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Canon Eos M5 erweitert

Kleine Kamera, dickes Rohr

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 15:36

Man könnte sagen, die folgenden Überlegungen seien das Luxusproblem von besonders Kostenbewussten. Da hat beispielsweise die Partnerin eine schöne digitale Spiegelreflex-Ausrüstung (DSLR): nicht nur ein leistungsfähiges Gehäuse neuerer Bauart, sondern dazu auch noch mehrere Objektive zum Wechseln, die über alle Kritik erhaben sind. So etwas bindet – und nicht nur die DSLR-Fotografin selbst. Sie erwirbt sowieso aller Wahrscheinlichkeit nach erst einmal ein neues ins System passendes Gehäuse, bevor sie einfach umsteigt. Da kann eine andere Marke mit einer noch so interessant ausgestatteten Kamera locken. Aber wenn sich nun der Gatte eine spiegellose Systemkamera (DSLM) wünscht, eine, die kompakter sein kann, weil sie ohne Schwingspiegel auskommt? Liegt es da nicht ebenfalls nahe, markentreu zu bleiben und die vorhandenen guten Optiken weiter nutzen zu wollen? Wozu gibt es schließlich Adapter?

Canon stützt sich auf eine besonders breite Basis von digitalen Spiegelreflexkameras mit den entsprechenden Wechselobjektiven im Markt. Deshalb spielt die weitere Nutzung von vorhandenen Objektiven für diesen Hersteller eine besondere Rolle. Aber auch wo man nicht über Jahrzehnte und den Wechsel von Analog- zu Digitalfotografie hinweg wie bei Pentax an einem Bajonett festhielt, wurde doch, etwa von Olympus oder Leica, auf den Investitionsschutz durch Anpassung älterer Objektive geachtet. Außer solchen herstellereigenen Lösungen, Objektive einer Baureihe an Gehäuse einer anderen anzupassen, werden etwa von Novoflex zahlreiche Adapter zum Anschluss von Fremdobjektiven angeboten. Nicht selten sind mit Adaptern jedoch Einschränkungen beim Funktionsumfang verbunden.

Canon nun rüstet seine spiegellose Eos M5 (Gehäusepreis rund 850 Euro) gleich in einem Kit mit einem solchen Zubehör als weiterer Anschlussmöglichkeit aus. Für rund 1250 Euro bekommt man zusätzlich zum Standard-Zoom EF-M 1:3,5-6,3/15-45 mm auch noch den Zwischenring dazu, der ein frontal für EF- und EF-S-Objektive passendes Bajonett kameraseitig auf das kleinere Maß EF-M umsetzt. Dabei ist das mitgelieferte Objektiv eingefahren nur wenig größer als dieser Adapter.

Bei dem geht es in digitalen Zeiten natürlich nicht nur um die Mechanik, den Durchmesser des Bajonetts und das Auflagemaß. Wesentlich ist, dass die Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera reibungslos funktioniert. Das ließ sich mit der Eos M5 und einem lichtstarken Canon EF 1:2/35 mm IS USM sehr gut an. Man hat nicht im Geringsten den Eindruck einer Notlösung, jedenfalls nicht bedienungstechnisch. Auch die Geschwindigkeit stimmt – verglichen mit einer Spiegelreflex. Dass das EF-Objektiv plus Adapter und Canons eher ein wenig eckig gestylte DSLM mit dem 24-Megapixel-APS-C-Sensor (22,3 × 14,9 Millimeter) aus zwei Welten stammen, ist jedoch ständig zu spüren.

Größe und Gewicht beider Teile harmonieren nicht, und man könnte sich einbilden, das etwas weniger solide wirkende Gehäuse der Kamera könne einem von dem massiven Objektiv abbrechen. Das wird natürlich nicht passieren, aber man hat deutlich verschieden Anmutendes in der Hand. Auch wenn die Kooperation mit dem sehr guten Objektiv tadellos funktionierte, der Eindruck blieb: Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund. Die Eos M5 ist sicherlich eine gut ausgestattete DSLM mit der für Canon typischen, besonders übersichtlichen Bedienungsoberfläche. Sie ist nicht gerade die Allerschnellste, und sie erweckt nicht den Eindruck in irgendeiner Disziplin ihre Wettbewerber ausstechen zu können. Verglichen mit denen fehlt ihr einfach das gewisse Etwas. Wer die Vorzüge einer DSLM wirklich genießen will, wird ohne Reue anderswo fündig werden, auch wenn das einschließt, die Spiegelreflex-Objektive seiner Canon-DSLR daheim zu lassen.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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