig geworden ist, oder die verunsichert sind und Angst haben vor tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderung. Dann gibt es natürlich auch solche, die einfach voller Hass sind, die ein Unvermögen aufweisen, anderes als heteronormativ Binäres zu tolerieren, die homophob sind, transphob, frauenfeindlich. Auch ihr Hass entlädt sich auf Künstler wie Damiano David und seine Bandkollegen von Måneskin.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Duerrholz, Johanna
Johanna Dürrholz
Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin
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