Maya Rudolph im Gespräch

„Der Alltag der Superreichen ist nichts, was wir oft zu Gesicht bekommen“

Von Patrick Heidmann
30.06.2022
, 17:44
Kann gute Gesichter ziehen: Komikerin Maya Rudolph
Video
Die Schauspielerin Maya Rudolph spielt in der Serie „Reich!“ eine plötzliche Milliardärin. Im Interview erzählt sie, was sie mit so viel Geld anfangen würde und welche Promi-Sonderwünsche sie bei „Saturday Night Live“ kennengelernt hat.
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Als Tochter der früh an Krebs verstorbenen Sängerin Minnie Riperton („Lovin‘ You“) und des Komponisten Richard Rudolph wurde Maya Rudolph am 27. Juli 1972 in Florida geboren und wuchs größtenteils in Los Angeles auf, wo unter anderem Gwyneth Paltrow ihre Klassenkameradin war. Nach einem Fotografie-Studium widmete sie sich ihrer Comedy- und Improvisationsleidenschaft und stieß schließlich 2000 für sieben Jahre zum Ensemble der legendären Sketch-Show „Saturday Night Live“. Seither war sie in Serien wie „Up All Night“ oder „The Good Place“ und Filmen wie „Away We Go – Auf nach Irgendwo”, „Kindsköpfe“ oder „Brautalarm“ zu sehen. Gelegentlich übernimmt sie – wie zuletzt in „Licorice Pizza“ – auch kleine Rollen in den Filmen ihres Lebensgefährten Paul Thomas Anderson, mit dem sie vier Kinder hat. Bereits viermal wurde Rudolph mit dem Emmy Award ausgezeichnet, je zweimal für ihre Parodie von Kamala Harris bei „SNL“-Gastauftritten sowie ihre Sprechrolle in der Animationsserie „Big Mouth“. Anlässlich ihrer Hauptrolle in der Comedy-Serie „Reich!“ (seit 24. Juni bei AppleTV+) führten wir mit ihr ein Videotelefonat.

Frau Rudolph, in Ihrer neuen Serie „Reich!“ (Originaltitel: „Loot“) spielen Sie eine Frau, die nach ihrer Scheidung auf einem Milliardenvermögen sitzt. Was ist so witzig und faszinierend an der Welt der Superreichen?

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Aus Comedy-Sicht bieten sich da einfach endlose Möglichkeiten, weil es kaum Grenzen gibt. Mit zu viel Geld lässt sich einfach alles machen. Und man kann übertreiben und dick auftragen wie in kaum einem anderen Setting, was natürlich immer besonders witzig ist. Ich liebe Figuren, die irgendwie realitätsfremd sind, was ja gar nicht zwingend negativ oder böswillig sein muss. Daraus kann ich einfach sehr viel Potential schlagen. Außerdem ist der Alltag der Superreichen etwas, was wir nicht allzu oft zu Gesicht bekommen. Das hat natürlich auch seinen Reiz.

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© YouTube/Apple TV

Gleichzeitig zeigen uns die Kardashians und Co. sehr wohl einen Einblick in genau diese Welt. Erschließt sich Ihnen die Faszination solcher Reality-TV-Sendungen?

Bis zu einem gewissen Grad, denn das ist häufig schon sehr gut gemachtes, unterhaltsames Fernsehen. Man darf das eben nur nicht mit dem echten Leben verwechseln. Der Begriff Reality-TV ist ja ein wenig irreführend, wenn man bedenkt, dass die Dialoge größtenteils nach einem Drehbuch stattfinden und die Handlung und Konflikte inszeniert sind. Und wie viele Stunden die Protagonistinnen bei Haar- und Makeup-Styling sowie mit Kostümproben verbringen. Aber es ist schon irre, dass wir in einer Zeit leben, in der ein Großteil unserer Popkultur nur noch aus Voyeurismus von perfekt konturierten Gesichtern zu bestehen scheint.

Weil Sie das Übertreiben und die Realitätsferne erwähnten: Mussten Sie bei der Rolle in „Reich!“ aufpassen, dass Sie nicht bloß eine Parodie auf die Personen der „Real Housewives“-Shows abliefern?

Die Gefahr bestand natürlich, denn wenn man mich lässt, ist mein erster Impuls als Komikerin immer, in die Vollen zu gehen. Deswegen musste ich aufpassen, in diesem Fall nicht übers Ziel hinauszuschießen, denn wir drehten ja nicht einen „Saturday Night Live“-Sketch, sondern eine Serie. Es war wichtig, dass diese Molly Novack bis zu einem gewissen Grad glaubwürdig und echt wirkt. Außerdem musste sie ja auch irgendwie liebenswert und sympathisch wirken, nicht bloß wie eine unerträgliche Narzisstin. Das war durchaus ein Balanceakt.

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Als Tochter der Sängerin Minnie Riperton und des Komponisten Richard Rudolph haben Sie praktisch Ihr gesamtes Leben im Showgeschäft verbracht. Da müssen Ihnen doch etliche Auswüchse von Luxus-Protzerei und Reichtum begegnet sein, oder?

Ich kenne niemanden, der eine Privatinsel besitzt, wenn Sie das meinen. Aber wenn Sie so jemanden kennen, dürfen Sie uns gerne miteinander bekannt machen. Nur weil man in der Unterhaltungsbranche arbeitet, heißt das ja nicht, dass man ständig mit Milliardären abhängt. Was mir aber spontan einfällt, sind natürlich meine Jahre bei „Saturday Night Live“. Da kamen ja jede Woche prominente Gäste, um durch die Show zu führen, häufig berühmte Filmstars. Wir Comedians waren da so etwas wie der Plebs, die Arbeiterklasse, und beobachteten das immer staunend, wenn da die Promis mit ihrem Gefolge ankamen. Da gab es dann auch häufiger mal Gerüchte über bestimmte Sonderwünsche für die Garderobe, die die Runde machten. Dass jemand den ganzen Raum in Weiß ausgestattet wollte, nur Erdnuss-M&Ms in einer bestimmten Farbe oder einen bestimmten Raumduft.

Haben Sie nie überprüfen können, an welchem dieser Gerüchte etwas dran war?

Nicht wirklich. Höchstens mal bei den musikalischen Gästen, die es auch in jeder Sendung gab. Die kamen in der Regel donnerstags zum Soundcheck und dann erst wieder samstags zur Live-Übertragung. In der Zeit dazwischen konnten wir in deren Garderobe und sahen dann, wer Käseplatten geordert hatte und wer rohe Mandeln. Und wenn der Sänger von Aerosmith seinen Puder dort im Bad vergessen hatte, war die Freude groß!

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Welchen Luxus würden Sie sich denn gönnen, wenn Sie Milliardärin wären?

Die Vorstellung, einen Privatkoch zu haben, klingt für mich wie das Beste überhaupt. Aber das mit der besagten Insel würde ich nicht verkehrt finden. Was Kleines in den Tropen, wo ich immer zum Entspannen hinkommen könnte. Wobei ich dann natürlich auch einen Privatjet bräuchte, um dorthin zu fliegen. Den würde ich irgendwie umweltfreundlich aufrüsten, das müsste sich doch mit so viel Geld machen lassen. Überhaupt würde ich mich vermutlich die ganze Zeit schuldig fühlen und deswegen den Großteil meines Vermögens in den Kampf gegen den Klimawandel investieren.

„Reich!“ ist Ihre erste Hauptrolle seit einiger Zeit, in den vergangenen Jahren haben Sie überwiegend Neben- und Sprechrollen übernommen. Hat die Pandemie Ihren Arbeitshunger geweckt?

Im Gegenteil. Aber diese Serie war nun etwas, zu dem ich einfach nicht nein sagen konnte. In meiner Karriere gab es nie einen Plan oder Ziele, die ich verfolgt hätte, sondern die meisten Dinge haben sich ergeben durch Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeite. So wie nun Alan Yang und Matt Hubbard, die „Reich!“ entwickelt haben und mit denen ich schon in der Vergangenheit kollaboriert hatte. Als sie mich fragten, ob ich nicht in ihrer neuen Serie mitspielen wolle, war ich zu geschmeichelt, um ihnen einen Korb zu geben. Zumal die Idee für die Serie einfach grandios ist – und ich generell ein Fan von Ensemble-Geschichten wie diesen bin.

Sie arbeiten bevorzugt mit Menschen zusammen, mit denen Sie befreundet sind, nicht wahr?

Ja, meine Jahre bei „Saturday Night Live“ haben mir gezeigt, dass es die größte Freude für mich ist, wenn ich meine Mitstreiter*innen mag und wir eingespielt miteinander sind. Seit ich Kinder habe, ist das für mich sogar noch wichtiger, denn seither frage ich mich bei jedem Projekt: ist es überhaupt wert, dafür das Haus zu verlassen. Wenn ein Angebot nicht wirklich etwas Besonderes ist und viel Spaß verspricht, lehne ich ab. Diesen Standard habe ich mir früh gesetzt, wissend natürlich, dass das ein enormer Luxus ist, den sich viele nicht leisten können. Dass ich trotzdem relativ viel arbeite, liegt wirklich nur daran, dass ich so viele wahnsinnig talentierte Freundinnen und Freunde habe, die ständig mit neuen Ideen anklopfen und mit denen die Arbeit einfach großartig ist.

© YouTube/Kinox HD

Gibt es denn unter all den vielen Projekten, die Sie mit Ihrem Freundeskreis umgesetzt haben, eines, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Neulich habe ich mal wieder „Away We Go“ gesehen, den ersten Film, den ich damals nach meinem Ausstieg bei „Saturday Night Live“ gedreht habe. Den liebe ich sehr. Mit John Krasinski, der darin meinen Lebenspartner spielt, hatte ich eine sehr besondere Beziehung bei der Arbeit; er ist ein Freund fürs Leben geworden. Und auch thematisch hat der Film einen besonderen Platz in meinem Herzen inne. Vermutlich, weil er von einem Paar handelt, dass sein erstes Kind erwartet und sich im Leben und in der Liebe einrichtet – und ich damals selbst noch nicht so lange Mutter war. Wenige meiner Arbeiten bedeuten mir so viel wie „Away We Go“.

Quelle: FAZ.NET
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