Nguyen-Kim im Fragebogen

„Für mich grenzt Lottospielen schon an Aberglaube“

Von Peter-Philipp Schmitt
18.12.2021
, 19:01
Die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim: Ihr aktuelles Buch „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ (Droemer Knaur) ist für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert.
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Sie wurde mit ihrem Youtube-Kanal „maiLab“ bekannt: Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim verrät im Stil-Fragebogen, warum ihr Beruf früher ein Gesprächskiller war und warum sie hofft, ihrer Tochter ein fehlendes Enzym vererbt zu haben.
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Mit ihr macht Chemie Spaß. Die promovierte Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, 1987 in Heppenheim an der Bergstraße geboren, wurde durch ihren Youtube-Kanal „maiLab“ (1,36 Millionen Abonnenten) bekannt. Ihr Video „Corona ist noch lange nicht vorbei“ im April 2020 war das am häufigsten geklickte deutsche Youtube-Video des Jahres. Im Oktober war die Wissenschaftsjournalistin im „Terra X“-Dreiteiler „Wunderwelt Chemie“ beim ZDF zu sehen, der auch in der Mediathek zu finden ist. Auf ZDFneo läuft ihre eigene Wissenschaftssendung „MAITHINK X – Die Show“. Ihr aktuelles Buch „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ (Droemer Knaur) ist für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert.

Was essen Sie zum Frühstück?

Meistens trinke ich nur einen Kaffee. Ich gehe meist spät ins Bett und stehe spät auf, das schlägt sich auch auf meinen Hunger nieder.

Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

An zu vielen Orten. Am liebsten aber in kleineren Boutiquen, in denen es ausgefallenere Stück gibt. Wenn ich etwas Spezielles brauche, etwa einen Pulli mit einem Skelett drauf, weil ich eine Sendung über Marie Curie mache, bestelle ich das allerdings schon online.

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Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

Mein Abi-Pulli. Da steht „BIZness-Class 2006“ drauf, unser Abi-Motto. Meine Schule, das Bergstraßen Gymnasium in Hemsbach, hieß damals noch Bildungszentrum, kurz BIZ.

Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

Das ist lange her. Das war wahrscheinlich eine Art Liebesbrief an meinen Mann, der damals noch mein Freund war. Es ist also wahrscheinlich zwölf Jahre her.

© Youtube

Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?

Die Lehrbücher über Quantenmechanik in meinem Studium. Die haben mein Gehirn zum Explodieren gebracht. Chemie ist für mich ein Schlüssel zu einer unsichtbaren Welt, der Welt der Moleküle, die wir nicht sehen können und in der sich viel Wundersames abspielt. Quantenmechanik, ein Teilgebiet der Chemie, geht noch tiefer. Sie schaut nicht auf Atome, sondern Elementarteilchen, die so klein sind, dass die Gesetze der klassischen Physik nicht zutreffen. Ein Elektron ist zum Beispiel an mehreren Orten gleichzeitig. Das muss man akzeptieren und Dinge lernen, die man sich nicht vorstellen kann.

Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

Über viele Kanäle: Ich habe Zeitungen auf Papier und digital abonniert, über Twitter und Youtube, in Mediatheken. Das Problem ist, dass jeder heute Informationen in die Welt blasen kann. Um so wichtiger ist darum redaktionelles Arbeiten. Und Kompetenz hat ihren Preis.

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Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

Menschen, die mich nicht gut kennen, interessieren sich heute für meinen Beruf. Lustigerweise war das früher der totale Gesprächskiller: Wenn ich gesagt habe, ich bin Chemikerin, sah ich Panik in den Augen. Die Leute befürchteten, ich erkläre ihnen die Quantenmechanik.

Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

Seit ich Mutter bin, komme ich nicht mehr dazu, Filme zu schauen. Der letzte, bei dem ich geweint habe, war der Animationsfilm „Coco – Lebendiger als das Leben!“ Da lag ich im Wochenbett.

Wurde inzwischen mehrmals ausgezeichnet: Mai Thi Nguyen-Kim bei der Verleihung des Grimme-Preises 2021
Wurde inzwischen mehrmals ausgezeichnet: Mai Thi Nguyen-Kim bei der Verleihung des Grimme-Preises 2021 Bild: dpa

Sind Sie abergläubisch?

Ich bin so wenig abergläubisch, wie man es nur sein kann. Und für mich grenzt Lottospielen schon an Aberglaube.

Worüber können Sie lachen?

Am liebsten würde ich sagen: über alles. Humor ist für mich auch eine Möglichkeit, mit Schicksalsschlägen umzugehen, sie erträglicher zu machen.

Ihre Lieblingsvornamen?

Der Name meiner Tochter, den ich hier nicht verrate. Ich mag inzwischen aber auch meine Vornamen, Mai und Thi. Mit sieben war ich noch traurig, dass ich keinen deutschen Namen hatte, ich wollte lieber Chantal heißen.

Machen Sie eine Mittagspause?

Nicht unbedingt. Ich bin sehr ausdauernd und habe lieber abends mehr Zeit für mich und die Familie.

In welchem Land würden Sie am liebsten leben?

In Deutschland!

Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

Knoblauch, wenn auch nicht unbedingt im Kühlschrank. Ein Leben ohne Knoblauch ist möglich, aber sinnlos.

Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

Das kommt darauf an, wo ich bin. In Frankfurt ohne, auf dem Land eher mit.

Was ist Ihr größtes Talent?

Ich bin sehr stoisch. Und sehr lösungsorientiert. Wenn etwas schiefgeht, was ich nicht mehr ändern kann, konzentriere ich mich gleich auf Plan B oder C.

Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

Zu viele Klamotten kaufen und zu spät ins Bett gehen.

Welche historische Person würden Sie gerne treffen?

Den Chemiker Justus von Liebig, weil er so vielseitig war. Er hat alles Mögliche erfunden, von Dünger über Farbpigmente bis zu Babynahrung. Und er hielt Vorlesungen für Laien. Heute ist Wissenschaftskommunikation ein großes Thema, damals war es etwas Neues.

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Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

Meinen Ehering. Und meine goldene Casio-Uhr.

Haben Sie einen Lieblingsduft?

Frischer Basilikum. Und Zwiebeln und Knoblauch, frisch angebraten.

Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

Als ich schwanger war, sind wir noch einmal in die Vereinigten Staaten gereist. Mit Kind wird es schwieriger, dachten wir uns. Uns hatte dort noch ein Fleck gefehlt: von den Rocky Mountains durch die Wüsten bis nach Kalifornien.

Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

Als ich im Juni die Leibniz-Medaille bekam, spielte ein phantastisches Duo: Eckart Runge am Cello und Jacques Ammon am Piano.

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Die Zeit für Social Media.

Was trinken Sie zum Abendessen?

Immer nur Wasser. Und ich sage gleich dazu, damit ich nicht ganz so langweilig klinge: Ich kann keinen Alkohol trinken, weil mir das Enzym fehlt, mit dem das toxische Zwischenprodukt Acetaldehyd abgebaut wird. Das nennt man Asian Flush Syndrom. Ich finde es super und hoffe insgeheim, dass ich es auch meiner Tochter vererbt habe.

Quelle: F.A.Z. Magazin
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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