Homepod Mini im Test

Türöffner für die Apple-Welt

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 12.11.2020
 - 15:00
Der Homepod Mini für 95 Euro ist tatsächlich ein Mini: Er ist nur 8,5 Zentimeter hoch.zur Bildergalerie
Neue kleine Lautsprecher fürs vernetzte Heim: Apple bringt den Homepod Mini heraus. Er hört sich ziemlich gut an. Aber einige Details sollte man beachten.

Drei Jahre im Markt und trotzdem kein durchschlagender Erfolg: Die Homepods genannten Lautsprecher für das vernetzte Heim aus dem Hause Apple haben bestenfalls den Status eines Nischenprodukts. Der Klang ist zwar ordentlich, aber sie funktionieren bislang nur mit dem hauseigenen Musikdienst Apple Music, sind mit einem Preis von 330 Euro eher teuer und damit ein Produkt für eingefleischte Freunde des amerikanischen Unternehmens.

Nun wird alles anders. Apple macht die Homepods attraktiv, indem man den 2,5 Kilogramm schweren Boliden eine zweite Modellvariante zur Seite stellt, die vieles anders macht: Der Homepod Mini für 95 Euro ist tatsächlich ein Mini: Nur 8,5 statt 17 Zentimeter hoch und mit einem Gewicht von 350 Gramm eine ganze andere Hausnummer. Beiden gemeinsam ist der Stoffüberzug, das Display an der Oberseite und das fest im Gehäuse integrierte Kabel zur Stromversorgung, das am anderen Ende einen USB-Typ-C-Stecker hat, so dass ein beiliegendes 20-Watt-Netzteil die Stromversorgung übernimmt.

Mit dem Mini geht man anders um. Während man den schweren Homepod einmal platziert und dann vermutlich nur noch selten bewegt, lädt der Mini geradezu zum flexiblen Einsatz und Transport ein. Wir haben ihn für lange Telefonate ins Arbeitszimmer gebracht, denn wie sein großer Bruder ist auch er ein hervorragender Freisprechlautsprecher für iPhone-Telefonie.

Für Siri, Apple Music und Podcasts

Die Einrichtung ist überaus simpel: Mit der Stromversorgung verbinden und ein iPhone oder ein iPad neben die Neuerwerbung halten. Anschließend wird der Mini mit dem eigenen Apple-Account verknüpft, kann also Siri verwenden und zum Beispiel die Termine des Tages vorlesen. Das Display an der Oberseite bietet wie beim großen Pendant nur wenige Funktionen: Lautstärke justieren, Musiksteuerung und Siri starten. Als Zuspieler lassen sich neben Apple Music auch iTunes, Apple Music Radio, einige wenige Radiostationen und Apple Podcasts verwenden.

Angekündigt ist die Nutzung der Streamingdienste anderer Anbieter, etwa in Zukunft Amazon Music. Zudem kann man von weiteren Apple-Geräten seine Stücke auf den Homepod schicken. Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: Die Übertragung mit Bluetooth allein, etwa von einem Android-Telefon, funktioniert nicht.

Kein Streaming mit Bluetooth

Zwei Homepod Mini lassen sich als Stereopärchen verknüpfen und werden dann als Einheit angesprochen. Eine Kombination aus Homepod und Homepod Mini lässt sich jedoch nicht verheiraten. Wie die Homepods arbeiten auch die Minis als Hub für das mit dem Homekit vernetzte Heim, und sie sind Multiroom-fähig.

Im Unterschied zum Homepod, der mit Subwoofer und sieben Lautsprechern sowie entsprechendem Volumen ordentlich Druck machen kann, muss der Mini nicht nur mit weniger Volumen auskommen, sondern allein mit einem Breitbandlautsprecher und zwei Tieftönern, die indes mit viel Rechenaufwand und dem S5-Prozessor zu jeder Zeit den besten Klang liefern sollen.

Präzise Wiedergabe trotz kleiner Bauform

Wir hörten zunächst einen einzigen Homepod Mini mit Beethoven-Sinfonien. Was sofort gefällt sind Strahlkraft und Präzision der Wiedergabe. Die Dynamik und die Bassstärke eines großen Homepod wird natürlich nicht erreicht. Indes ist das Gebotene schon sehr überzeugend, und ein nahezu gleichgroßer Echo Dot der vierten Generation von Amazon wurde so souverän überholt, dass er als Vergleichspartner sofort ausschied. Wir verglichen deshalb mit dem Amazon Echo der vierten Generation, der ungefähr das dreifache Volumen aufweist und ein ebenbürtiger Sparringpartner für den Mini war. Im zweiten Anlauf kam Leonard Cohen zum Vorspiel: Echo hatte eindeutig die stärkeren Bässe, der Mini indes brachte die rauchige Stimme von Cohen mit mehr Gänsehautgefühl herüber.

So gesehen macht Apple mit dem Mini ziemlich viel ziemlich richtig. Auch im Dauereinsatz in einem Zimmer, in dem sowohl die großen Homepods wie auch die Minis aufgebaut waren, zeigte sich alsbald, dass man den Minis gut und gern stundenlang zuhören kann, weil ihre klare, transparente Darstellung nahezu aller Stilrichtungen gefällt. Jenseits der Bässe sind die Unterschiede zwischen Mini und Homepod so groß nicht, vor allem, wenn man zwei Minis zur Stereowiedergabe koppelt und damit eine breitere Bühne entsteht.

Siri mit viel Datenschutz

Der Mini hat einen Ultrabreitband-Chip, der eine schnelle Musikweitergabe vom iPhone zum Mini ermöglicht, man muss nur das Telefon an die Oberseite halten. Mit Siri kann man die Musikwiedergabe ebenfalls auf den Weg bringen. Dass die Sprachassistentin von Apple hohe Standards beim Datenschutz einhält, zeigt sich darin, dass sie nur nach dem Aktivierungswort „Hey Siri“ zuhört und zudem die Anfrage nicht mit der eigenen Apple-ID oder E-Mail-Adresse verknüpft. Das ist gewiss vorbildlich. Peinlich wird es aber, wenn Siri selbst an einfachen Kommandos wie „spiele Beethovens erste Sinfonie“ scheitert und stattdessen ein Hörbuch über die Sonatenform bei Mozart und Beethoven abspielt. „Spiele Mahlers erste Sinfonie“ führt zur Fehlermeldung „Ich habe Mahlers erste Sinfonie nicht auf Apple Music gefunden“.

Deutlich besser funktioniert eine neue Funktion mit Ansagen der Art „Hey Siri, Intercom, sage allen, das Abendessen ist fertig“. So lassen sich sämtliche Audio-Geräte im Haushalt mit einem einzigen Kommando ansprechen, und das funktioniert sogar mit den Ohrenstöpseln Airpods und mit Carplay. Wer nach der Arbeit ins Auto steigt, kann mit „Hey Siri, Intercom, sage allen, ich fahre jetzt los, soll ich etwas mitbringen“ die Familie zuhause auf den Feierabend vorbereiten.

Dolby Atmos nur für den großen Homepod

Dass sich der Homepod Mini in die Homekit-Landschaft problemlos einfügt, sei nicht verschwiegen. Die Unterstützung der angekündigten Heimkino-Funktionen für Apple TV mit Dolby Atmos bleibt allerdings dem großen Homepod vorbehalten. Der Autor hatte vor Jahr und Tag versucht, sein Haus auf drei Etagen mit einem Sonos-System und Multiroom Audio auszurüsten. Das funktionierte nie reibungslos und nie fehlerfrei. In den vergangenen Jahren wuchs dann die Zahl der Homepods auf sieben. Einer davon ist mittlerweile defekt, aber davon abgesehen läuft die Musikwiedergabe im ganzen Haus nun problemlos. Die beiden neuen Minis reihten sich hier bestens ein. Wer die Tücken anderer Systeme kennt, weiß das zu schätzen.

Insgesamt ist Apples Strategie unschwer erkennbar: Der Homepod Mini ist der Türöffner für weitere kostenpflichtige Angebote wie Apple Music, für den Ausbau des vernetzten Heims, für die Anschaffung von Apple TV und so weiter. Wer mit einem einzigen Gerät beginnt, wird irgendwann ein zweites kaufen und dann Dienste abonnieren oder gar den Haushalt auch mit großen Homepods ergänzen. Man wird also weiter in das Apple-Ökosystem hineingezogen, und darf getrost annehmen, dass das gewollt ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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