Mehr Display bringt mehr

Die neue Kraft der jungen Größe

Von Michael Spehr
13.10.2021
, 15:01
Zeit für die neue Generation: Die Apple Watch Series 7 hält einige Verbesserungen bereit.
Die Apple Watch Series 7 zeigt im ersten Test: Die verbesserte Anzeige und das Schnellladen sind Pluspunkte. Aber die Software ist noch nicht perfekt.

Kann man das iPhone auch mal zuhause lassen? Wer die Apple Watch trägt, mag diese Frage bejahen, sofern die smarte Uhr aus Cupertino mit Mobilfunkmodul und E-Sim ausgerüstet ist. Seit jeher lässt sich mit ihr in guter Akustik telefonieren, sie zeigt zudem neue E-Mails oder Push-Nachrichten von iMessage und Signal. So ist die Apple Watch im Laufe der Jahre auch zu einem Mini-Smartphone fürs Handgelenk geworden.

Nun wird die Uhr aus Cupertino in dieser Hinsicht ein bisschen besser. Die Apple Watch Series 7 kommt vom 15. Oktober an in den Handel, und wir konnten sie bereits ausprobieren. Die Neuerungen fallen in diesem Jahr eher klein aus, wenn man mit der Vorgängerin Series 6 vergleicht. Es gibt keine neuen Sensoren, der Prozessor heißt zwar anders, arbeitet aber nicht schneller und die Unterstützung des Mobilfunkstandards 5G fehlt.

Wer die Series 7 in die Hand nimmt und mit den Vorgängermodellen vergleicht, erkennt indes sofort, dass der schwarze Rand ums Display verringert wurde, und zwar um 40 Prozent im Vergleich mit der Series 6 auf nunmehr 1,7 Millimeter. Diese Maßnahme bringt einiges, nämlich eine größere Displayfläche und die Anzeige von mehr Informationen. Dass das Display üppiger wurde ist auch der insgesamt größeren Bauform geschuldet. Die Höhe der Uhr wächst auf 41 und 45 Millimeter, es gibt wie gehabt zwei Größen. Das Display erreicht damit eine Auflösung von 352 x 430 Pixel bei der kleinen Version und 396 x 484 Pixel bei der großen. Die Anzeige der Series 7 ist heller geworden: 1000 Nit, wenn sie aktiviert ist und selbst im Ruhemodus, der Uhrzeit und andere Daten mit geringerer Intensität zeigt, werden noch immer 500 Nit erreicht. Das ist mehr als manches Notebook schafft.

Die größere Anzeige zeigt mehr Inhalte

Nun sieht man deutlich mehr, etwa bei iMessage oder E-Mail oder der Navi-Karte, und es gibt neue Zifferblätter, die mehr Informationen mit den entsprechenden Komplikationen bieten. Einige ältere Zifferblätter wiederum müssten besser an die höhere Auflösung angepasst werden, das hat Apple leider versäumt. Als besonderen Pluspunkt stellt der Hersteller heraus, dass man nun auch ein Mini-Keyboard zum Tippen von Nachrichten oder E-Mails verwenden oder mit der Fingerbewegungstechnik Swype Worte malen kann. Eine KI berichtigt kleine Fehler automatisch. Das alles funktioniert derzeit aber nur mit der englischen Sprache. Deutsch wird angezeigt, aber nicht unterstützt. Es soll angeblich funktionieren, wenn man die Systemsprache der Uhr auf Englisch umschaltet, aber wir hatten mit diesem Trick keinen Erfolg.

Zu früh gefreut: Neben dem Mini-Keyboard lassen sich Worte über die Fingerbewegungstechnik Swype malen. Ein Pluspunkt – sofern man auf Englisch schreibt. Deutsch wird noch nicht unterstützt.
Zu früh gefreut: Neben dem Mini-Keyboard lassen sich Worte über die Fingerbewegungstechnik Swype malen. Ein Pluspunkt – sofern man auf Englisch schreibt. Deutsch wird noch nicht unterstützt. Bild: Apple

Die neue Bauform ist kompatibel zu den alten Armbändern, die sich ohne Werkzeug wechseln lassen. Blickt man allerdings seitlich auf die Series 7 mit einem alten Armband, sieht man sofort, dass dem Anstoß die entsprechende Breite fehlt. Das wirkt sehr unschön.

Welches Gehäuse darf es sein?

Wir hatten die Variante aus vollständig recyceltem Aluminium im Einsatz, und zwar die schwarze Version. Im Unterschied zu älteren Modellen fällt die Anmutung des Gehäuses auf: Das wirkt nicht mehr billig. Der Einstiegspreis liegt bei 429 Euro, Mobilfunk kostet extra. Wer die Series 7 im Edelstahlgehäuse bestellt, bekommt immer das Mobilfunkmodul sowie Saphirglas dazu. Die Preise beginnen bei 780 Euro. Schließlich ist auch eine Titanausführung von 830 Euro an erhältlich. Schon am Freitag, dem deutschen Erstbestelltag, waren indes die Edelstahl- und Titanmodelle als derzeit „nicht verfügbar“ gekennzeichnet.

Was fürs Herz: Wie die Vorgängerin schreibt auch die Series 7 ein Einkanal-EKG, mit dem sich Vorhofflimmern zuverlässig erkennen lässt.
Was fürs Herz: Wie die Vorgängerin schreibt auch die Series 7 ein Einkanal-EKG, mit dem sich Vorhofflimmern zuverlässig erkennen lässt. Bild: Apple

Series 7 ist nach IP6X gegen Staub geschützt und auf eine Wasserdichtigkeit bis 5 bar geprüft. Die Rückseite aller Uhren ist glatt und besteht aus Keramik sowie Saphirglas. Eine fummelige Ladelösung mit Kontakt-Pins wie bei der Konkurrenz passt nicht zu Apple. Vielmehr kommt hier eine Ladeschale fürs induktive Betanken zum Einsatz, die für Series 7 überarbeitet wurde und mehr Tempo erlaubt. In 45 Minuten von Null auf 80 Prozent Füllstand, gibt Apple an. Wir legten die Uhr morgens mit 50 Prozent Füllstand auf den Ladepuck, und sie war in rund 30 Minuten nahezu vollständig geladen.

Man beachte, dass die neue Ladeeinheit nun ein USB-C-Kabel mitbringt. Was noch immer nicht funktioniert ist die Betankung des Akkus mit QI-Ladestationen fürs Smartphone. Die Akkulaufzeit wurde nicht verlängert, sie liegt nach wie vor bei ungefähr 18 Stunden, wobei ein riesiger Pluspunkt gegenüber den Rivalen von Huawei oder Samsung darin besteht, dass die Series 7 auch mehrstündige Sportaktivitäten mit GPS-Routenprotokoll und Herzfrequenzmessung problemlos aufzeichnet.

Wann die Pulsmessung nicht perfekt ist

Was Sensoren und Ausstattung betrifft, hat sich nicht viel geändert. Noch immer gibt es zum Start eines Trainings den albernen Countdown, den Apple in den Ruhestand hätte schicken können. Eine automatische Pausenfunktion ist nun auch für den Radsport dazugekommen. Der Pulssensor wurde nicht verbessert. Die Uhr misst zwar überragend genau die Herzfrequenz, aber sie tendiert zu Aussetzern, wenn das Armband nicht ganz exakt anliegt. Die GPS-Erfassung der zurückgelegten Strecken ist wie bei der Series 6 einsame Spitze. Hinsichtlich der Genauigkeit kann keine andere Sportuhr mithalten. Sogar schwierige Herausforderungen wie das Laufen im Wald ohne freie Sicht zum Himmel werden bestens genommen. Die Schlafauswertung war und ist schwach.

Wie die Vorgängerin schreibt auch die Series 7 ein Einkanal-EKG, mit dem sich Vorhofflimmern zuverlässig erkennen lässt. Es gibt Hinweise auf weitere Herzprobleme, etwa Rhythmusstörungen oder einen zu hohen oder zu niedrigen Puls. Ferner sind Notfallfunktionen sowie eine Sturzerkennung eingebaut, und Bergwanderer profitieren von der Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes.

Insgesamt ist die Watch Series 7 mit ihrer verbesserten, größeren Anzeige ein Gewinn für diejenigen, die öfter mal das Smartphone zuhause lassen wollen. Dass ausgerechnet die beworbene Keyboard-Funktion noch nicht mit deutschen Texteingaben funktioniert, ist ärgerlich. Bereits die günstigste Aluminium-Version wirkt hochwertig. Ihre vielen Talente als Generalistin machen auch die diesjährige Apple Watch zu einer attraktiven Begleiterin am Handgelenk, die aber natürlich ein iPhone voraussetzt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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