Audio und Video

Demnächst in Ihrem Wohnzimmer

Von Wolfgang Tunze
Aktualisiert am 15.09.2020
 - 09:48
Loewe setzt auf vertraute Formen.zur Bildergalerie
Auf der IFA waren nur wenige Hersteller der Unterhaltungselektronik anzutreffen. Ihre Produkte haben sie trotzdem vorgestellt - auf virtuellen Pressekonferenzen rund um die Messe. Wir haben ein paar Highlights gesammelt.

Die Technikmesse IFA hatte zu ihrer Corona-Ausgabe nach Berlin gerufen, doch der harte Kern ihrer Trägerschaft begnügte sich diesmal mit einer Rolle als Zaungast. Ihren traditionellen Neuheitentermin aber hatten die großen Akteure der Unterhaltungselektronik keineswegs aus dem Kalender gestrichen: Pünktlich in der ersten Septemberwoche meldeten sie sich mit virtuellen Präsentationen ihrer jüngsten Kreationen, wie immer mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft. Wir haben für eine imaginäre Messe-Nachlese ein paar Highlights gesammelt.

Samsungs TV-Superstar heißt in dieser Saison Q950T; wir hatten diesen 8k-Boliden mit seinen 33 Millionen Bildpünktchen und seinem sensationellen Kontrast schon Mitte August unter die Lupe genommen. Für Freunde des echten Leinwandkinos aber hat der Hersteller jetzt noch eine interessante Alternative parat, einen Beamer nämlich, der die bewegten Bilder aus kurzer Distanz auf die Projektionsfläche wirft. Bisher hatte sich eher LG einen Namen mit dieser Geräteart gemacht, doch nun will auch die andere koreanische Marke mitmischen und nennt ihren Projektor „The Premiere“. Zwei Modellvarianten sollen noch in diesem Jahr in die Läden kommen. Die größere, LSP9T genannt, setzt drei separate Laser-Lichtquellen in den Grundfarben Rot, Grün und Blau ein, um damit mächtige Bilder bis zum Diagonalmaß 330 Zentimeter zu erzeugen. Diese Technik erlaubt den Verzicht auf rotierende Farbfilter, die störende Artefakte bewirken können. 2800 Ansi-Lumen versprechen die Datenblätter als Helligkeitswert. Das reicht für blendend helle Szenen, und die 4k-Auflösung steht für Heimkino-Genuss ohne lästige Pixelstruktur. Eine eingebaute Lautsprecherzeile liefert brauchbaren Ton zum Bild. Wer mehr will, bringt eine separate Soundbar und einen passenden Subwoofer ins Spiel.

Philips TV rüstet seine feinsten Fernseher mit Bildschirmen in Oled-Technik aus. Oled+935 heißt das neue Spitzenmodell folglich, und neben den üblichen Detailverbesserungen in der Signalaufbereitung, zu denen auch die Unterstützung aller gängigen HDR-Systeme zählt, ist vor allem ein neues Bildschirmformat bemerkenswert: Es gibt dieses Modell nicht nur in den üblichen Oled-Größen, sondern auch in einer fast schon zierlichen Variante mit dem Diagonalmaß 48 Zoll. Auch in dieser Saison setzt der Hersteller seine Zusammenarbeit mit den Lautsprecherspezialisten von Bowers und Wilkins fort. Der Beitrag der Engländer steckt im Gerätefuß, der wie eine schlanke, Dolby-Atmos-taugliche Soundbar funktioniert. Zwei Membranen strahlen den Schall gegen die Zimmerdecke und verleihen dem Klang folglich die cineastische Höhendimension.

Dem Ton zum Bild widmet Philips aber noch etliche weitere Geräteneuheiten, die den Familiennamen Fidelio tragen und damit an eine Tradition anknüpfen, die für einige Jahre unterbrochen war. Zu den neuen Fidelios zählen modular aufgebaute Soundbars und Funklautsprecher, die sich nach einem markenübergreifenden System vernetzen lassen. DTS Play-Fi heißt das W-Lan-Protokoll, das schon 28 Marken verwenden, darunter Pioneer, Rotel und Sharp.

Loewe, lange Zeit in tiefstem Krisenmodus, ist nach abgeschlossenem Eigentümerwechsel nun wieder im Spiel und meldet sich unter anderem mit zwei neuen Oled-Modellfamilien zurück, die Bild S und Bild V heißen. Die Gesichter dieser Geräte sind vertraut: Schmale Lautsprecherzeilen unter den Bildschirmen, unterbrochen von kleinen runden Status-Bullaugen, prägen den Auftritt. Auch die klare Bedienoberfläche des Loewe-Betriebssystems signalisiert Markenkontinuität. Unter den Audio-Geräten, zu denen Soundbars, Subwoofer, Netzwerk- und Bluetooth-Lautsprecher zählen, haben uns zwei kompakte, in quaderförmigen Aluminiumgehäusen steckende Radios gefallen, die in der Loewe-Nomenklatur Klang S1 und S3 heißen. Sie empfangen Hörfunk aus dem Internet und digitales Antennenradio, und wer noch CDs hört, greift zum größeren Modell, das ein passendes, vertikal eingebautes Laufwerk an Bord hat.

Reinrassiges HiFi steuert Marantz zum Neuheitenportfolio der Branche bei. Das Verstärkermodell 30 und der SACD-Spieler 30n stehen sogar für einen Generationswechsel. Marantz nahm Abschied von seiner traditionellen Fassadenkunst, lässt aber immer noch Stilelemente der Marke erkennen. Der Verstärker gibt sich besonders vinylfreundlich: Seine Phono-Eingangsstufe kann sich an drei unterschiedliche Klassen von Moving-Coil-Tonabnehmern anpassen, auf Abtaster mit bewegten Magneten stellt er sich ebenfalls ein. Der SACD-Player arbeitet auch als Musik-Streamer und verarbeitet in dieser Eigenschaft Tonkonserven jedweder Auflösung, zum Beispiel Flac-Daten bis zur Abtastfrequenz 192 Kilohertz und DSD-Ströme mit dem Takt 5,6 Megahertz.

Technics, die HiFi-Marke von Panasonic, präsentiert einen neuen Vollverstärker, der mit seinen beiden großen Zeigerinstumenten an Veteranen aus der audiophilen Gründerzeit erinnern. Mit digitaler Signalverarbeitung und effizienten Schaltendstufen aber folgt das Gerät modernen Konzepten. Selbst in der Phono-Vorstufe dominiert digitale Technik. Eine mitgelieferte Schallplatte mit Kalibrierungssignalen soll helfen, die Phonoentzerrung aufs Dezibel genau zu justieren.

Die zweite Neuheit des Hauses ist eine Komplettanlage mit eingebautem CD-Laufwerk, Internet- und DAB-Radio, Bluetooth-Empfang und Streaming-Funktionen über W-Lan. Aus ihrem Typennamen SC-C70Mk2 schließen Kenner der Materie: Dieses Modell ist die überarbeitete Version eines älteren Typs, und so ist es. Die Mk2-Version empfängt Musik jetzt auch über Airplay 2 und Chromecast, lässt sich in Multiroom-Anlagen einbinden, gehorcht den Befehlen einer Steuer-App und stellt sich sogar auf die Tücken der Raumakustik ein.

Quelle: F.A.Z.
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