Beamer von Samsung im Test

Etwas distanzlos

Von Wolfgang Tunze
04.03.2021
, 15:00
Der neue Beamer von Samsung arbeitet nur eine Handbreit vor der Bildfläche. Dennoch signalisiert der LSP 9 T Highend-Klasse, schon mit einem ambitionierten Preis.

Die Leinwand im Kino bleibt vorerst dunkel. Darüber freut sich niemand, abgesehen vielleicht von Unternehmen, die mit Beamern fürs Heimkino handeln. Samsung, die Elektronik-Großmacht aus Korea, hielt sich lange Zeit mit passenden Angeboten zurück, bringt in diesen Tagen aber ein Modell auf den Markt, das unsere Neugier weckt. Denn der brandneue Bildwerfer LSP 9 T signalisiert Highend-Klasse, schon mit einem ambitionierten Preis: Rund 6300 Euro verlangt der Händler. Der Projektor, stolze elf Kilogramm schwer und mehr als einen halben Meter breit, arbeitet nach dem DLP-Prinzip, er erzeugt die Bilder also mit einem Chip, der für jedes Bildpünktchen einen winzigen Spiegel auf seiner Oberfläche blinzeln lässt.

Das machen sehr viel preisgünstigere Projektoren ebenfalls, aber damit hören die Gemeinsamkeiten mit den niederen Klassen auch schon auf. Denn während schlichtere Modelle konventionelle Lampen als Lichtquellen beschäftigen, die ihre Strahlen von schnell rotierenden Farbfilterrädern bunt einfärben lassen, setzt Samsungs Zögling Laserstrahlen ein – je einen für die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die spektrale Reinheit der Laser-Lichtquellen verspricht größere Farbtreue, und die Laser-Lebensdauer ist nahezu unbegrenzt. Quittieren konventionelle Projektionslampen nach etwa 4000 Stunden den Dienst, so gibt Samsung für sein System eine fünfmal so lange Lebenserwartung an.

Interessant ist auch, was die Datenblätter über die Auflösung aussagen: Samsung nennt Ultra HD, also 3840 mal 2160 Pixel, als Bildraster. Ob der im Beamer eingesetzte DLP-Chip diese Pixelfülle wirklich physisch erzeugt oder ob er, wie es viele günstigere Modelle tun, dazu einen Pixelshift genannten optischen Interpolationstrick anwendet, verrät der Hersteller nicht, aber unsere Prüfung mit einschlägigen Testbildern zeigte: Der neue Beamer kommt sehr nahe an das Auflösungsvermögen guter Ultra-HD-Fernseher heran.

Der LSP 9 T gehört zur Gattung der Kurzdistanz-Projektoren, wirft seine Bilder also aus nächster Nähe an die Wand. So kann er bis auf eine Handbreite vor die Projektionsfläche rücken. Aus der Maximaldistanz von etwas mehr 20 Zentimetern erzeugt er Leinwandbilder mit Diagonalmaßen von mehr als 3 Metern. Eine komplizierte Optik mit speziell geformten Linsen und Spiegeln macht es möglich. Diese Technik hat aber auch ihre Tücken. Samsung empfiehlt aus gutem Grund die Verwendung einer professionellen Leinwand, denn jede Unebenheit der Projektionsfläche ruft Krümmungen und Dellen an den Bildrändern hervor. Die Bildschirmmenüs bieten deshalb auch ein passendes Einstellbild mit etlichen Korrekturpunkten an, mit denen sich verbogene Strukturen geradeziehen lassen. Die Kurzdistanz-Optik schließt auch einen herkömmlichen Zoom aus. Ersatzweise gibt es elektronische Optionen für die Formatanpassung.

Mit seiner Ausstattung gleicht der Samsung einem smarten Fernseher: Über eine Internet-Verbindung bringt er alle gängigen Streaming-Dienste auf die Bildfläche. Über Airplay 2 kann auch das iPhone Videos an den Projektor funken, und wer mag, setzt Alexa zur Sprachsteuerung ein. Eingebaute Tuner können sogar Antennen- und Satelliten-TV empfangen. Obendrein hat der Projektor eine kompakte Soundbar an Bord. Deren Elektronik steuert die Abstrahlrichtung der Töne über 22 kleine Schallöffnungen und erzeugt so virtuellen Surround-Sound. Das funktioniert überraschend gut: Filmton klingt plastisch und kraftvoll – gut genug jedenfalls für Filmvorführungen in kleinen Räumen. Mit seiner Bildqualität überzeugt der Samsung-Beamer voll und ganz: Seine drei hellen Laser mischen prachtvolle Farben, und sein hohes Auflösungsvermögen sorgt für messerscharfe Konturen.

Quelle: F.A.Z.
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