Bluetooth-Lautsprecher im Test

Volle Kanne

Von Wolfgang Tunze
25.08.2020
, 09:48
Ein gewichtiger Henkelmann von Soundcast musiziert am liebsten unter freiem Himmel. Der VG7 wiegt zehn Kilogramm und legt Party-Qualitäten an den Tag. Allerdings ist er ziemlich teuer.

Für die nächste Gartenparty empfehlen wir: die Corona-gerechte Wahrung zwischenmenschlicher Abstände, einen angemessenen Vorrat an gut gekühlten Brauereierzeugnissen, einen potenten Grill und ein starkes Stück Musikelektronik. Es muss ja nicht gleich der für den Außeneinsatz prädestinierte Rockster von Teufel sein, den wir vor Jahr und Tag getestet haben, jener Schallwerfer, der aussieht wie ein Bühnenlautsprecher und der so viel Wind macht, dass man damit die Haare trocknen könnte. Es gibt auch Handlicheres, zum Beispiel vom kalifornischen Hersteller Soundcast. Das Modell VG7 etwa hat einen Tragegriff am konischen Korpus und erinnert damit entfernt an eine große Kanne aus der Milchwirtschaft. Den ambulanten Transport dehnt man aber nur ungern über die Distanz einer Rasenbreite aus, denn das Gerät zieht mit seinem Gewicht von fast zehn Kilogramm schon ziemlich kräftig am Unterarm.

Seiner Funktion nach ist der VG7 ein Bluetooth-Lautsprecher. W-Lan-Verbindungen kann er nicht herstellen, auf Funkverkehr über Apple Airplay oder Google Cast muss man folglich verzichten. Analoge Musiklieferanten aber können mitspielen. Für sie gibt es auf der Rückseite eine Klinkenbuchse. Gleich darüber sitzt ein USB-Anschluss, der den Zuspieler bei Bedarf mit Strom versorgt. Der Lautsprecher bezieht seine Energie entweder aus dem mitgelieferten Netzteil oder aus einem Lithium-Akku, der sich in ein abgedecktes Fach am Boden des Apparats einlegen lässt. Je nach Lautstärke soll dieser Stromspeicher zwischen zehn und 20 Stunden durchhalten, verspricht der Hersteller.

Zur Schallerzeugung setzt der VG7 fünf Chassis ein. Ein 18 Zentimeter großer Tieftöner bläst nach unten gegen einen halbkugelförmigen Reflektor. Vier rechteckige Schallöffnungen lassen den Ton nach außen. Für die mittleren und hohen Frequenzen sind vier kleinere, 7,7 Zentimeter messende Breitbandchassis zuständig, die hinter abnehmbaren metallischen Schutzgittern sitzen und in alle vier Himmelsrichtungen strahlen, um 45 Grad zur Hörachse versetzt. „360-Grad-Stereo“ nennt der Hersteller diese Art der Wiedergabe; wir würden eher von Mono-Betrieb mit Rundum-Schallverteilung sprechen, schon in Abgrenzung vom echten Stereo-Modus, den der VG7 im Zusammenspiel mit einem zweiten Exemplar tatsächlich beherrscht: Seine „Truewireless“-Funktion kann das Stereosignal aufteilen und einen der beiden Tonkanäle verzögerungsfrei an den zweiten Lautsprecher funken.

Die Drahtlosverbindung mit dem Smartphone stellt man auf die übliche Weise her. Eine Bluetooth-Taste am Lautsprecher signalisiert Kopplungsbereitschaft, in den Telefon-Einstellungen muss man dann nur noch den VG7 als Empfänger auswählen, und der Spaß kann beginnen. Dank NFC-Unterstützung geht es noch einfacher: Smartphones, die den Kontaktfunk ebenfalls beherrschen, hält man einfach unter den Tragegriff, und die Verbindung steht.

Auf seinem Oberdeck versammelt der Lautsprecher ein paar wasserfest gummierte Tasten für elementare Funktionen wie Musikstart, Pausenmodus, Sprung zum nächsten Titel oder zurück zum Anfang. Ferner lässt sich dort die Lautstärke regeln oder das ganze Aggregat stummschalten. Eine weitere Taste erlaubt die Wahl zwischen Garten- und häuslichem Betrieb. In der Outdoor-Variante legt der eingebaute, nach Datenblatt 60 Watt leistende Verstärker eine Extraportion Bass nach.

Und was passiert, wenn jemand seine Bratwurst auf dem Musikanten ablegt und dabei mit Senf kleckert? Kein Problem, behauptet Soundcast, der VG7 lasse sich notfalls sogar mit dem Gartenschlauch reinigen. Tatsächlich sind alle Anschlüsse mit Gummiklappen verschließbar, aber in den Pool werfen würden wir das Gerät dann doch lieber nicht.

Den Hörtest hat unser VG7-Muster im Alleingang ohne Stereopartner absolviert. Dabei hat er Party-Qualitäten an den Tag gelegt. Weil sein Korpus keine akustische Rückseite kennt, strahlt er den Schall in alle Richtungen, gerade richtig für eine tanzfreudige Gemeinde. Auf diesen Einsatzzweck ist auch seine Abstimmung zugeschnitten. In den Höhen eher zurückhaltend, dafür in den Mitten leicht betont und im Bass üppig. Allerdings ist er mit 870 Euro ziemlich teuer. Zum Vergleich: Für die Party-Ikone Rockster verlangt Teufel nur 100 Euro mehr.

Quelle: F.A.Z.
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