FAZ plus ArtikelMusik in Dolby Atmos

Goodbye Stereo

Von Marco Dettweiler
13.09.2021
, 11:14
Stereo kennt und hört jeder. Damit könnte es bald vorbei sein. Dolby Atmos ist auf bestem Weg, der Standard in der Musik zu werden. Allerdings müssen einige Hörer dafür noch eine Hürde nehmen.

Musik ertönt meist aus zwei Lautsprechern. Einer steht vorne links, der andere vorne rechts vom Hörer. Selbst auf Konzerten in Hallen oder Stadien ist es ähnlich. Nur dass sich auf der einen und der anderen Seite ganz viele Boxen stapeln. Im Kino ist es schon lange nicht mehr so. Dort ertönen Geräusche, Stimmen, Effekte und Musik von links, rechts, vorne und hinten. In immer mehr Filmtheatern hört man auch Töne aus Lautsprechern in der Decke. Solche Kinos unterstützen das Format Dolby Atmos, man spricht von dreidimensionalem Sound, von Raumklang. Cineasten schätzen dieses Format gerade bei Actionfilmen, weil man sich als Zuschauer akustisch mitten im Geschehen befindet und in einigen Szenen die Geräusche genau orten kann.

Was mit Filmsound geht, funktioniert ebenso mit Musik. Schließlich bestehen die meisten Bands sowieso aus mindestens drei oder vier Musikern, deren Instrumente sich im Raum verteilen. Wie ist es also, Musik nicht nur im Stereoformat von vorne zu hören, sondern dreidimensional oder räumlich, damit sie um einen herum ertönt? Es ist ziemlich beeindruckend. Wir sitzen zusammen mit Gründer und Inhaber Stefan Bock in einem Raum seiner MSM-Studios in München und hören uns durch einige seiner Dolby-Atmos-Aufnahmen. In den Genres Klassik und Jazz überzeugt uns das Format noch auf nüchterner, eher verkopfter Ebene.

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So funktioniert Dolby Atmos auf dem Kopfhörer

Es ist gar nicht so einfach, eine Dolby-Atmos-Aufnahme zu Hause zu hören. Als Lieferservice für den Inhalt bietet sich ein Streamingdienst an, allen voran Apple Music, wo derzeit das Angebot an Alben am größten sein dürfte. Dann muss ein Endgerät her, das dieses Format abspielen kann. Da nicht jeder einen zertifizierten AV-Receiver mit Surround-Anlage oder eine solche Soundbar zu Hause hat, bietet sich als Minimallösung ein Kopfhörer an. Wer jetzt stutzt, stolpert zu Recht. Wie kann ein Kopfhörer mit zwei Membranen einen Klang abbilden, der normalerweise auf mindestens sieben Lautsprecher mit einem Subwoofer verteilt wird?

Das Zauberwort heißt Binauraler Renderer. Solch ein Algorithmus simuliert auf dem Kopfhörer einen Raumklang. Dann hört sich die Musik so an, als wäre sie im Raum verteilt. Dieses Verfahren funktioniert, weil der Mensch im Alltag dreidimensional hört, obwohl er nur zwei Ohren hat. Er nimmt nämlich Unterschiede in der Laufzeit und Intensität der Schallwellen wahr.

Das Ergebnis lässt sich mit einem Kunstkopf messen. Er ist dem menschlichen Schädel nachempfunden, in den Ohren sitzt jeweils ein Mikrofon. Nimmt man so ein Lied auf, lässt sich jeder Ton orten. Nun werden die Alben nicht mit Kunstkopf aufgenommen. Aufgrund der Messungen kann aber berechnet werden, wie es wäre, wenn die Musik mit einem Kunstkopf aufgenommen worden wäre.

Für Apple Music hat Apple einen eigenen binauralen Renderer entwickelt. Sobald ein Dolby-Atmos-Album abgespielt wird, „übersetzt“ der Algorithmus die Signale und gibt sie an den Kopfhörer weiter. Das funktioniert automatisch mit den hauseigenen Kopfhörern wie etwa den Airpods Max. Aber auch andere Modelle eignen sich dafür. Prinzipiell ist ein Renderer der Schlüssel, um Dolby Atmos auch auf High-End-Kopfhörern mit Verstärker hören zu können. Das Abspielgerät muss auf jeden Fall die Daten erst wandeln, damit sie binaural auf dem Kopfhörer ankommen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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