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Bang & Olufsen Lautsprecher

Die rockende Rolle

Von Wolfgang Tunze
 - 15:35

Lautsprecher sind kantige Kästen? Nicht, wenn Bang & Olufsen draufsteht. Die Dänen haben für ihre tönenden Objekte schon so manche Spielart der Geometrie erprobt. Jetzt haben sie den Kreis als Gestaltungsvorgabe entdeckt. Beosound Edge heißt ihr jüngstes Konstrukt, und zwar deshalb, weil es aufrecht im Raum stehen kann wie eine Münze, die auf ihrer Kante gelandet ist. Und wie jedes Design-Objekt der Nordlichter hat auch der Edge einen ambitionierten Preis: 3250 Euro schreibt der Händler auf die Rechnung. Wir haben den etwa 50 Zentimeter hohen Rundling wie einen Appenzeller Käse in den Hörraum gerollt.

Das Auffälligste am Edge-Lautsprecher ist seine demonstrative Unauffälligkeit. Denn nach außen zeigt er nichts als seinen 13 Zentimeter breiten Reifen aus schimmerndem Aluminium und auf jeder Seite eine kreisrunde Textilbespannung. Darunter sitzen auf den beiden gegenüberliegenden Schallwänden je ein Hoch- und ein Mitteltöner. Ein 25 Zentimeter großes Tieftonchassis mit Doppelschwingspule, angetrieben von fast überdimensionierten zweimal 200 Watt starken Endstufen, gibt es nur auf einer der beiden Lautsprecherseiten. Zur Bass-Abteilung gehört auch ein rechteckiger Reflex-Port. Der aber, das ist eine weitere Besonderheit dieser Konstruktion, öffnet sich erst, wenn mächtige Pegel ins Spiel kommen. Ein kleiner Motor schwenkt dann einen Verschluss nach oben, damit der Wind aus dem Bassreflexkanal das Tieftonfundament zusätzlich stützen kann.

Die Bauform legt es nahe: Der Hörer kann zwischen verschiedenen Varianten der Schallabstrahlung wählen. Entweder das Edge-Rad bläst den Ton nur nach links oder nach rechts, oder er strahlt in beide Richtungen, um den Raum rundum mit Musik zu füllen. Angesteuert wird er drahtlos. Entweder über W-Lan nach den Protokollen Chromecast, Airplay 2 oder DLNA, oder über Bluetooth direkt aus einem mobilen Zuspieler. Eine Kabelverbindung ist aber ebenfalls möglich. Unter einer Abdeckung liegt – neben einer Ethernet-Buchse – ein Kombi-Anschluss für optische Digitalsignale oder elektrischen Analog-Ton. Alle Kabel, auch die Verbindung zur Steckdose, werden über eine kleine Öffnung im Aluminium-Reifen nach außen geführt und mit einem schwarzen Schaumstoff-Stöpsel fixiert.

Zur Quellenwahl, zur Einrichtung und zur Klangjustage des Lautsprechers dient eine App, die alle nötigen Vorbereitungen durch narrensichere Dialoge unterstützt. Die Software kann den Edge auch in Multiroom-Systeme einbinden. Bevor das Gerät loslegen kann, sind allerdings noch Montagearbeiten fällig: Ein Fuß-Element will mit vier Schrauben in einer rechteckigen Aussparung des Gehäuses fixiert werden. Es verhindert nicht nur, dass der Lautsprecher bei der Arbeit durchs Wohnzimmer rollt. Er unterstützt auch ein Stück elektronische Magie: Im Fuß sitzen Federkräfte und Sensoren. Sie erlauben dem Hörer, den gesamten Rundling ein Stück weit in die eine oder andere Richtung zu schubsen; die Federwirkung dreht ihn dann wieder in die Ausgangsposition zurück. Die Sensoren leiten daraus den Befehl ab, die Lautstärke hoch- oder herunterzufahren. Heftiges Anstupsen sorgt für größere Pegelsprünge, sanfteres für zartere Differenzen. Wir mussten das zunächst einmal üben. Bei ersten Versuchen brüllte uns der Edge ziemlich uncharmant an. Aber später funktionierte alles, wie es soll. Der Hersteller verspricht darüber hinaus, dass der Roll-Trick sogar klappt, wenn man den Lautsprecher mit einer speziellen Aufhängung an die Wand schraubt. Weitere Finessen steuern Bewegungssensoren bei. Nähert sich der Hörer, schaltet der Edge seine Elektronik automatisch ein. Ist niemand im Raum, geht er in den Stand-by-Modus. Ein paar Optionen der Handbedienung gibt es ebenfalls. Berührungssensoren oben am Gehäuserad erlauben den Sprung zum nächsten Titel oder zurück zum Anfang des Musikstücks. Und der Klang? Der Edge spielt als Einzelobjekt natürlich in Mono auf; dennoch gelingen ihm, besonders, wenn er in beide Richtungen strahlt, raumfüllende, angenehme Klangbilder mit sehr kräftigen, intensiven Farben. Spielt die Musik mit moderaten Pegeln, geht der Edge bemerkenswert sensibel und detailfreudig zur Sache. Steigt die Lautstärke in Richtung Party-Pegel, wächst der ohnehin schon kräftige Bass über sich selbst hinaus: Fette Tieftonschwinger sorgen dann für animierenden Nervenkitzel im Tanzbein.

Quelle: F.A.Z.
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