<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Apple iPhone und Watch im Test

Ein fauler Apfel am Arm

Von Michael Spehr
 - 15:20
Die drei markanten Kameraaugen des iPhone 11 Pro

Jetzt sind die neuen iPhone-Modelle und die Apple Watch Series 5 im Handel, und nach einigen Wochen des Ausprobierens müssen wir nicht mehr die technischen Daten herunterbeten, sondern können unsere Eindrücke aus dem Praxiseinsatz zusammenfassen. Wir wechselten vom iPhone XS Max zum iPhone 11 Pro Max, und schon beim Auspacken erkennt man Unterschiede: Die Rückseite zieren nicht nur die drei markanten Kameraaugen, sondern sie ist auch etwas griffiger als beim Vorjahresmodell. Um eine Schutzhülle kommt man trotzdem nicht herum. Das neue iPhone ist zudem schwerer, es wiegt 226 statt 208 Gramm, und es widersetzt sich dem Trend, dass die Telefone dünner werden, denn es ist mit einer Höhe von 8,1 Millimeter dicker als der Vorgänger mit seinen 7,7 Millimetern. Das größere Volumen kommt dem Akku zugute, er wächst von 3174 Milliamperestunden auf 3969 Milliamperestunden. Das erklärt die deutlich längere Akkulaufzeit des neuen Modells, die sich einige Tage nach dem Wechsel einstellt und begeistert. Bei wenig Nutzung sind zwei Arbeitstage realistisch. Endlich legt Apple den Pro-Modellen ein leistungsstarkes Netzteil mit 18 Watt bei, das den Akku in 30 Minuten zur Hälfte füllt. Das iPhone 11 wird wie gehabt nur mit einem 5-Watt-Netzteil ausgeliefert.

Als wir unsere eigenen Daten über das iCloud-Backup zurückspielten aufs neue Gerät, fehlten zunächst die Fitness-Daten. Das iPhone zeigte an, dass sie geladen werden, aber selbst nach einigen Tagen war der Vorgang nicht abgeschlossen. Also gingen wir den zweiten Weg, nämlich das Einspielen eines Backups über die iTunes-Software auf dem Mac. Dies war erfolgreich.

Unter den vielen kleinen Änderungen von iOS 13 wird man als Erstes bemerken, dass sehr viele Apps dauerhaft den Standort abfragen oder eine Berechtigung zur Nutzung von Bluetooth verlangen. Apple setzt auf mehr Datenschutz, und das bekommen neugierige Entwickler zu spüren.

Pro-Modelle mit drei Kameraaugen

Wie immer steht die verbesserte Kamera im Vordergrund des Interesses. Die beiden Pro-Modelle haben drei 12-Megapixel-Optiken auf der Rückseite, das iPhone 11 bleibt bei zwei. In der Kombination aus Ultraweitwinkel-, Weitwinkel- und Teleobjektiv entstehen mehr Gestaltungsspielräume für den Fotografen, der Wechsel zwischen den verschiedenen Zoom-Stufen erfolgt nahtlos. Interessante Details: Im normalen Modus sieht man unter den begrenzenden Displaybalken den möglichen Bildausschnitt des Ultraweitwinkels. Mit der „Fotoaufnahme außerhalb des Rahmens“, aktivierbar in den Einstellungen, werden im Weitwinkel- und Telemodus auch Aufnahmen des Ultraweitwinkels gespeichert, um den Bildausschnitt nachträglich passend zu machen.

Im Nachtmodus mit wenig Umgebungslicht gelingen nun durch mehrsekündige Langzeitbelichtungen spektakuläre Aufnahmen auch bei Dunkelheit. Hier zieht Apple mit anderen Herstellern wie Huawei oder Samsung gleich. Witzige Effekte erlaubt die Zeitlupenfunktion in der vorderen Selfie-Kamera. Sinnvolle und mächtige Verbesserungen haben die Bildbearbeitungs-Werkzeuge erfahren. Sie machen viele Apps überflüssig und bieten auch Funktionen für Videos an.

Dass die neuen iPhones mit neuem Prozessor schneller sind, zeigen Benchmarks sofort. Etwas weniger auffällig ist der bessere und lautere Klang der eingebauten Stereo-Lautsprecher und das erheblich schnellere und zuverlässiger arbeitende Face ID zur biometrischen Entsperrung des Geräts. Es werden mehr LTE-Frequenzbänder unterstützt, 5G fehlt indes, aber die Bluetooth-Reichweite ist mit dem neuen iPhone signifikant höher. Das iPhone 11 kostet zwischen 800 und 970 Euro, die Pro-Modelle liegen im Bereich von 1150 bis 1550 Euro.

Neue Displaytechnik für die Series 5

Die neue Apple Watch Series 5 bringt ein grundlegend anderes Display mit. Ihre Oled-Anzeige wird beim Senken des Arms nicht mehr ausgeschaltet, sondern sie bleibt immer an, wenngleich gedimmt. Die dahintersteckende Displaytechnik nennt Apple LTPO. Die Abkürzung steht für Low Temperature Polycrystalline Oxide, es geht um die Bestandteile des Oled-Panels, die einen besonders energieeffizienten Einsatz erlauben sollen.

Die neue Anzeige arbeitet zudem mit einer Senkung der Bildwiederholrate von 60 Hertz auf ein Hertz. Ein kleines Detail zeigt dies deutlich: Ist ein Ziffernblatt mit Sekundenzeiger gewählt, verschwindet dieser im Ruhemodus. Ist ein helles Ziffernblatt mit weißen Hintergrund aktiv, wird es im Ruhemodus schwarz. Einige Informationen werden komplett ausgeblendet, etwa die Anzeige der Umgebungslautstärke, wenn diese als Widget in einem Ziffernblatt enthalten ist.

Durch die Software-Anpassung und Displaytreiber für niedrigen Energieverbrauch will Apple sicherstellen, dass die Akkulaufzeit der Series 4 erreicht wird, rund 18. Stunden. Das schaffte unsere Uhr nur selten. Morgens um 6 Uhr in Betrieb genommen, schaltete sie meist schon am frühen Abend bei 10 Prozent Ladestand in die Gangreserve mit reduzierter Darstellung. Wir probierten zwei Uhren aus. Die Akkulaufzeit hängt natürlich ab von der Zahl der Aktivierungen, der eintreffenden Push-Meldungen und ganz wesentlich von der Protokollierung der Sportaktivitäten, die bei uns täglich auf der Agenda standen. Entwickler berichten eine deutlich längere Laufzeit mit dem kommenden Watch OS 6.1. Dass Apple ein solcher Lapsus passiert, wundert indes.

Problem Akkulaufzeit

Die Vorteile des Always-on-Displays liegen indes auf der Hand: Der schwarze Bildschirm im Ruhemodus der Vorgängermodelle erscheint einem schon nach kurzer Zeit als Anachronismus. Die Bewegung des Handgelenks zur Anzeige der Uhrzeit entfällt, und man kann wie bei einer herkömmlichen Uhr aus dem Augenwinkel heraus die Zeit ablesen, ohne ausdrücklich den Arm zu bewegen. Man muss auch nicht befürchten, dass Dritte heimlich während des Ruhemodus neue Push-Nachrichten mitlesen. Mit zwei Menüeinträgen kann man Always on deaktivieren, damit die Akkulaufzeit drastisch erhöhen, sowie private Informationen ausblenden lassen.

Die Apple Watch Series 5 hat sodann wie das iPhone einen Kompass eingebaut, was die Orientierung unterwegs oder im Gelände ungemein erleichtert. Die Notruffunktionen, etwa nach der Erkennung eines Sturzes, wurden erweitert. Ein Hilferuf kann über die Apple-Watches mit Mobilfunk in 150 Ländern abgesetzt werden, selbst dann, wenn die E-Sim-Karte nicht aktiviert und ein iPhone nicht in der Nähe ist. Nur in zwei Ländern funktioniert dies nicht, weil die Mobilfunker „anonyme“ Hilferufe sperren: in Japan und in Deutschland.

Die Sensoren zur Messung der Herzfrequenz, zum Erstellen eines EKG oder zur GPS-Ortung sind nach unseren Eindrücken so gut wie bisher. Bei der Aufzeichnung von Jogging-Runden legt die Apple Watch eine Präzision an den Tag, die von keiner anderen Sportuhr erreicht wird. Die Messung der Herzfrequenz war bei uns exakt mit einer Ausnahme: Während des Joggens gibt es immer wieder Aussetzer und Artefakte. Dieses Problem hatten wir bislang mit allen Apple Watches. Nötigenfalls muss man einen Brustgurt verwenden. Die Series 5 kostet in verschiedenen Gehäusevarianten von 450 Euro an.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAppleApple iOSApple iTunesApple WatchiPhoneMacSoftware