Armbänder für die Smartwatch

Bändchen wechsel dich

Von Michael Spehr
26.05.2021
, 10:09
Leider teuer: das mehrfach um den Arm zu wickelnde Hermès-Armband
James Bond und das Nato-Armband: Das kann heute jeder tragen. Zur Individualisierung dient neben dem per Software anpassbaren Zifferblatt allein das jeweilige Armband.
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Früher gab es die gute mechanische Uhr, die einem zur Kommunion, Konfirmation oder Jugendweihe geschenkt wurde. Bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war eine solche Armbanduhr meist teuer und oft ein Geschenk fürs Leben. Mit dem Aufkommen der elektromechanischen Quarzuhren, die seither für den Massenmarkt gebaut wurden, sanken die Preise. Quarzuhren waren deutlich billiger als rein mechanische Zeitmesser und überdies genauer.

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Die smarten vollelektronischen Uhren mit Display statt Zeigerwerk und Anbindung ans Handy gab es in ersten Versionen schon vor fast 20 Jahren. Erfolgreich wurde die Gerätegattung jedoch erst mit der 2014 vorgestellten ersten Apple Watch. Mit ihr ging ein grundlegender Paradigmenwechsel einher: Es gibt nur noch ein einziges Design, eine Bauform und eine nahezu identische Funktionalität. Unterschied und Differenzierung ergeben sich über das Gehäusematerial und das Armband.

Die Uhr bleibt gleich, und zur Individualisierung dient neben dem per Software anpassbaren Zifferblatt allein das jeweilige Armband. Wir entfernen von unserer dunklen Apple Watch im Titangehäuse „Space“ das blaue Armband, setzen ein mangofarbenes an und stellen die Displayfarbe vom dezenten Altweiß ebenfalls auf Mango: In weniger als einer Minute entsteht ein ganz neuer Look. Man stimmt die Uhr auf die Kleidung und die Termine des Tages ab.

Das wechselbare Armband hat die Uhrenwelt verändert. War es früher üblich, dass zu einer Uhr ein Armband gehört, das man gegebenenfalls beim Uhrmacher wechseln ließ, wenn es verschlissen war oder nicht mehr gefiel, konstruierte Apple ein System, das den Armbandwechsel ohne das Federstegbesteck des Uhrmachers in Sekunden erlaubt. Selbst das aus 100 Einzelteilen bestehende Apple-Gliederarmband aus Edelstahl mit Doppelfaltverschluss lässt sich ohne jedes Werkzeug durch Herauslösen oder Einsetzen einzelner Glieder individuell an den Handgelenkumfang anpassen.

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Das Armband macht also den Unterschied, und zwar nicht mehr nur bei Apple. Jeder Anbieter einer Smartwatch, seien es Samsung, Huawei, Garmin, Fitbit oder Fossil, bringt für seine Uhren eine eigenständige Armband-Kollektion auf den Markt. Die Kunden erwarten das. Das regelmäßige Tauschen von Armbändern ist ein neuer Trend, und so wundert es kaum, dass sich sogar eine ganz neue Industrie gebildet hat, nämlich die Dritthersteller von Armbändern. Ihr wirtschaftlicher Erfolg ruht auf zwei Säulen: Design, Material und Farben werden rücksichtslos kopiert, und ebenso rücksichtslos ist die Preisgestaltung.

Das schwarze Edelstahlgliederarmband von Apple kostet 450 Euro. Die günstigste Kopie liefert Amazon für um die 20 Euro. Für ein echtes Hermès-Lederarmband sind fast 600 Euro zu zahlen, verblüffend echt aussehende Kopien aus China führt Amazon für weniger als 20 Euro. Was hinsichtlich Material und Qualität davon zu halten ist, sei dahingestellt.

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Unterschiedliche Verfahren ausgedacht

Wir werfen einen Blick auf die Details der Smartwatch-Armbänder. Für die Befestigung am Uhrengehäuse haben sich die verschiedenen Hersteller unterschiedliche Verfahren ausgedacht, wenn es um das einfache Wechseln geht. Eine Fenix-Sportuhr von Garmin beispielsweise hat die von alten Armbanduhren gewohnten Federstege. Der amerikanische Hersteller erlaubt indes einen schnellen Wechsel mit seinem Quickfit genannten System, wobei auf der Innenseite des Armbandes ein kleiner federnd gelagerter Schieber nach unten gedrückt wird, um Armband und Federsteg zu lösen.

Andere Hersteller integrieren den Federsteg ins Armband und setzen einen Federstift darauf, den man zur Seite schiebt, um das Armband aus den Befestigungsösen der Uhr zu lösen. Manche Smartwatches wie etwa von Fitbit verzichten auf einen Steg, hier steckt man das Armbandende ins Uhrengehäuse hinein und arretiert mit einem Plastikschieber.

Apple verwendet seit 2014 ein eigenes Befestigungssystem für seine Watch. In der Ober- und Unterseite ist über die gesamte Breite der Uhr eine Rinne eingelassen, in die das Armband seitlich hineingeschoben wird. Jedes kompatible Armband hat jeweils drei kleine Befestigungsknubbel, Konnektoren, an der Innen- und Außenseite, sie dienen der Arretierung. Das richtige Einschieben des Armbands in die Rinne wird mit einem Klickton quittiert. Um das Armband zu entfernen, betätigt man eine Entriegelungstaste auf der Uhrenrückseite.

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Besonders ästhetischer Charakter

Apple führt Armbänder aus verschiedenen Materialien: Flüssigsilikon, recyceltes Garn mit Silikonfasern, Fluorelastomer, Nylon, Leder und Edelstahl. Allen ist der Primat des Designs gemeinsam. Während ein traditionelles Lederarmband an der Luxusuhr ein Unikat ist, das natürliche Strukturen, gewachsene Fasern und Verflechtungen zeigt, erscheint ein Lederarmband von Apple als Kunstprodukt. Es hat eine homogene Farbe und weist keinerlei Artefakte auf, die auf seine Herkunft verweisen. Das Leder wirkt wie in Form gepresst. Während bei einer mechanischen Luxusuhr das handgefertigte Lederarmband aus Rinds- oder Kalbsleder zum Beispiel mit genieteten Anstoßenden oder einer prägnanten Ziernaht einen besonderen ästhetischen Charakter hat, liefert Apple Uniformität.

In das besonders artifiziell aussehende „Lederarmband mit Endstück“ und „Lederarmband mit Schlaufe“ setzt Apple kleine Magnete ein, so dass durch Überlappung der Verschluss entsteht. Die Farben der Apple-Armbänder wechseln regelmäßig wie die Mode, und da sich ja auch die Farben des Ziffernblattes anpassen lassen, kann man den visuellen Gesamteindruck seiner Apple Watch selbst komponieren.

Auch bei den Verschlüssen versucht Apple, Komplexität zu vermeiden, und setzt auf einfache Lösungen. Statt einer herkömmlichen Dornschließe schiebt man beim weitverbreiteten Sportarmband beide Teile des Bandes ineinander, arretiert wird mit einem kleinen Metalldorn. Die Designidee hat Fitbit übernommen, wenngleich das Anlegen der Google-Uhr etwas komplizierter gerät.

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Wenige hochwertige Anbieter jenseits von Hermès

Das von Apple Sport Loop genannte Armband aus Nylongewebe hat einen Klettverschluss, hier gibt es also keine zusätzliche Mechanik, aber die Armbänder wirken billig und erreichen bei weitem nicht den Charme des großen Vorbilds, nämlich der Nato-Armbänder aus Nylon altbekannter Luxusuhren. Ursprünglich nutzte das Militär solche Armbänder. Das britische Verteidigungsministerium prägte den Namen, indem es den Bändern Nato-Lagernummern gab. Sean Connery trug im James-Bond-Film „Goldfinger“ eine Rolex Submariner an einem auffällig schwarz-grünen Nato-Armband.

Noch radikaler ist Apples Verzicht auf einen Verschluss beim Solo Loop aus dehnbarem Flüssigsilikon und dem geflochtenen Solo Loop aus recyceltem Garn mit Silikonfasern. Hier besteht das gesamte Armband aus einem einzigen Band, das man etwas weitet, um es über die Hand zu ziehen, auf dass es sich dann von allein an den Arm anpasst.

Während billige Armbänder für die Apple Watch den Markt geradezu überschwemmen, fällt es schwer, hochwertige Anbieter jenseits von Hermès zu finden. Der österreichische Hersteller Hirsch, der auch Krokodil- und Alligatorleder verarbeitet, bietet einen Apple-Watch-Adapter für seine Preziosen an, die durchaus einige hundert Euro kosten dürfen.

Ein Armband aus dem gegerbten Leder des Louisiana-Alligators mit seidig gebürsteter Oberfläche sowie einem Zweitton im Schuppenbild hat eine Steppnaht und eine handgenähte Riegelnaht an der Schließe sowie einen ebenfalls handgenähten Sicherheitsstich auf der Schubschlaufe. Ober- und Futterleder werden mit der Rembordier-Technik fugenlos verbunden. Dieses Armband namens Capitano kostet dann um die 300 Euro.

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Wer bei Amazon und anderen Versandhändlern seine Armbänder günstig kauft, erhält meist Produkte, die großindustriell in China hergestellt werden. Wie es um Material und Farben steht, weiß man beim Kauf nicht. Wir haben in den vergangenen Jahren etliche solcher Bänder ausprobiert. Davon abgesehen, dass die Produktfotos bei Amazon digitale Renderings sind, die nur wenig mit der realen Anmutung zu tun haben, besteht zudem das Risiko allergischer Hautreaktionen. Die treten öfter auf, als man denkt, auch bei der Nutzung günstiger Fitness-Tracker und Smartwatches. Nickel ist das mit Abstand häufigste Kontaktallergen, und es gibt keinen Edelstahl ohne Nickel. Wird die Smartwatch gar rund um die Uhr getragen, um Schlafdaten zu erfassen, erhöht sich das Risiko für Hautreaktionen.

Das Armband der Zukunft könnte so smart wie die Uhr werden und selbst weitere technische Komponenten beherbergen. Samsung hatte vor Jahr und Tag eine Galaxy-Gear-Armbanduhr im Angebot, deren Kamera im Armband saß. Für die Apple Watch gab es die Idee eines Silikonarmbands mit biegsamen Akku-Einheiten darin, welche die Laufzeit der Uhr erhöhen sollten. Ein Apple-Patent aus dem Jahr 2020 beschreibt die Möglichkeit, wie ein Armband mit piezoelektrischen Sensoren als Eingabegerät genutzt werden kann. Patentiert hat der amerikanische Konzern weiterhin eine biometrische Identifikation des Armbandträgers und einen Mechanismus, bei dem sich das Armband während des Workouts automatisch strafft. Ferner soll das Armband zur Zusatzanzeige werden. Wie weit solche Entwicklungen schon gediehen sind, zeigt die Tatsache, dass jede Apple Watch einen versteckten Anschluss im Armbandverschluss hat, der allerdings bislang noch nicht genutzt wird.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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