Punks auf Sylt

„Bis jetzt läuft das Sommergeschäft beschissen“

Von David Lindenfeld
28.06.2022
, 16:54
Ist inzwischen laut dem Besitzer des Restaurants „Cropine“ wieder verschwunden: der Zaun rund um den Wilhelmine-Brunnen
Am Restaurant von Mickey Schreiber hatten sich auf Sylt die Punker niedergelassen. Im Interview erklärt er, was das für sein Geschäft bedeutet, wie viele Punks noch da sind und warum er von der Gemeinde enttäuscht ist.
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Herr Schreiber, Sie haben ein Restaurant im Zentrum von Sylt, wo es zuletzt auch viele Punks hinzog. Wie läuft Ihr Sommergeschäft bisher?

Bis jetzt beschissen. Wir hatten im Juni wegen der Punks drei Wochen mit ganz heftigen Wochenenden. Pfingsten war richtig krass. Die anderen zwei Wochenenden danach auch. Das ist jetzt weniger geworden. Seit drei Tagen ist es zum Glück relativ ruhig.

Vor Ihrem Restaurant „Cropino“ war der große Treffpunkt der Punks. Sie sagen, aktuell sei es ruhig. Welches Bild tut sich Ihnen auf, wenn Sie jetzt hinausblicken?

Ich schaue hier gerade schräg raus. Es laufen einige normale Leute vorbei. Vorhin waren es fünf Punks, jetzt sehe ich gerade nur noch drei. Sie sitzen hier mit einem Einkaufswagen und trinken Bier.

Wie viele waren in den vergangenen Tagen und Wochen vor Ort?

An Pfingsten waren es bis zu 150 auf dem Platz. Das war wirklich absoluter Ausnahmezustand. Es ging nichts mehr. Der Platz war total belagert, es war kein Durchkommen mehr für normale Leute. Deshalb hatten wir auch nichts mehr zu tun im Restaurant. Unter der Woche sind dann immer nur die Hartnäckigen geblieben. Das hielt sich in der letzten Woche in Grenzen. Da waren es 20 oder 30. Die haben sich jetzt alle relativ verteilt. Vereinzelt sind sie noch in der Stadt zu sehen. Ich weiß nicht genau, wo alle hin sind.

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Wie haben sich die Punker verhalten?

Es war in den ersten zwei Wochen wirklich extrem. Als diese Massen hier waren, gab es auch ein paar, die aggressiv waren. Es gab Schlägereien draußen vor der Tür. Es wurde gepöbelt und laut Punkrock-Musik gehört. Bei uns konnte man gar nicht mehr draußen sitzen und gemütlich essen. Das war durch die Lautstärke und das Geschreie nicht mehr möglich.

Der Bürgermeister sagte zuletzt, es sei eine „ganz unaufregende Situation“, da werde „medial was aufgeputscht, was real gar nicht da ist“…

Der Bürgermeister ist ja auch nicht vor Ort. Der war einmal hier, als der Zaun am Wilhelmine-Brunnen aufgestellt wurde. Ich habe mich auch gefragt, warum er sich nicht an einem Freitag- oder Samstagabend mal hier hinsetzt. Die heftigen Wochenenden hat er ja nicht mitgekriegt. Wir haben das live miterlebt, als hier gegrillt und Feuer gemacht wurde. Wir haben die Polizei angerufen. Die ist aber gar nicht erst ausgestiegen. Hier gab es Schlägereien. Am helllichten Tag wurde auf den Platz gepinkelt. Das waren schon krasse Zustände. Es gab Kopfsprünge in den Brunnen, die waren auch mit aufgeblasenen Einhörnern drin. Das ist schon lustig, wenn man das so sieht. Man selbst hat da auch gar nichts dagegen. Ich würde mich auch mit denen da hinsetzen und eine Flasche Korn trinken. Aber es ist halt für uns extrem schädlich gewesen, weil es die Gäste abgeschreckt hat. Wir hätten an manchen Tagen gar nicht öffnen brauchen, weil überhaupt nichts los war.

Die Betreiber des Restaurants „Cropino“ auf Sylt, vor dem sich viele Punks trafen: Mickey Schreiber (rechts) und sein Bruder Robin
Die Betreiber des Restaurants „Cropino“ auf Sylt, vor dem sich viele Punks trafen: Mickey Schreiber (rechts) und sein Bruder Robin Bild: Privat

Wie sehr ist das Besucheraufkommen eingebrochen bei Ihnen in den vergangenen Wochen?

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Wir standen uns teilweise die Beine in den Bauch. Die ersten zwei Wochen im Juni hatten wir echt einen massiven Umsatzeinbruch von 80 Prozent. Das war richtig heftig.

Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Es ist nicht mehr profitabel. Man muss jetzt Geld verdienen in den Sommermonaten. Gerade nach der Coronakrise in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Sonst kommt man nicht über den nächsten Winter. Es bringt nichts, hier weiter aufzumachen, wenn man Verlust macht. Dann kann man sich lieber selbst an den Strand legen. Da hat man mehr von. Uns hat das heftig getroffen – auch, dass nichts gemacht wurde von der Gemeinde.

Wie bewerten Sie deren Reaktion?

Es fühlt sich auch niemand zuständig. Das Ordnungsamt sagt, es ist dafür nicht ausgebildet. Und es ist ja auch so, dass die Punks das angeblich alles dürfen: Man darf sich hier tagsüber aufhalten. Man darf hier tagsüber Musik machen. Man darf hier Alkohol trinken. Und man darf sich hier tagsüber hinlegen und schlafen. Deshalb ist hier auch keine Handhabe möglich. Aber was wir uns immer gefragt haben: Warum richtet man keine Alkoholverbotszone ein? Andere Städte schaffen das ja auch, die Innenstadt oder manche Spots von sowas freizuhalten. Man hätte dann aber auch wieder Leute gebraucht, die das umsetzen. Es fehlt aber auch an Personal. Wenn wir bei der Polizei anrufen, sind die schon fast eher genervt von uns. Wenn die Punks hier grillen und Feuer machen, rufen wir mittlerweile schon gar nicht mehr an. Eigentlich ist es verboten, aber es wird geduldet. Irgendwann stumpft man selbst auch ab und findet es gar nicht mehr so schlimm.

Die Stadt hat zwischenzeitlich Zäune aufgestellt. Was sollte damit bezweckt werden?

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Das hat von uns auch keiner so richtig verstanden. Wir, die Geschäftsleute, hatten Termine mit den Politikern im Rathaus vor zwei Wochen und haben dort mit der Gemeinde und dem Bürgermeister gesprochen. Wer sich das ausgedacht hat, den Brunnen so einzuzäunen, weiß ich auch nicht. Das war für uns eher noch schlimmer. Seitdem war noch viel weniger los. Schon von Weitem sah der Platz aus wie eine Baustelle. Wer will sich da im Urlaub hinsetzen? Da geht man lieber ein paar Schritte weiter. Der Zaun wurde gestern Mittag abgebaut. Die Gemeinde wusste, dass wir das nicht so gut finden. Und es hat auch nichts gebracht. Das hat die Punks ja gar nicht abgeschreckt. Sie haben ihn als Wäscheleine genutzt.

Zählten auch Punks zu Ihren Gästen?

Sehr, sehr selten, dass die sich hier mal eine Pizza holen. Die sind ja alle nett, wenn man einzeln mit ihnen spricht. Man kann mit ihnen auch reden und diskutieren. Unser Problem ist aber, dass es für die Gäste abschreckend ist. Wenn ich das richtig verstehe, haben die Punks sich ja selbst den Auftrag gegeben, die Reichen zu stören. Das ist dafür nicht der richtige Platz. Hier sind normale Leute, normale Geschäfte. Die Reichen sind hier gar nicht unterwegs.

Was erhoffen Sie sich für die Sommermonate?

Wir hoffen, dass es so ruhig bleibt wie jetzt, und sich die Situation allmählich entspannt, damit wir eine halbwegs normale Sommersaison im Juli und August haben. Noch glaube ich aber noch nicht daran.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Lindenfeld, David
David Lindenfeld
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