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Sony DMP-Z1 im Test

Der Über-Walkman

Von Marco Dettweiler
 - 16:00

„Ist das Ihr neuer Walkman?“, fragte der Kollege, als wir mit einem zweieinhalb Kilogramm schweren Gerät in der Hand und einem mächtigen, ohrumschließenden Kopfhörer auf den Ohren über den Flur liefen. In der ironisch gemeinten Frage steckt viel Wahrheit. Das Gerät ist in gewisser Weise wirklich ein Walkman. Es spielt Musik ab. Weil es einen Akku integriert hat, kann es unterwegs genutzt werden. Außerdem ist es von Sony, die den Walkman erfunden haben und die Bezeichnung weiterhin verwenden. Die Marketingabteilung hat sich in diesem Fall dagegen entschieden. Sony nennt den DMP-Z1 – so das Kürzel – einfach „Musik-Player“. Der Preis ist auch einfach zu merken: knapp 9000 Euro, 8999 Euro, um genau zu sein. Es schadet nichts, den Preis zweimal zu schreiben. Er ist wirklich so hoch.

Um sich diesem wahnsinnigen Produkt rational nähern zu können, sollte man den DMP-Z1 zunächst als edlen Kopfhörerverstärker begreifen. In dieser Gerätegattung werden von den High-End-Herstellern auch schon Preise für mehrere tausend Euro abgerufen. 6200 Euro verlangt Malvalve für seinen Head Amp 3 IV, der HDV-820 von Sennheiser kostet 2400 Euro. Dieser hat praktischerweise einen Digital-Analog-Wandler eingebaut. Das Gerät unterstützt dann nicht nur den Kopfhörer mit seinem Verstärkerteil, sondern wandelt digitale Signale in analoge. Somit können CD-Player oder Netzwerkspieler direkt einen Eingang finden. So ein Gerät hat Sony übrigens ebenso im Angebot: den TA-ZH1ES für 2000 Euro.

Als wir den DMP-Z1 das erste Mal auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin in einem Glaskasten sahen, dachten wir zunächst an ein solches Produkt: Sony präsentiert einen edlen Kopfhörerverstärker mit vergoldetem Lautstärkeregler. Doch er hat mehr Funktionen. So steckt in ihm eine Festplatte mit 256 Gigabyte Speicherplatz. Dieser kann durch zwei Micro-SD-Karten erweitert werden. Sobald man Sonys Musik-Player mit einem Computer über USB verbindet, taucht die Festplatte als Ordner auf. Dort schiebt man die Dateien per Drag & Drop einfach hinein. Die Dateien verwaltet der DMP-Z1 mit einer eigenen Software, die über das auf der Oberseite sitzende kleine Display bedient werden kann. Somit funktioniert er genauso wie ein MP3-Player oder Smartphone, auf dem Musik gespeichert ist. Sony zwingt die Nutzer zwar nicht dazu, geht aber wohl davon aus, dass nur Hires-Dateien, also hochauflösende Musiktitel, Platz finden. Das garantiert, dass schon die Quelle bestmöglichste Qualität liefert. Doch die Streaming-Generation will Sony dennoch nicht ausschließen. Über Bluetooth lässt sich auf den DMP-Z1 ebenso zugreifen. Dadurch gewährt das Gerät Signalen Einlass, die von Smartphone-Apps wie Spotify, Qobuz, Tidal oder Apple Music gestreamt werden.

Betrachtet man die bisher beschriebenen Funktionen, wäre Sonys Musik-Player schon etwas Besonderes, weil es wenige vergleichbare Produkte gibt. Doch der DMP-Z1 ist etwas Außergewöhnliches. Er hat auch noch einen Akku integriert. Damit fällt das Gerät in gewisser Weise unter die Gattung der Digital Audio Player. Das sind jene Produkte, die aussehen wie ein dickes Smartphone, mit denen jedoch nur Musik gehört wird. Sie liegen gerade bei den qualitätsbewussten mobilen Musikhörern im Trend. Dennoch: Ein zweieinhalb Kilogramm schwerer Player für unterwegs? Unbedingt, wenn es nach Sony geht. Der MDR-Z1R kommt nämlich in einem Lederköfferchen mit Henkel. Wer also auf exquisiten Klang während der Zugfahrt nicht verzichten will, stellt den DMP-Z1 auf den Tisch und drückt auf Play. Der Akku mit einer Ausdauer von zirka neun Stunden hält für jede beliebige ICE-Fahrt quer durch Deutschland.

Auch wenn die Funktionalität des Musik-Players beachtlich und außergewöhnlich ist: Wäre es nicht möglich gewesen, den Preis um ein paar tausend Euro zu senken? Vielleicht. Doch hier soll Geld keine Rolle spielen, weder bei den Ingenieuren noch beim Käufer. Sony leistet sich seit ein paar Jahren diese Audioproduktsparte, die keine Grenzen kennt: einen Walkman für 3300 Euro, einen Kopfhörer für 2200 Euro und ebendiesen Kopfhörerverstärker für 9000 Euro. Für den Preis haben die Ingenieure das Teuerste eingebaut, was sie haben: die Kopfhörerausgänge sind mit Kimber-Kabel verdrahtet, der Lautstärkeregler ist vergoldet, fünf Batteriezellen versorgen unabhängig voneinander den Verstärker, ein mit Almite beschichtetes Gehäuse, zwei Digital-Analog-Wandler von AKM und noch einiges mehr.

Die genannten Komponenten rechtfertigen immer noch nicht den hohen Preis. Zudem dürften High-End-Kritiker ihre Auswirkung auf den Klang in Frage stellen. So waren auch wir gespannt, wie der DMP-Z1 klingen würde, während wir die Hires-Dateien auf die Festplatte transferierten und den MDR-Z1R von Sony als passenden Kopfhörer auf die Ohren setzten. Die Ordnung der Dateien war von der Software schnell hergestellt, mit wenigen Fingertipps waren die Titel zum Test gesucht, gefunden und ausgewählt. Doch bevor die erste Klänge ertönten, schaltete sich die „automatische Lautstärkedämpfung“ ein, was erst einmal heißt: Stille. Um sie auszuschalten, dreht man den Lautstärkeknopf auf null und hebt sie über das Display wieder auf. Eine nervige, aber sinnvolle Sperre, damit die Ohren gesund bleiben.

Dann nahmen unsere Ohren Klänge in einer Art und Weise wahr, wie wir sie selten erleben. Alles ist klar und detailreich. Die Musik klingt dynamisch und rhythmisch. Gitarrensoli sind prägnant, Stimmen erheben sich im richtigen Moment. Weil wir Sonys Kopfhörer MDR-Z1R an anderen Verstärkern gehört haben und er uns nicht so nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, trägt der DMP-Z1 wohl maßgeblich zum Klang bei. Er sieht also nicht nur in seiner schwarz-goldenen Erscheinung wahnsinnig gut aus und kostet nicht nur wahnsinnig viel Geld, sondern klingt auch wahnsinnig gut. Dieser Musik-Player ist der Wahnsinn.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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