iPod

Mein linker Schuh spricht mit mir

Von Cai Tore Philippsen
20.12.2006
, 06:00
Lance Armstrong wirbt für die Ehe von Nike und iPod
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Der Läuferalltag kann manchmal eintönig sein. Nike und iPod versprechen nun eine neue Verbindung aus Musik, Motivation und Trainingssteuerung. Ein Lauftest von Cai Tore Philippsen.
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Gute Läufer werden im Winter gemacht. Daß diese Weisheit Wahrheit ist, weiß jeder, der im Frühjahr beim ersten Volkslauf an den Start geht und schon nach ein paar Kilometern merkt, daß es auch in diesem Winter zuviel gutes Essen und zuwenig harte Trainingsrunden waren. Doch wer läuft schon gern im Dunklen über matschige Wege - der Winter ist ein Graus für jeden Jogger. Eine Extraportion Motivation tut Not.

Jeder, der sich keinen persönlichen Trainer leisten will, kann sich seit kurzem elektronisch anfeuern lassen. Es gibt einen Udo Bölts („Quäl dich du Sau“) für die Westentasche. Schenkt man Nike und Apple Glauben, hebt das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit „das Training auf einem ganz neuen Level“. Das sagt zumindest Lance Armstrong, der die Kombination von Nike+ und iPod-nano bewirbt. Der siebenfache Tour-de-France-Sieger war nach seinem Karriere-Ende vom Rad gestiegen und lief im Herbst in New York seinen ersten Marathon. Wir haben die Schuhe, den iPod und ihre Verbindung getestet. Im Dezember.

Ein bißchen Musik-Doping

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Das „Nike+iPod-Sportkit“ besteht aus einem Sensor und einem Empfänger. Der Sensor, nicht größer und schwerer als ein Hustenbonbon, wird in eine kleine Aussparung unter der Einlegesohle des linken Schuhs geschoben. Der Empfänger, kleiner als eine Streichholzschachtel, wird an den iPod-nano gesteckt. In dem Sensor ist ein Beschleunigungsmesser versteckt, er zählt die Schritte des Läufers und sendet sie drahtlos an den aufgerüsteten iPod. Der kann daraus, wie jeder andere Schrittzähler auch, die Laufstrecke errechnen - und noch ein bißchen mehr.

An den iPod wird ein kleiner Empfänger gesteckt, der die Signale aus dem Schuh empfängt
An den iPod wird ein kleiner Empfänger gesteckt, der die Signale aus dem Schuh empfängt Bild: Hersteller

Zehn Minuten Studium der Gebrauchsanweisung müssen reichen. 7,5 Kilometer Laufstrecke geben wir ein und entscheiden uns für das von Armstrong für den Test-iPod zusammengestellte Musikprogramm. Wenn sein sauerstoffgeschwängertes Blut schon nicht durch unsere Adern fließt, ist ein bißchen Musik-Doping das mindeste, was der umstrittene Held der Landstraße für uns tun kann. Schnell noch Größe und Gewicht eintippen - der kleine Rechner will uns nach dem Lauf mit dem Kalorienverbrauch belohnen. Der iPod verschwindet in einer kleinen Ärmeltasche des Laufhemdes, die Kopfhörer in den Ohren und los geht's.

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Das Display bleibt verborgen

Armstrong mag es beim Laufen eher ruhig. Ben Harper, Jack Johnson, U2, Coldplay und Bob Marley begleiten uns ganz entspannt in den Park. „One kilometer completed“, „two kilometer completed“ unterbricht der englischsprachige elektronische Motivator das Programm. Der Schrittzähler ist überraschend genau, obwohl wir auf die Möglichkeit verzichtet haben, ihn auf unseren persönlichen Laufstil einzustellen. Die akustische Ansage ist allerdings auch notwendig, da der iPod in der Ärmeltasche zwar bedient werden kann, sein Display unter dem Stoff unglücklicherweise aber nicht zu erkennen ist. Uhrzeit und Laufzeit bleiben so verborgen.

Nach der Hälfte der Strecke zählt unser Begleiter im Ohr rückwärts, und schließlich: „Congratulations, you have reached your goal“. Udo Bölts ist das nicht gerade, die Stimme erinnert eher an einen einfühlsamen Therapeuten. Ein paar Minuten später folgt die Auswertung: „8,2 kilometer completed, 0,7 kilometer beyond your goal; time: 48 minutes; 724 calorien“. Die geliehenen Schuhe sind schlammverklebt, das Laufhemd muß dringend in die Waschmaschine. Wer mag, kann seine Trainingsdaten auf einer Internetseite verwalten und sich bunte Grafiken malen lassen. Am nächsten Tag wiederholen wir das ganze mit dem gleichen Ergebnis.

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Für jeden, der gerne mit Musik läuft, ist das Zusammenspiel der beiden amerikanischen Riesen eine Bereicherung des manchmal eintönigen Läuferalltags. Der Sensor im Schuh bleibt ebenso unbemerkt wie der iPod im Ärmel. Motivierender als die Ansprache des virtuellen Mitläufers sind die Daten, mit denen der iPod den Jogger belohnt. Adidas und der führende Hersteller von Pulsmessern Polar haben eine ähnliche Kooperation. Nachteil der Nike-iPod-Ehe ist die Fixierung auf einen Partner. Wer viel läuft, hat sich längst auf seinen Schuh festgelegt. Kein Mercedes-Fahrer wird auf BMW umsteigen, nur weil das Radio besser ist. Apple schließt alle Fans anderer Laufschuhe aus.

Der getestete Schuh Nike Zoom Plus kostet 110 Euro. Das Nike+iPod-Sportset gibt es für 29 Euro, der Test-iPod-nano hatte 4 GB und kostet 199 Euro.

Quelle: @phi
Cai Tore Philippsen  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Cai Tore Philippsen
Verantwortlicher Redakteur für die Redaktion FAZ.NET
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