Blackberry

Der ist uns Leap und nicht teuer

Von Michael Spehr
27.05.2015
, 10:22
Das Blackyberry Leap soll junge Gutverdiener überzeugen.
Mit seinem neuen Modell will Blackberry junge Gutverdiener überzeugen. Für den Arbeitsalltag ist das Smartphone bestens geeignet. Aber kann es noch mehr?

Das Blackberry-Betriebssystem bleibt eine Nische für Kenner und Könner. Sein Marktanteil im Smartphone-Bereich ist verschwindend klein. Bankangestellte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater und Juristen halten dem kanadischen Hersteller jedoch die Treue. Dessen Geräteportfolio will unterschiedliche Nutzertypen ansprechen. Der Passport, das Oberklasse-Gerät, trumpft mit seiner originellen Bauform und der Hybrid-Tastatur auf. Der Classic kommt mit einer großen Mini-Tastatur, die an die guten alten Zeiten erinnert. Und nun beerbt der Leap im klassischen Smartphone-Design den anderthalb Jahre alten Z30 und setzt ganz und gar auf die Bedienung mit flinken Fingern.

Bei dieser Gelegenheit positioniert der Hersteller sein Touch-Modell neu: Man erhält das gesamte Blackberry-Programm mit allen Finessen, aber das Gerät wird günstiger. Der Leap ist für weniger als 300 Euro erhältlich, dereinst ging der Z30 für den doppelten Preis an den Start. So soll der Leap das Gerät für die jungen Aufsteiger werden, die eine Ausstattung der Mittelklasse erhalten, zumindest mit Blick auf die nackte Hardware: Zwei Gigabyte RAM und 16 Gigabyte Speicher, erweiterbar mit Micro-SD-Karten, ein Zweikern-Prozessor mit 1,5 Gigahertz sowie eine Display-Auflösung von 1280 × 720 Pixel über 5 Zoll in der Diagonale hauen einen nicht vom Hocker. Im Vergleich mit dem Z30 fehlen zudem NFC und der Micro-HDMI-Port. Für die Blackberry-Welt mit dem genügsamen Betriebssystem 10.3. ist das Gebotene jedoch allemal ausreichend: Langsam ist der Leap nie; viele Android-Geräte mit schnellerer Hardware wirken schwerfälliger, weil aufgeblähte Software sie ausbremst.

Sicher und übersichtlich

Der Leap zeigt sofort die Vorzüge eines aufgeräumten, sauberen (und sicheren) Betriebssystems: Es wirkt wie aus einem Guss, vor allem dank des zentralen Nachrichtensammlers Blackberry Hub. Hier läuft alles aus allen Kanälen (Mail, Twitter, Facebook, Anrufe, SMS) in chronologischer Sortierung ein. Darstellung und angezeigte Elemente lassen sich sehr individuell justieren. Man kann beispielsweise aus einem Exchange-Postfach einzelne Ordner zur Anzeige und Überwachung auswählen. Der Blackberry Hub erweist sich sofort als Gewinn, Gleiches gilt für den Sperrbildschirm, der auf einen Blick E-Mail-Nachrichten, anstehende Termine und verpasste Anrufe zeigt.

Zum Schreiben von E-Mail, SMS oder Whatsapp-Nachrichten gibt es seit Version 10 den intelligenten Wortvorschlag-Algorithmus, der alle vergleichbaren Assistenten in den Schatten stellt. Während des Tippens auf der virtuellen Tastatur erscheinen sinnvolle Vorschläge, die man mit einem Fingerschnipp „nach oben“ ins Eingabefeld schieben kann. Die Vorschläge sind erstklassig, man staunt, auch im mehrsprachigen Einsatz. Die Spracherkennung, die sich mit einem Druck auf die Seitentaste starten lässt, ist ebenfalls zumindest der Konkurrenz aus den Häusern Android oder Windows überlegen. Sie ist fast so gut wie Apples Siri und bewährt sich nicht nur bei der Texterfassung, sondern man kann flink Kalendereinträge erstellen oder Internetsuchen starten.

Dank der Trennung beruflicher und privater Daten (Balance) empfiehlt sich der Leap für den Unternehmenseinsatz mit hohen Ansprüchen an Datensicherheit, und pfiffige Details wie etwa Blend zur Fernbedienung des Geräts am PC gibt es nur in der Blackberry-Welt.

Ohne Sperenzchen zum Ziel

Man kann eine Reihe weiterer Pluspunkte aufzeigen, alle weisen in dieselbe Richtung: Blackberry ist eine Effizienzmaschine für Menschen, die ohne Sperenzchen und Schnickschnack zum Ziel kommen wollen. Diese guten Gene der Software bringt der Leap mit, aber einige kritische Anmerkungen zur Hardware darf man nicht unter den Tisch kehren: Die Kamera (8 Megapixel) überzeugt nicht, und eine höhere Bildschirmauflösung täte vor allem dem Web-Browser gut. Viel Auswahl hat man bei den Blackberry-Apps noch immer nicht, indes lassen sich etliche Android-Programme über den Amazon-Store problemlos installieren.

Der fest eingebaute Akku des Leap hält selbst bei intensiver Nutzung rund anderthalb Tage durch. Im Unterschied zum Passport und Classic setzt Blackberry hier wieder auf die Micro- und nicht auf die Nano-Sim. Uns hat das Gerät gefallen. Für einen vergleichsweise niedrigen Preis erhält man einen robusten Apparat, der hilft, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot